Gortschakow über die Zusammenkünfte in Stuttgart und Weimar. 253
attribué à cette entrevue la portée d'un évenement historique, ce Caractere dorénavant lui
est acquis; c'est un fait accompli, auquel Pentrevue de Weimar ne pourra rien changer“.
Nach den Reden des Fürsten Gortschakow muß ich allerdings schließen, daß Verabre-
dungen von großer Wichtigkeit zwischen Rußland und Frankreich in Stuttgart getroffen
worden lind. Denn er sagte mir auf mein Befragen über die dänische Angelegenbeit, daß
Grankreich ursprünglich anderer Ansicht gewesen sei, als Rußland, und eine stärkere und
frühere Cinmischung der europäischen Mächte habe in Anspruch nehmen wollen; nachdem
er sich aber mit Srankreich über viel größere Dinge verständigt habe, falle die dänische
Frage unter den Satz minima non curat praetor und habe kein Gegenstand der Meinungs-
verschiedenbeit zwischen den beiden Höfen bleiben können; Frankreich habe die Ansichten
Rußlands adoptiert, und man werde danach die dänischen Streitigkeiten zunächst den Ber-
bandlungen der Kopenhagener Regierung mit den Thefs der holsteinschen Partei und
dann dem Bundestage als eine spejzifisch deutsche Frage überlossen. Er werde sich in
Berlin mit E. E. bierüber zu verständigen suchen. Herr von Bülow habe ihn in Stuttgart
als Freund um seinen Rat gefragt, und er habe diesen nur in der Art geben können, wie
ihn ein Vater streitenden Kindern gebe, indem er dem Stärkeren rate, zugleich der Ber-
nünftigere zu sein und nachzugeben, unter den obwaltenden Umständen also dem dänischen
M-çinisterium. So wenigstens verstand ich die mir nicht in allen Einzelbeiten klare Darle-
gung, über welche ich bei der Kürze der Seit keine aufklärenden Sragen stellen konnte.
Wiederholt sagte er, daß die bolsteinsche Srage eine pezifisch deutsche und für die „euro-
pdischen Interessen“ eine minder erbebliche sei, daß dagegen die Stuttgarter Susammen--
kunft Sragen von der höchsten Tragweite zum Gegenstande gebabt habe, über welche man
sich in einer für Rußland und, wie er glauben dürfe, auch für Preußen vollständig be-
friedigenden Weise verständigt habe. „Mehr könne er mir für den Augenblick nicht Jagen,
und auch dies nur unter dem Siegel der Verschwiegenbeit.“
Schon als ich den Fürsten Gortschakrow vor der Stuttgarter Susammenkunft sab, war
er unvoerkennbar bemüht, eine hohe Sdee von der Bedeutung derselben zu erwecken, der
Ansicht entgegenzutreten, als ob es sich nur um eine Courtoisie zwischen beiden Monarchen
handle, und der Begegnung beider den Charakter eines bistorischen Ereignisses beim-
legen. Inwieweit dieses Bestreben auf seine eigene Beurteilung der Refultate der Su-
sammenkunft oder auf sein Bestreben, mir über dieselbe eine hobe Meinung beizubringen,
eingewirkt hat, vermag ich natürlich nicht sicher zu beurteilen. In betreff der Susammen--
kunft in Weimar fagte er etwa folgendes: Dieselbe sei ohne alle politische Bedeutung,
und er werde nur bedauern, wenn das Ministerium des Grafen Buol ihr etwa zum Opfer
fallen sollte; Rußland könne nur wünschen, daß Graf Buol in seiner Stellung bleibe,
derselbe sei dort für das Petersburger Kabinett nützlicher, als ein rufsischer Gesandter.
Daß die Begegnung in Weimar bei Grankreich Mißtrauen erwecke, sei eine öster-
reichische Erfindung, und Grankreich vollständig bekaonnt mit ihrer gänzlichen Bedeu-
tungslosigkeit; der Kaiser Alexander habe dem Kaiser Napoleon in Stuttgart gesagt, er
könne die ZSusammenkunft in Weimar so ansehen, als ob sie bereits stattgefunden bätte
und vorüber wäre, von Einfluß auf die Dolitik Ruhßlands werde sie nicht sein. Daß weder
uns noch Frankreich von den Vorbereitungen der Begegnung in Weimar früber, als
geschehen, Mitteilung gemacht worden, habe seinen Grund in dem bestimmten Verlangen
der Geheimbaltung von seiten ÖOsterreichs. 6
Es bindert dies nicht, daß ÖOsterreich, nicht ganz ohne Crfolg, bemüht ist, auf Grund
der Geheimbaltung leiner Berbandlungen mit Ruhland bei den Granjosen MWißtrauen