Friede zwischen Konrad und Welf VI. 123
den König zu größter politischer Tätigkeit an. Jetzt sollten die vielen, seit vier
Jahren erlittenen Niederlagen gerächt und das staufische Haus zu niegesehenem
Glanze erhoben werden. An ein Überlassen Bayerns an Heinrich den
Löwen dachte der König nicht mehr, ja er wollte mit völliger Ignorierung des
Herzogs direkt mit den sächsischen Fürsten unterhandeln?); vielleicht hegte er
schon jetzt die Absicht, auch Sachsen dem Sohne Heinrichs des Stolzen zu
entreißen. Dann sollten der Papst zur Ruhe ermahnt, die polnische Angelegenheit
vorteilhaft geordnet und endlich die große Heerfahrt nach Italien
zur Vernichtung der verhaßten Normannen begonnen werden. Der König
nahm überdies jetzt einen viel stolzeren Ton gegen die kirchlich Gesinnten in
seiner Umgebung an?).
Als nun die wahre Sachlage bekannt wurde, riet Wibald, um neuen Ein- 1150
fluß bei dem Könige zu gewinnen und etwaigen Verdacht wegen zu starker
Hinneigung zum Papste zu verbannen, den Besiegten mit der größten Strenge
zu verfolgen??#). Aber durch die Vermittelung des Herzogs Friedrich von
Schwabent) — von Vaters Seite Konrads, von Mutters Seite Welfs Neffe
— wurde zwischen dem Könige und Welf VI. ein Friede geschlossen, in dem
der letztere dem Könige seine Unterwerfung und vollständige Verzichtleistung
auf Bayern versprach und dafür die Gefangenen zurück erhielt, sowie mit der
schwähischen Stadt Mertingen an der Schmutter und einigen königlichen Einkünften
beschenkt wurdeff). In dieser Zeit weilte auch Heinrich der Löwe bei
dem siegreichen Könige auf dem Hoftage zu Würzburgfsft). Allein er verzich= 30. Juli
tete auf den Besitz Bayerns mit nichten, dessen Herzog er sich mindestens seit
dem Jahre 1149 amtlich nanntes). Auf dem zahlreich besuchten Tage zu
Regensburgss) erschien Heinrich nicht. Denn schon hatten, während er anscheinend
friedlich auf seinen Besitzungen in Schwaben saß, seine Anhänger
in Bayern zu den Waffen gegriffen. Die Söhne des bayrischen Pfalzgrafen
Otto von Wittelsbach hatten sich gegen den König empört, hoffend auf die
Unterstützung der bayrischen Großen, wohl auch Heinrichs des Löwen. Dieser
wollte erst abwarten, was aus solchen Bewegungen entstehe; er stellte sich also
½6%) Wibald Mitte Februar an den Kanzler Arnold, 226. Ep. Wib., p. 345: [Rexl
colloquinm habere vult cum Saxonibus in dominica, qua cantatur Judica me Deus
(5. Aprill apud Fuldam.
*„) Der arme Wibald, dessen Einfluß durch die große Niederlage der welfisch-kirchlichen
Partei freilich letr sinken mußte, benagt sich über des Königs „Mürrischkeit“ in
schmerzlichen, aber vorsichtigen Worten. 226. Ep., p. 345.
%%½% 234. Ep. Wib., p. 353.
o) Hist. Welf. Weing., p. 468. — Der Zähringer wird wohl nach der Meinung Giesebrechts,
Kaiserzeit, IV#, 489, der „Achitophel“ und Friedensstifter sein, den Hibald,
234. Ep., p. 353, wegen der Vereitelung seines UAugen Streiches mit vielen Schmähunen
überhäuft. — Vgl. Annales Mellicenses (M. G. Ss. IX), p. 504.
)Mon. Weingart. I. c. — Vgl. Behrens, Welf VI., S. 153.
# f#nrich ist Zeuge auf einer kaiserlichen Urkunde; Scheid, Orig. Guelf. III.,
p.
4) Zuerst in einer Urkunde vom 13. Sept. 1149; Hamb. Urkdb. I, 175, Nr. 188.
K) St. Nr. 3582. — Otto Frising., Gest. I, 63.