Full text : Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen.

254  Drittes  Buch.  II:  Im  Gefolge  des  Kaisers.

Es  wurde  sofort  ein  Platz  zur  Erbauung  einer  Kathedrale  und  mehrerer
Klöster  angewiesen.  Dann  wurden  nicht  minder  für  zwölf  Domherrn  und
einen  Propst  Präbenden  eingerichtet,  die  durch  den  Herzog  und  den  nicht
immer  so  freigebigen  Adolf  II.  reiche  Einkünfte  erhielten.  Zum  Propst  an
dem  Kapitel  wurde  jener  wackere  Priester  Ethelo,  der  vor  kurzem  durch  seine
Geistesgegenwart  und  seinen  Mut  Lübeck  gerettet  hatte,  zum  gerechten
Lohne  für  sein  großes  Verdienst  um  die  Feste  des  Germanentums  unter  den
Heiden  erwählt').

Auch  Hartwich  von  Bremen  bestätigte  endlich  das  Werk  Heinrichs  und  gab
der  ganzen  bremischen  Kirchenprovinz,  wie  sie  sich  nun  gestaltet  hatte,  mit
den  Suffraganen  von  Verden,  Lübeck,  Ratzeburg  und  Schwerin,  eine  feste
Verfassung,  indem  er  für  die  rechts-elbischen  Bischöfe,  Kleriker  und  Vasallen
des  Erzstiftes  eine  jährliche  Synode  zu  Hamburg,  für  die  links-elbischen
Kleriker  und  Vasallen  zu  Bremen  anordnete').

So  ließ  sich  im  Slavenlande  alles  aufs  beste  für  die  Pläne  Heinrichs  des
Löwen  an.  Seit  dem  Ausgleiche  wegen  Lübecks  stand  er  auch  mit  Graf
Adolf  II.  auf  freundschaftlichem  Fuße.

Aber  in  Sachsen  selbst  war  ihm  Bischof  Ulrich  von  Halberstadt  beständig
im  Wege.  Da  dieser  zugleich  ein  eifriger  Anhänger  Alexanders  III.  war,
benutzte  Heinrich  dieses  als  Vorwand,  um  von  einem  der  viktorischen  Kardinäle,
  Guido  von  Crema,  die  Absetzung  Ulrichs  zu  erwirken;  an  seinen  Platz
trat  der  Dekan  Gero,  ein  Freund  des  mächtigen  Herzogs““),  Ulrich  aber  floh
zu  dem  Haupte  der  Alexandrier  in  Deutschland,  zu  Erzbischof  Eberhard  von
Salzburgf).

Wie  sich  Heinrich  auf  diese  Weise  von  neuem  als  Genosse  des  Kaisers  und

25.  seiner  Partei  gezeigt  hatte,  so  bald  wiederum  bei  einer  wichtigeren  Gelegen-Julift)

  heit.  Zu  Erfurt  nämlich  versammelten  sich  viele  deutsche  Fürsten  —  u.  a.

die  Erzbischöfe  von  Cöln,  Trier  und  Magdeburg,  der  Herzog  von  Schwaben-=Rothenburg,

  die  Land-,  Mark=  oder  Pfalzgrafen  von  Thüringen,  Brandenburg,

  der  Lausitz  und  bei  Rhein  —  um  eine  Heerfahrt  für  das  nächste  Jahr

gegen  Mailand,  dem  Kaiser  zu  Hilfe,  zu  beraten  und  zu  geloben.  Hier  befand

sich  auch  als  wichtigste  Persönlichkeit  Herzog  Heinrich,  der  gleichfalls  den  Eid

ablegte,  im  nächsten  Jahre  dem  Kaiser  zur  Unterstützung  nach  Italien  zu
ziehen.

 

)MHelm.  I,  90.

Krit.  Erört.  II  hh.

%)  Ann.  Pegav.,  p.  140  f.  —  Chronicon  Halberstadense  ap.  Leibnitz  Scr.  Br.  II,

"7  136.  —  Chr.  S.  Petri  Erphesf.  Mod.,  p.  180.  —  Ann.  Magdeb.,  p.  191  f.  —  Chr.
.ont.  Ser.,  p.  138.

1)  Im  November  1163  wenigstens  befindet  er  sich  bei  demselben;  denn  Oichef
Ulrich  von  Treviso  adressiert  einen  Brief  reverendis  patribus  ac  dominis  Elberhardo!

Dei  gratia  s.  Juaviensis  ecclesiae  dignissimo  se.,  OCllrico)  Halberstatensi  atque

Rlomano]  Gurcensi  venerabilibus  episcopis;  Sudendorf,  Registrum  II,  p.  112.
tf)  Ann.  S.  Petri  Erphes.  Majores,  p.  58.  —  Den  24.  Juli  gibt  das  Chron.  S.  Petri

Erphesf.  Mod.,  p.  180:  VIII.  Kal.  Augusti.