Metadata : Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen.

Ende  Jan.

3.  Febr.

496  Fünftes  Buch.  II:  König  Heinrich  VI

lich  von  Süden,  aus  Westfalen  her,  ließ  auch  Erzbischof  Philipp  auf  Hartwich
drängen.  Im  Norden  und  Süden  Feinde,  unter  seinen  eigenen  Untergebenen
nur  Gegner:  bei  dieser  Lage  hielt  sich  Hartwich  nicht  mehr  in  seinem  Erzstifte
sicher  und  floh  nach  England,  wo  er  bei  den  Verwandten  seines  Verbündeten
wenigstens  sichere  Zuflucht  finden  zu  können  hoffte.  Ein  volles  Jahr  blieb
er  in  der  halb  erzwungenen,  halb  freiwilligen  Verbannung,  bis  er  endlich
zurückkehrte  und  wieder  zu  Heinrich  dem  Löwen  sich  begab“).

Auch  dieser  sah  sich  jetzt  nach  Emgland  um  Hilfe  um.  Die  letzten  Ereignisse
hatten  seine  kaum  erstandene  Macht  wieder  tief  erschüttert,  und  doch  erschaute
er  in  Deutschland  keine  Hilfe.  Auf  seinen  alten,  stumpfen  Oheim  Welf  VI.,
der  ja  seinen  Frieden  mit  den  Staufern  gemacht  hatte  und  sein  Leben  in
Ruhe  und  Frieden  beschließen  wollte,  konnte  er  nicht  rechnen.  Philipp  von
Cöln  war  gleichfalls  mit  den  Staufern  ausgesöhnt,  Hartwich  von  Bremen
vertrieben.  Sein  Schwiegersohn  von  Dänemark  zeigte  keine  Neigung,  wieder
eine  starke  norddeutsche  Macht  begründen  zu  helfen;  so  blieb  nur  England,
an  das  Heinrich  sich  wenden  konnte.  Um  so  mehr  mußte  der  Welfe  zu  diesem
Auskunftsmittel  greifen,  als  er  zu  fürchten  hatte,  ohne  eine  solche  Unterstützung
  dem  gesamten  Angriffe  des  Königs  und  der  Fürsten,  der  ihm  im
nächsten  Frühjahre  bevorstand,  zu  unterliegen.  Obwohl  im  Norden  die
Kämpfe  einen  ungünstigen  Verlauf  nahmen,  entsandte  er  mitten  im  Winter
seinen  ältesten  Sohn  Heinrich  an  König  Richard  I.  von  England.  Der  war
gerade  in  der  Normandie,  beschäftigt  mit  dem  Könige  von  Frankreich  einen
Vertrag  über  ihre  gemeinsame  Fahrt  nach  dem  heiligen  Lande  abzuschließen
und  dazu  die  Verhältnisse  seiner  Länder  endgültig  zu  ordnen.  Es  war  also
kein  günstiger  Augenblick,  in  dem  Heinrich  seinen  Oheim  zu  St.  Réole  im
südlichen  Frankreich  antraf"").  Welche  Bitten  der  junge  Welfe  dem  englischen
König  vorgelegt,  welche  Antwort  dieser  ihm  gegeben,  wissen  wir  nicht,  aber
das  scheint  sich  doch  mit  vollkommener  Evidenz  aus  den  Ereignissen  der
nächsten  Folgezeit  zu  ergeben,  daß  bestimmte,  etwa  beide  Teile  bindende
Abmachungen  aus  den  Unterhandlungen  zu  St.  Réole  nicht  hervorgegangen
sind.  Weder  tut  Richard  das  geringste  für  Heinrich  den  Löwen,  noch  zeigt
dieser  Anstand,  gerade  zu  der  Zeit,  wo  König  Richard  die  Grenzen  des
Reiches  berührt,  ohne  Rücksicht  auf  den  Schwager  seinen  Frieden  mit  Heinrich
  VI.  abzuschließen.  Daß  Richard  auch  sofortige  Unterstützung  an  Geld
und  Mannschaft  nicht  geliefert  hat,  beweist  das  vollständige  Stillschweigen
aller  Quellen  über  eine  solche  Tat  des  englischen  Königs.

So  kehrte  der  junge  Heinrich  mit  getäuschten  Hoffnungen  und  mit  ebenso
leeren  Händen,  wie  er  gegangen,  zu  seinem  Vater  zurück,  der  jetzt  selbständig

 

"")  Arn.  Lub.  V,  3:  [Rexl  archiepiscopum  Bremensem  Hartuiscum  toauerimonia
  Bremensium  de  sede  sua  disturbarsit.  Ille  vero  iram  regis  ferre  non  valens,
in  Angliam  profectus  est.

*%)  Heinrich  ist  Zeuge  einer  Urkunde  Richards  I.,  ausgestellt  apud  Regulam  .  .  .  anno
regni  nostro  prima,  tertia  die  Februari.  Scheid,  Orig.  Cuelf.  III,  731.