Full text: Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen.

II. Buch, IV. Kapitel. 573 
handene Porträts dieses Kaisers sind durchweg unzuverlässig; stellen sie doch alle 
— mit einer einzigen Ausnahme — ihn ohne Bart dar, während einen solchen doch 
die Literatur einstimmig bezeugt;t Max Kemmerich, Die Porträts deutscher 
Kaiser und Könige (Neues Arch. f. ält. deutsche Gesch.-Kunde, XXXII (1908)) 
S. 501 ff. — Friedrich feindlich gesinnt war der gleichzeitige Radulfus Mediolanensis 
(ap. Muratori, Script. rer. Ital., VI, p. 1173), der aber zu seiner und des Kaisers 
Ehre diesen als einen homo industrius, sagacissimus, fortissimus schildert. 
Die Tatsache, daß zwischen dem Tode Konrads III. — 15. Februar 1152 — 
und der Wahl seines Nachfolgers nur zweieinhalb Wochen verstrichen sind, hat zu 
mannigfachen Bedenken über das ordnungsmäßige Vorgehen bei dieser Wahl und 
zum Teil zu recht willkürlichen Auslegungen Anlaß gegeben. 
Am weitesten ging P. Hasse in seinem Buche „Die Erhebung König Fried- 
richs des Ersten, (Bonn 1882). Nach ihm konnte von einer ordentlichen Ladung der 
Fürsten dabei nicht die Rede sein: nur die nächstwohnenden oder schon um Konrad 
versammelten Fürsten vermochten in Frankfurt zur Wahl zu erscheinen. Friedrich 
läßt sich dort von einigen Anhängern der Staufer tumultuarisch zum Könige ernennen 
und vollzieht dann, unter größerer Beteiligung, seine Krönung in Aachen. Die 
angeblich ordnungsmäßige Wahl in Frankfurt unter großer Beteiligung der Fürsten 
ist nur offizielle Beschönigung. 
Simonsfeld widerlegte (Sitzungsber. d. Münch. Ak. d. Wiss., Phil.-hist. Kl, 
1894, S. 239 ff.) diese Darlegungen Hasses, die zum Teil auf den willkürlichsten, durch 
keine Quelle gestützten Annahmen beruhen. Zumal der Ausdruck turbulenta con- 
ventio, den Abt Wibald von Corvey in einem Schreiben an Papst Eugen III. (Mon. 
G. Constit., 1, 193) von der Frankfurter Versammlung gebraucht, bezieht sich nicht 
auf eine gewaltsame „Erhebung“ Friedrichs I., sondern auf die gegnerischen Machen- 
schaften des Erzbischofs von Mainz. 
Was nun die von manchen Forschern als Grund der Verdächtigung von Fried- 
richs Wahl betrachtete Kürze der Zeit zwischen dem Hinscheiden Konrads III. und 
dieser Wahl betrifft, so hat Simonsfeld (Sitzungsber. a. a. O., S. 265) mit 
Recht darauf hingewiesen, daß Konrads Gesundheit schon während längerer Dauer 
schwankend gewesen und sein Krankenlager vierzehn Tage gewährt hatte, so daß 
die Fürsten schon vor seinem Tode an die Neuwahl hatten denken und sich darüber 
besprechen können. 
Auch daß die Wahl in Frankfurt stattfand, ist keineswegs auffallend. Hatte doch 
Konrad III. seinen ältesten, dann vor ihm verstorbenen Sohn Heinrich gleichfalls in 
Frankfurt wählen lassen, im März 1147, also nur fünf Jahre früher. 
Was das Datum der Wahl betrifft, so hatte ich mich früher für den 3. März 
entschieden. Dem ist vielfach widersprochen worden: man hat den 4. und 5. als 
Wahltag nachzuweisen versucht, beides mit recht künstlichen Argumenten. Ich meine, 
daß hier bei der Verwirrung der sich widersprechenden Angaben ein non liquet zu 
sprechen ist, nehme aber — um den neuesten und gewichtigsten Autoren zu folgen — 
den 4. März an: freilich ohne von der Richtigkeit dieser Datierung überzeugt zu sein. 
Schließlich hat die Streitfrage für eine Geschichte Heinrichs des Löwen geringe Be- 
deutung. 
Die Zahl der in Frankfurt anwesenden Fürsten ist nicht allein von Otto von 
Freisingen (G. Frid., II, 1: universum principum robur). sondern auch von Friedrichs 
Kanzlei selbst, in dem Schreiben an Eugen III. (M. G. Const., I. 191: universi prin- 
cipes regni) maßlos übertrieben. Es ist ja bei der Ausdehnung des Reiches unmöglich 
gewesen, daß zahlreiche Fürsten in der kurzen Zwischenzeit die Mahnung erhalten, 
sich zur Reise nach Frankfurt vorbereitet hätten und dort eingetroffen wären. Ubrigens 
gesteht Friedrich in dem erwähnten Schreiben selber zu, daß viele Fürsten durch „hoch- 
stehende Bevollmächtigte“ (responsales honoratos) vertreten gewesen seien. Der 
Ausdruck, den Abt Wibald in seinem Schreiben an Eugen III. (M. G. Const., I. 193) 
wählt: maxima optimatum multitudo, ist ein sehr vorsichtiger;: unter den „Opti- 
maten“ braucht man ja keine Fürsten, sondern dann auch sonstige hochstehende Männer 
verstehen, wie er denn selber an einer anderen Stelle in betreff dieser Wahl, die 
summi principes. die offenbar nicht sehr zahlreich waren und die eigentliche Wahl- 
handlung vornahmen, der optimatum multitucc entgegenstellt.
	        
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