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riefen vorzüglich Holländer herbei, die sie durch zahlreiche Rechte und Privilegien
anlockten: die Kolonisten durften nur von ihren Genossen nach heimischer
Satzung gerichtet werden, waren auch von den meisten Abgaben und
Steuern befreit. So kultivierten sie — besonders auf Sümpfen und Mooren
— die untere Wesel und Elbe: das bremische Vieland und die hamburgischen
Vierlande, die Gegenden von Stade und Harburg, die Lande Kehdingen
und Hadeln und weiter über die Luhe bis Artlenburg. Teils übergab der
Erzbischof das Siedlungsgeschäft niederländischen Unternehmern, die dann
die Bauern herbeischafften, teils unterzog er sich selbst dieser Tätigkeit. Alles
dies wurde vorbildlich für die weitere Kolonisation im Wendenlande").
Keiner unter den Heidenbekehrern war tätiger und erfolgreicher als Vizelin,
der nachmalige Bischof von Oldenburg-Lübeck. Das Leben dieses bedeutenden
Mannes, der durch Mut, Frömmiggkeit, Geschicklichkeit und Ausdauer
mehr durch das Wort zur Ausbreitung des Christentums und des Deutschtums
getan hat, als viele Fürsten durch das Schwert, verdient wohl eingehende
Schilderung““). Vizelin war in Hameln an der Weser von (um 1090)
armen Eltern geboren, deren frühes Hinscheiden ihn beinahe ohne alle
Pflege und Erziehung ließ. So wuchs er aufs, ohne gerade viel zu erlernen.
Die verwitwete Gräfin von Eberstein nahm ihn in ihr Schloß auf, wo sie ihn
so begünstigte, daß der Schloßkaplan darob in bitterer Eifersucht gegen den
Armen entbrannte. Dieser Umstand sollte sein Glück werden. Als ihn der
Kaplan einst wegen seiner Unwissenheit verhöhnte, brach der Jüngling in
reichliche Trämen aus, eilte sofort aus dem Schlosse und begab sich nach
Paderborn auf die Schule des Magister Hartmann, dessen Lieblingsschüler
er bald wurde. Von Paderborn wurde er dann als Dirigent der erzbischöflichen
Schule nach Bremen berufen, wo er sich durch Frömmigkeit und Ge-
6%/) Rich. Schröder, Die niederländischen Kolonien zur Zeit des Mittelalters
(Berlin 1880).
*“)Bis in die geringsten Einzelheiten ausgeführt bei Helm., Chr. Slav., I, 42 ff.— Helmold
ist von Schirren (Beiträge zur Kritik älterer holsteinischer Geschichtsquellen,
1876) einer „vernichtenden“ Kritik unterzogen worden. Diese ward aber widerlegt
von Wig 1 er in den Mecklenburg. Jahrbüchern, Bd. 42 (1877); von Hermann
v. Bres ka in den Untersuchungen über Helmold (Götting., Diss. v. 1880); von
Schmeider im Vorwort zu Piner Helmold-Ausgabej von Fritz Curschmann,
Die Entstehung des Bistums Oldenburg (Histor. Vierteljahrsschr., 1911, S. 182 ff.)
und besonders von Wilh. Ohnesorge, Neue Helmoldstudien (Zeitschr. d. Ver.
hamburg. Gesch., XV (Hamb. 1911), S. 90 ff.). Helmold, geb. ca. 1175, kein Holste,
ondern ein Westfale aus der Wesergegend, dessen bäuerliche Eltern als Kolonisten mit
ihm in die Gegend von Segeberg gezogen, war ein wohlwollender Schriftsteller, der
jedem gerecht zu werden sachte durchaus wahrheitsliebend, freilich ohne Verständnis
ür Charaktere und historische Zusammenhänge. Seine klerikale und rhetorische Bilung
ließ ihn leicht zu übertriebenen, bombastischen Ausdrücken greifen, wie die
meisten Schriftsteller Meiner Zeit. Doch spricht er, trotz seiner abhängigen Stellung,
freimütig über seine geistlichen und weltlichen Obern, ja sogar über die Kirche. Der
Held seiner Geschichtsschreibung war nicht Heinrich der Löwe, sondern sein Landsmann,
Graf Adolf II. von Sckavenbur dessen Schwächen er wohl auch schildert,
aber doch in beschönigender Weise. Er stand im engsten Vertrauensverhältnis zu
biesem Fürsten.