Erbin vermählte, eine ganz andere Weltstellung, als seine
Vorfahren gehabt hatten. Sein Sohn Philipp vermählte
sich mit der Erbin von Spanien, Johanna. Dieser Philipp
wurde also König von Spanien, und Spanien, der mächtigste
Bestandteil dieser großen Vereinigung, überflügelte
dadurch die französische Macht in einem Grade, daß es
in den italienischen Kriegen endlich die Oberhand er:
hielt. Im Verlauf dieser Kämpfe geschah es, daß derritter:
liche König Franz I. von Frankreich in die Hände Karls V.
von Spanien fiel und endlich auf Italien Verzicht leisten
mußte, obgleich er immerhin noch einen starken Anhang
in Italien behielt.
Dieser Gegensatz der auswärtigen Angelegenheiten
bewirkte, daß sich Europa überhaupt in zwei Parteien
schied, von denen die eine die spanische war, die andere
die französische. Der Antagonismus der beiden Vor:
mächte ließ übrigens den anderen Staaten allezeit eine
gewisse Freiheit, indem beide so stark waren, daß weder
Spanien zuließ, daßeinLandvon Frankreich verschlungen
würde, noch umgekehrt. Auch dem Papsttum war dies
Verhältnis nicht durchaus schädlich. Erst in diesem Konflikte
der weltlichen Gewalten haben die Päpste ihren
Kirchenstaat wirklich erobert (besonders unter Julius1l1.);
seine geistliche Autorität aber wurde dem Papste allerdings
einigermaßen dadurch geschmälert, daß er fortan
immer entweder auf die eine oder auf die andere Seite
sich schlagen mußte und aufhörte, als Friedensstifter über
dem Abendlande zu walten. Das hierarchische Prinzip
bestand indessen noch; die Päpste hatten sich mit der
Kultur vereinigt, litten aber nicht die geringste Abweichung
vom kirchlichen Dogma, wie dies unter anderen
Savonarola erfuhr, der im Jahre 1498 den Feuertod
erlitt. —
Wenn man nach alledem fragt, von welcher Seite in
dieser Lage der Dinge eine universale Veränderung ausgehen
konnte, so ist die Antwort hierauf: von der geistlichen
allein; denn von seiten des Staates vermochte man
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