Metadata : Geschichte der Hohenzollern.

Erörterungen  Anlaß;  denn  kaum  war  der  König  wieder  in  seiner  Refidenz  angelangt,
  so  nahm  er  Titel  und  Wappen  Ostfrieslands  an,  und  machte  allen  befreundeten
  Höfen  davon  Anzeige.  Dies  wurde  am  Wiener  Hofe  so  wie  im
kaiserlichen  Conseil  so  übel  aufgenommen,  daß  Seckendorf  dem  Könige  Vorstellungen
  darüber  machen  mußte,  mit  dem  Bemerken,  es  habe  überdies  schon  die
Reise  nach  Prag  manchen  Ortes  unangenehmen  Eindruck  hinterlassen.  Der  König
äußerte  hiernach  dem  Grafen  Seckendorf  in  der  ihm  eigenthümlich  derben  Art
sein  großes  Bedauern  darüber,  des  Kaisers  Mißfallen  erregt  zu  haben.  „Auf
den  Brief  vom  1.  November,  schreibt  er,  den  ich  heute  habe  bekommen,  werde
ich  Sie  antworten,  so  daß  ich  hoffe,  S.  Kais.  M.  werden  zufrieden  sein;  indessen
kann  ich  die  Wahrheit  sagen,  daß  von  mir  keine  Malice  ist,  da  ich  in  Wahrheit
  geglaubt,  daß  es  ein  Bagatell  ist,  als  wenn  man  einen  Baron  nennt.
Indessen  afsuriren  Sie  J.  Kais.  M.,  daß  durch  die  Lumperei  in  nichts  meine
wahre  Freundschaft  soll  alterirt  werden,  und  mir  nur  leid  sei,  daß  J.  Kais.  M.
ungnädig  sei.  Mein  lieber  Freund,  sein  Sie  so  gut  und  mache  Er  Alles  wieder
ins  Gerechte,  daß  ich  mit  meinem  lieben  Kaiser  gut  bleibe,  ich  verlasse  mir  auf
Sie“.  Dessenungeachtet  gab  er  den  angenommenen  Titel  nicht  wieder  auf.

Ehe  wir  in  der  Regierungsgeschichte  Friedrich  Wilhelms  I.  weiter  vorschreiten,
  müssen  wir  einen  Blick  auf  die  Vorgänge  in  dem  Innern  seiner
Familie  werfen,  weil  sie  mit  den  politischen  Vorgängen  und  den  Entschlüssen
des  Monarchen  in  ziemlich  enger  Verbindung  stehen.  Vor  Allem  war  die  gespannte
  Stellung  zwischen  dem  Könige  und  dem  Kronprinzen  nicht  ohne  wesentlichen
  Einfluß.

Das  Verhältniß  Friedrich  Wilhelm  I.  zu  seiner  Gemahlin  Sophie  Dorothea
  war  im  Ganzen  ein  glückliches,  denn  die  Königin,  eine  verständige  Frau,
fügte  sich  in  manche  Eigenthümlichkeit  des  Gemahls,  der  ihr  auch  wiederum
mit  herzlicher  Liebe  ergeben  blieb,  dessenungeachtet  aber  mit  einer  gewissen  Eifersucht
  die  Ansprüche  einer  unbedingten  Herrschaft  im  Hause  aufrecht  erhielt,  und
deshalb  auch  später,  als  die  Ansichten  über  Erziehung  und  Bestimmung  der
Kinder  auseinander  gingen,  nicht  selten  die  rauhere  Seite  herauskehrte.

In  den  ersten  Jahren  blieb  die  Sorge  für  die  Kinder  der  Mutter  überlassen.
  Frau  von  Kamecke,  Ehrendame  der  Königin,  wurde  Gouvernante  des
Kronprinzen  und  seiner  ältern  Schwester;  die  eigentliche  Aufsicht  lag  der  Unter-Gouvernante,
  Frau  von  Raucoulles,  ob,  einer  Französin,  welche  bei  dem  König,
dessen  Jugendpflegerin  sie  ebenfalls  gewesen  war,  in  hoher  Achtung  stand.  Auch
ihrer  jüngern  Zöglinge  Liebe  gewann  sie  in  vollem  Maße;  durch  sie  erhielten
diese  frühzeitig  die  an  ihnen  später  gerühmte  Fertigkeit  im  zierlichen  französischen
  Ausdruck.

Mit  dem  Anfange  des  siebenten  Jahres  hörte  die  weibliche  Erziehung  auf;
der  Generallieutenant  Graf  von  Finkenstein  als  Oberhofmeister  und  Oberst  von
Kalkstein  als  Sougouverneur  wurden  mit  der  ferneren  Leitung  des  Prinzen  beauftragt,
  Beide  durchaus  verdienstvolle  Männer.  Mit  den  Söhnen  seiner  Erzieher,