S50 Die Akademiker im Zeitalter Friedeichn Wirnueın's III.
materiellen und politischen Zuständen als den Voraussetzungen der
intelleetuellen Entwicklung. So entstand das epochemachende Werk;
es ist Nırsunr gewidmet und gehört in der That neben die » Rönnische
(seschichte«; denn beide sind im Grunde keine »Geschichte«, sondern
öffnen den Blick für die Grundvoraussetzungen einer solchen. Philologie,
besonders Inschriftenkunde, und Nationalökonomie reichen
sich in dieser Darstellung die Tland. Was uns heute selbstverständlich
erscheint, dass die Kenntniss der wirthsehaftlichen Verhältnisse
eines Staats die Voraussetzung ist für das Verständniss seiner politischen
Geschichte und seines inneren Lebens, das hat Böcku in
diesem grossen Werk zur Anerkennung gebracht. Indem er es
schuf, bewegte er sich in seinem eigensten Elemente — die Erfassung
des Individuellen in der Geschichte lag ihm ferner — und
konnte ilım alle die besonderen Gaben seines Geistes und die Früchte
seiner Arbeit dienstbar machen. Vor diesem Werke verstummten
auch die Angriffe der Gegner, von denen Manche an grammatischer
Schärfe und Akribie Böckn überlegen waren, die aber etwas Ähnliches
nicht zu schaffen vermochten. Niemals wird die klassische Philologie
vergessen dürfen, dass ihr die Pflege der Grammatik und der
litterarischen Kritik gleichsam für alle Wissenschaften, die sich auf
Grammatik und Kritik gründen, anvertraut ist — sie soll in Musterleistungen
zeigen, wie und warum man ihrer in vollkommenster
Ausbildung bedarf —, aber daneben wird sie daran festhalten, dass
ihr auch eine herrliche sachliche Aufgabe gestellt ist: die reiche
griechische und römische Welt wieder aufzubauen, die Traditionen
aufzudecken, die uns heute noch mit ihr verbinden, und die Kräfte
wirksam zu erhalten, die wir ihr verdanken. Solange diese Aufgabe
gilt, wird Böcki’s Name unvergessen sein. Es war ihm zwar
nicht vergönnt, das griechische Leben in dem ganzen Reichthunı
seiner Erscheinungen zu erfassen und bis zu den Höhepunkten dessclben
vorzudringen, aber, seiner Grenzen sich bewusst, hat er das
zur Darstellung gebracht, was aller soliden Forschung auf diesem
(Gebiet Unterlage und Grund sein muss. Auch die nationalökonomische
Wissenschaft hat anerkannt, dass bier auf einem bedeutenden
Felde etwas geschaffen worden ist, was ihrer historischen Arbeit
als Vorbild gedient hat'. |
I Sehr treffend ist die Charakteristik Böckn’s, die Lord Acıox (a.a.0. S.8f.)
gexcben hat: »Böckm widinete Nıentur ein Werk, welches die Probe der Zeit besser
als sein eigenes bestanden bat. Unter Böckn's fünfzigjährigem mächtigen Einfluss
in Preussen hatten die hellenischen Studien das Übergewicht. Ein noch gründ-