Volltext : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

—iee

–  —

*  –  7  —

 

        
   

NHumimer  266

Rosenhheimer  Anzelger

Milttwodqh,  18.  Nobember  1016

 

Seit  Errichtung  des  W#egsame  schweben
diele  Verhandlungen,  au  aufun-  iche  Weise  die  Mobilisierung
  der  Arbeitskräfte  in  der  Heimat
erfoigen  kann.  Die  Verhandlungen  sind  noch
nicht  abgeschtossen.  Auch  dem  Bundesrat  hat
noch  kein  Entmurf  vorgelegen.  Das  eine  steht
aber  fest,  daß  möglichst  alle  Arbeitslräfte  aus

in  Volke  herausgehelt  werden.  Man  beabden
  ttigt,  die  Arbeitskräfte  durch  freiwillige  Meldungen
  zu  erfassen.  Erst  später  wird  auch  eine
Arbeitspflicht  nicht  ausbleiben.  Dabei  wird
darau  gedacht,  die  Frauen  noch  mehr  als
bisder  zur  Arbeit  heranzuziehen.  Aber  auch
den  Männern,  die  sich  nicht  freiwillig  gemeldet
  haben,  wird  die  Verpflichtung  anuferlegt
Kerden,  unter  Berücksichtigung  ihres  Gesundheltezustandes
  und  ihrer  sonstigen  Stellung  für
das  Vaterland  zu  arbeiten.  .

Diese  Mobilisierung  der  Heimatarme:  ist  im
Intceresse  der  siegreichen  Veendigung  des  Kree,
ges,  im  Interesse  der  Eristenz  unseres  Volkes,
der  Eristenz  aller  Berufelreise  und  nicht  zulettt
  der  Existenz  unserer  Arbeiter  durchaus  erforderlich.
  Wie  rersichert  wird.  wird  bei  diesen
Maßnahmen  auch  auf  die  Inrcressen  der  Ar.
beiterschaft  gebührend  Räcliichi  genemmen  merden.
  1

r—i  *  #

Das  Organ  der  Regierung,  die  „Norddeutsche
  Allgemeine  Zeitung“,  schreibt  zu  der  Zirildienstpflicht:
  Die  Anstrengungen,  die  unsere
Teinde  machen,  um  mit  Aufsbielung  aller  Mit.-tel
  ihrer  Kriegsindustrie  den  Wall  unserer  lapseren
  Truppen  zu  durchbrechen,  mat##t  es  uns
zur  Pflicht.  diesem  Angriff  mil  gleicheit  Mirlteln
  zu  begegnen.  Hieraus  ergibt  sech  die
Notwendigkeit  einer“  Ausdehnung  unserer
Kriegeindustrie,  für  die  naiürtiit  neue  Arbeiter
herangezogen  werden  müssen.  Um  aber  genugend
  Hilfekräjte  berei  lizustellen  und  zu  halten,
wird  sich  die  Einführung  einer  gewisen  Arbeitspflicht
  empfehlen.  Bei  dem  hohen  Pflichtgefuhl,
  das  die  deutsche  Arbeiterichaft  während
des  bisherigen  Kriegsverlaufes  bekundet  hat,
steht  zu  erwarten,  daß  sich  freimillig  hinrei-Lend
  Kräfte  zur  Verfugung  üeilen,  sodaß  die
Auwendung  von  Zwangsmahßnahmen  sich  ererübrigt.
  Eine  Schmälerung  ihres  Zinkommens
int  selbstverständlich  ausgesch.  osfen.  Hinzugefägt
sei  noch,  daß  alle  einich!  ägigen  Flagen  mit
Vertretern  der  Arbeilnehmer  eingehend  erörtert
werden.  Die  Arbeitspflicht  auf  die  Frauen  aus-ü
zudehnen  oder  üuberhaupt  einen  Zmang  nach
diesei  Richtung  auszunben,  wird  nicht  beabsichligt.
  In  welcher  Form  odie  Ardbeitspsliicht  zur
Cin  führung  gelangt,  darüber  können  Eir#zelheiten
  noch  nichl  mitgeteilt  werden.  weil  sich  zuvor
  die  zuständigen  amtlichen  Stellen  mit  ihnen
  befassen  müssen.  (3.)

*  *

Nach  diesen  Darlegungen  ist  also  einc  allgemeine
  Mob'lma  bung  aller  Kr  krüste  der  Heinat
für  die  Kriegsarbeit  geplant.  Daraus  geht  hervor,
  daß  wir  vor  dem  größten  Eingriff  in
das  gesamte  Leben  der  Nation  stehen,  den
wir  sei!  der  Einführung  der  allgemeinen  militärischen
  Dienstpflicht  gejehen  haben.  Dieser
Eingriff  bringt  so  viele  schwer  wiegende  Folgen
  mit  sich.  daß  seine  Einfuhrung  auf  dem

zege  der  Verordnung  unmöglich  ist,  rielmehr
die  Gesetzgebung  dafür  in  Anspruch  genommen
werden  muß.  Deshalb  wird  der  Reichstag  in
allerlũtzester  Frist  shon  einberufen  werden.  Er
wird  sich  eingehend  mit  dem  umfassenden
Kompler  der  ganzen  Frage  zu  befassen  haben.
Denn  wir  slehen  vor  einer  Umwandlu-  ig  der  genwamten
  Arbeitsverhällnisse,  wie  jie  bisher  noch
enicht  zu  verzeichnen  war.  Am  einschneidensten
sind  bei  der  Einführung  der  Pflicht  zur  Arbeit
sIDlü-E

Morgenrot!

Roman  von  wilhelm  von  Trotha.
19  WLaoched  verbeten.)

„In  numertin  #1cht  man  ul.:  20  viel  „Luf.
Jebens  davon.  Van  ni#um  die  oder  den  Tüler
iest,  siellt  ihn  vers  Gericht  und  —  —  —

„Und  spricht  2#  aus  ir###dwelchen  Grun.
den  frei  oder  erlauft  die  Niichier,  denn  da
drüben  herrsent  osn  nur  eine  einzige  Groöͤhe
—  der  Dollar!“  icheliete  er  lebhalt  ein.

„ich,  immer,  rber  —  —

,-»Ja,

  leider  n.c-1«Irgei.

,,.Mmthcoxt.r  imdda  muctnfcljkhclkelcg
Bebiet  in  unserer  Unterhaltung  grlommen.
Wir  wollen  es  lieber  sallen  lassen,“  setzte  er
ihrer  Pestätigung  #s#hnell  hinsu,  „denn  einmal
ist  es  bei  und  Deutschen  mit  unseren  Gastrechtsitten
  nicht  Vrauch,  einem  Gast  etwas
Unangenehmes  zu  sagen,  und,  rei  in  erlonltch
gesprochen.  möchte  ich  mir  au-z  durch  m
Offenheit  Ihre  Ungnade  wic-  usiehen.  ee
sind  Sie  mir  zu  lieb  und  w

Miß  Ethel  sah  ihn  mit  einem  zweiselhasen
Lächeln  an,  das  sich  sehr  schwer  deuten  ließ,
sagte  darauf  aber  ruhig:

heer,  Herr  Baron,  abite  schäten  Sie
mich  michig  au  so  ein,  wie  Sie  das  Rerht
haben,  es  an  Ven  meisten  meiner  Landsleule
Su  tun!  Ich  habe  wegen  dieser  Dollarun.
ghrlisbeiten  schon  recht  o#t  ot  ceitige  Ausnoecset;

  unden  mit  meinenm  P0r.  „#:  habt
3%  i5r  für  7  voreit  und  Ehr#inh

"  Kurt:  dinger-  len,  ötcn  vei

–

 
 

 

die-  n  WVorten

 

die  Lohn  und  Arbeitsvekhältnisse.  Welche
Möglichkeiten  dabeie  berücksichligt  werden  müslen,
  geht  schon  aus  dem  Kommentar  hervor,
den  die  offizöse  „Nordd.  Allg.  Ztg.“  den  ersten
Ankündigungen  über  die  neue  Dienstpflichtoorlage
  mit  auf  den  Weg  gibt.  Der  Reichstag
steht  vor  einer  großen  Aufgabe,  die  nach,jeder
Hinsicht  völlig  geklärt  werden  muß.  Ei##tweilen
  muß  aber  erst  no  die  endgültige  Vorkage,
welche  die  Regierung  dem  Reichstag  unkerbreiten
  will,  abgewärt  1  werden.

 

Msemeines  oom  Riie.

Neuer  französischer  Fliegerangriff
auf  das  Saargebiet.

WTB.  Berlin,  13.  Nov.  (Amtlich.)  In

der  Nacht  vom  11.  zum  12.  Nor.  wiederholten

die  franz.  Flugzeuge  ihre  Angeisfe  auf  das

Saargebict.  Diesmal  gelang  es  nur  einem
lleinen  Teil  davon,  bis  zur  Saar  vorzustosten.

  Auf  Dillingen  und  Umgegend  wurden  einige
  Bomben  abgeworfen,  von  denen  eine  einen
  Pferdestall,  eine  andere  eine  Waschküche
traf.  Dabei  wurden  vier  Personen  schwer,  zwei
leicht  verletzt,  getötet  wurde  wiemand;  der  Sachschaden
  war  gering.  Viele  Woben  trafen  die
den  Ort  umgebenden  Wies  .  do  sie  im  weichen
Erdboden  stecken  blieben.  Verschiedene  Flugzeuge
  belegten  die  Orte  Quindorf  und  Spittel
  mit  Bomben;  doch  wurde  niemand  verlet,
auch  entstand  kein  Aaschaden.  Endlich  warf
ein  Flieger,  der  seo  inend  über  den  Wolken
  veritrt  hatte  ##  der  Nähe  ron  Neunkirchen
  einige  Bomben  auf  eine  Wiese.

Deutschland  und  Norwegen.
Berlin,  13.  Nov.  (Nichtamluch.)  Dem
Vernehmen  nach  läßt  der  Worllaut  der  nunmehr
  überreichten  norwegischen  Antworknote  in
Verbindung  mit  den  von  dem  norwegischen  Gesandten
  gegebenen  Erklärungen  für  weitere  Verhandlungen
  Naum.

Krimtania,  13.  Nov.  Man  erwartet  hier

mit  Sr  ung  die  deutsche  Gegenantwort  auf
die  letzie  norweg  .  :.  In  der  Presse  bewahrt

  man  zie  ri#uchweigen  darüber
Die  Uerigen  Bl.#,  äche  die  Verliner  Nachrickt
  veröffentlich-33für  den  Fall  der

Unnachgicbigkeit  9.  egens  der  Abbruch  der
dirlomattschen  Bezie'  ungen  dmichen  den  beiden
Läudern  in  den  Bereich  der  Möglichkeit  rücde,
lesen  in  kr  zen  Kommentaren  dazu  deutlich
ielien,  daß  «  115n  derarti  ge  Lösung  der  deutschgischen

  gannung  für  Norwegen  höchst
Lisränscht  we##r.

 
 

—  —

Scheirtmanns  Meinung.

Ogag,  13.  #.  Der  sozialdemokratische
27  ardnete  Sche  demann  wurde  von  dem  nieilundischen

  Anti-  Orlog-Bad  (Bund  gegen  den
Woiri  brieflich  befragt,  welche  Beweise  er  für
die  betannte  Stelle  in  seiner  Nede  vom  11.
Ollober  habe,  in  der  er  sagte,  Frankreich  und
Belgien  lönnten  schon  jetzt  ohne  weiteres  Blutvergießen
  und  ohne  Gebietsverlust  Frieden  haben,
  wenn  sie  wollten.  Die  Anfrage  kam  erst  am
30.  Oktober  in  Scheidemanns  Besitz,  der  darauf
antwortete,  neun  Zehntel  aller  Deutschen  teilten
  seine  Ansicht,  aber  auc  das  Schweigen
des  Neichskanzlers,  der  in  der  Sitzung  anwesend
  war,  könne  er  nicht  anders  auslegen.  Der
Reichskanzler  hätte  ihm  M#dersprechen  müssen,
wenn  er  ihm  nicht  innerlich  zustimmte.  So  habe
es  fast  der  ganze  Reichstag  empfunden.  Außerdem
  wisse  er,  Scheidemann.  auc  gersenlichen  Gesprächen,
  wie  sehr  der  Aeichslanzier  gerade  den
Krieg  mit  Frankreich  bedauere.  Scheidemann
sclich  mmil  der  W  er  werde  nichts
—  —8  u  ils  rqssvlll
wsthld  uunhr  petundcn  an.  Sie
haiten  "§1%  wperseen  den.

       

  
  

bat  er  und  reichte  lhr
AMili#ehen.  Elaseisch  erhob  sie
5:eu  Mite  vi  nun,  edes  mit  seinen
s.  ..ncmmdcln
en  zInan3h  R  Vorteni-  Bäuschen  zu.

Sie  semben  kein  Wort  und  sahen  sich
am  Vorkenhäuschen  angelangt,  nur  sehr
eiatuian,  denn  von  da  drinnen  klangen  ihnen

inen  entgegen.  Wie  auf  Verabredung
Ul###oen  sie  slehen  und  konnten  an  der  Sprache
den  Herrn  Ladetten  und  Fräulein  Gertrud,
die  Schmesier  Kurts,  erkennen.  GEleich  daraus
lebrten  sie  um  und  wanderten  in  demzberrlichen
  rauschenden  Tannenwald  mit  seiner  sonntäglichen
  Slie  dahin.  Hie  und  da  krachzee  ein
Häher  oder  eine  Krähe,  und  spottend  überauerten
  in  i#rem  wippenden  Fluge  cin  paar
Elstern  den  Weg  oder  rief  ein  von  Baum  zu
Baum  fliegender  Grünsprecht  sein  Tü-t##
ttü.—t#—t  —tüü-üüh.  Fasanen  huschten  in
langen  Lauien  über  die  Schneuien,  und  als
dio  beiden  einsom  Dahinwandernden  tiejer  in
den  Zurt  vorgedrungen  waren,  iIprang  schreckend
ein  starke:  Sechserbock  ab  und  brach  duich  das
dichte  Niederholg

Verlasien  wir  die  beiden,  von  denen  schon
hier  verraten  werden  kann,  daß  sie  sich  recht
gut  unterheelten  und  für  den  folgenden  Tag
eine  Reilpartie  verabredeten.  —

Ald  der  Kadett  Walter  und  Fräulein  Trude
in  Borkenhäuschen  angekommen  waren,  setzten
sie  sich,  mie  zwei  Turteltau  **ni  auf  die  Bank.
Schweigen  wur  zuerft  die  Perole.  Jca  ür  sie.

„Hier  in  es  sehr  schön“,  sagse  plötzlich
lebr  ##uchtern  der  Kadett,  so  das  Trude  ibn

 

 

   

 

unwversucht  lassen,  um  die  Rriegführenden  einander
  zu  nähern.

Der  letzte  Appelk  *

□—  t  um  die  Kriegsbegeisterung
in  Frankreich  hachte  un  Die  Heldentaten  der
Pariser  sphberselden.  die  Kühnheit  der  Kriegsziele,
  die  schönsten  Reden  der  leitenden  Staatsmänner,
  nichts  verfängt  anscheinend  mehr,  um
die  allgemeine  Kriegemüdigkeit  zu  bannen.  Da
ist  nun  die  „Arction  Francaise“  auf  ein  großartiges
  Reizmitlel  gekommen,  das  geeignet  ist,
den  Kriegseifer  neuaufflammen  zu  lassen.  In
ihrer  Nummer  vom  ber  schreibt
Charles  Maurras,  daß  ebenso  wie  das  ganze
Land,  so  auch  jeder  kämpfende  Franzose  das
Recht  auf  persönliche  Beute  im  Deutschen  Reiche
selbft  haben  wolle.  Durch  diesen  Ausblick  werde
sein  Eifer  angespornt.  Tags  vorher  hatte  er
geschrieben:  „Ehrende  Erwähnung,  Kreuze,  Medaillen
  und  Schmuckzlichen  iprechen  nur  Gemüt.

  Warum  zögert  man,  nicht  auch  die  wildere
  Habsucht  zu  befriedigen?  Man  könnte
zum  Beispiel  festsetzen,  daß  die  wohlhabenden
Dentschen,  deren  Reichtümer  man  als  Beute
beschlagnahmte,  durch  die  deutsche  Negierung
schadlos  gehalten  würden.“  Dieser  Appell  an
die  niedrigsten  Instinkte  ist  die  beste  Kennzeichnung
  der  Höhe  französischer  „Kultur“.  Wie
froh  und  dankbar  muß  Deutschland  sein,  daß
der  Einbruch  dieser  raubenden  und  plündernden
„Kulturträger“  in  die  deutschen  Gaue  durch  die
unerschütterliche  graue  Eisenmauer  im  Westen
immer  und  immer  wieder  vereitelt  worden  ist.

Der  Kampf  zar  Lee.

Vorstoß  in  der  Ostsee.

WTB.  Berlin,  13.  Nov.  (Amtlich.)  In  der
Nacht  zum  11.  November  stießen  deutsche  Torpedostreitkräfte
  auf  einer  Erkundigungsfahrt  in
den  Finnischen  Meerbusen  bis  Baltischport  vor
und  beschossen  die  Hafenanlagen  dieses  russischen
  Stützpunktes  wirksam  auf  geringe  Enlfernung.
  .  .

Handels.  U.  Boot
„Deutschland“.

Amsterdam,  13.  Nov.  Wie  das  „Handelseblad“
  meldet,  wird  der  Londoner  „Times“
aus  Neuyork  telegraphiert:  Das  deutsche  Handels-U-Boot
  „Deutschland“  ist  zur  Abreise  be.
reit.  Nach  „Prozidence-Journal“  besteht  die
Ladung  aus  neun  Wagenladungen  Niäel,  die
Wagenladung  zu  40  Tonnen  durchschnittlich
gerechnet,  ferner  aus  zehn  Wagenladungen
Nohgummi,  drei  Wagenladungen  Chrom  und
einer  Wagenladung  Vanadium.  1

Aufgebracht.

Berliin,  13.  Nov.  Vor  der  Themse  wurde
am  12.  November  der  holländische  Dampfer
„Batavier  6“,  mit  größeren  Beständen  Bannware
  an  Bord,  von  unseren  flandrischen  Seestreitkräften
  angehalten  und  eingebracht.

U  Bootsbeute  im  Mittelmeer.

Berlin,  13.  Nov.  Im  Mittelmcer  Ind  nachstehende
  italienische  Schiffe  nersenkt  worden:
der  Dampfer  „Torero““  (7757  Bruttoregister-Tonnen),
  der  Dampfer  „Bernardo“  (1316
Tonnen),  die  Segelschiffe  „Marinaga“  (154
Tonnen),  „Gildar“  (100  Tonnen),  „Tee  Fratelli“
  (190  Tonnen),  „S.  Antonia“  (611  Tonnen),
  „San  Giorgio“  (258  en

Koßlons.

Rusland  und  der  Friedeusgedanke.

Stockholm,  13.  Nov.  In  einem  Leitarlilel
  erklärt  die  Petersburger  „Rjetsch“,  dah
die  englischen  Staatsmänner  bis  heute  jede  .
Friedensgedanken  als  noch  nicht  soruchreif  glan
ablehnten.  England  sollle  aber  in  diesein  Falle
ouch  die  Meinung  seiner  Verbundeten  einholen,
die  fortgesetzt  die  schwersten  Opfer  bringen
mußten.  Gerade  Rußland  berühre  es  peinlich,
daß  England  als  Wortführer  der  Entente  auftrele.
  Ob  die  Fortsetzung  des  Krieges  für  Ruß.
land  wünschenswert  erscheint  oder  schädlich  sein
müsse.  könne  doch  nur  von  Nußfand  selbit  ent.
schieden  werden.

Schwere  Unruhen  in  Rußland.

Stockholm.  13.  Nov.  Die  großen  Unruhen,
  die  Ende  Oktober  in  Petersburg,  Moslau
  und  Charkow  stattfanden,  hatten  nach  Mit.
teilung  von  Augenzeugen  einen  sehr  ernsten
Charakter  und  machen  für  die  Zukunft  eine
Wiederholr:  ig  wahrscheinlich.  Besonders  in
Moslau  lam  es  zu  schweren  Zusammenstößen
zwischen  der  Polizei  und  der  erregten  Volksmenge.
  In  Petersburg  durchzog  eine  vieltausendköpfige
  Menge  die  Straßen  unter  dem  andauernden
  Geschrei:  Nieder  mit  dem  englischen
Joche!  (3.)

e  e

Der  stleg  gegen  Mnmünlen.

Die  Kriegslage  in  Rumänien.
Berlin,  13.  Nov.  Im  nördlichen  Sieben
hürgen  ist  die  russische  Entlastungsoffer  Isive
icheitert.  Immer  weiter  gegen  die  Prenze  zutsgedrängt,
  suchen  sich  die  Russen  rergedvens
dem  Vordringen  unserer  Truppen  entgegenzu
stemmen.  Auch  an  der  rumänischen  Südfro,4
gebt  es  immer  weiter  vorwärts;  unsere  Truppen
  haben  namentlich  westlich  der  Straße  von
Predeal  erfreuliche  Erfolge  zu  verzeichnen.  Es
ist  begreiflich,  daß  die  Russen  in  dieser  Lage
großc  und  offenbar  übertriebene  Haffnungen
auf  ihre  neue  Armee  in  der  Dobruoscha  fe
zen.  Vorläusig  haben  sich  sedoch  die  Hegner
dort  darauf  beschränkt,  sich  in  etwa  6—100  Kr.
lometer  Enisernung  von  unseren  Stellungen
einzugraben.  Offenbar  erwurten  sie  weitere
Neistärkungen.  .  Cernavodabrück:,  die  bereito
  von  den  Rumänen  leicht  beschädigt  mar,
ist  inzwischen  von  uns  grundlich  gesprengt.
d.  h.  unbrauchbar  gemacht  worden.  Numänische
  Berichte  umschrieben  diesen  Vorgang  mit
dem  stark  euphemistischen  Ausdruck,  e5  werde
um  die  Brücke  gekämpft.  Davon  war  keine  Nede.
  Die  Rumänen  sitzen  am  Westuser  der  Donau,
  wie  am  Ostufer,  und  sie  haben  uns  nicht
hindern  können,  die  wertvolle  Brücke  zu  zerstdten,
  deren  Unbrauchbarmachung  im  FInteresse
unserer  Kampfhandlung  lag.  -

DerFüritvonhohcnzollektt

WTB.  Berdin,  13.  Nov.  (Anitlich.)  Det  ge·
genwärttig  bei  den  gegen  Rumänien  lämpfenden
deutschen  Truppen  weilende  Furst  ron  Hohenzollern
  brachte  gelegentlich  eines  Estens  im  Oberkommando
  der  neunten  Armee  in  einem  Trinkspruch
  zum  Ausdruck,  daß  er  mit  seiner  persönlichen
  Anwesenheit  bei  der  gegen  Rum####en  kämpsenden
  Armee  als  Deutscher  seinem  Gefühle  der
Empörung  gegen  den  Treubruch  Rumaäniens
vor  der  Armee  und  dem  MVo#f  Ausdruc  vertei
hen  Dolle.  —  Bekanntlich  ist  der  Furst  em
Bruder  des  Königo  von  Rumiänien.

 

   
 

   

Van#  eilmuum  Soan  bverl  eie
leise,  aber  moiant  eir

.Ja  und  cer  abgelegen-,  sügte  er  sich
umsehend  hin:n.

„Ganz  richt,  Herr  Walter,  und  sehr  abgelegen.
  CEiner  von  uns“,  sagte  sie  nun  sehr
resolut,  „mumr  einmal  die  Intin#ne  ergreisen,
und  wir  beide,  mein  Herr,  müssen,  wie  sich
die  Welllage  nun  cinmal  gestaliet  hat,  heute
miteinander  ins  reine  kommen.  Es  sleht,  wie
Ihnen  watrscheinlich  nicht  unbekannt  sein  dürste.
ein  Krieg  vor  der  Tür,  und  da  heißt  es:
„Klaren  Tisch  machen“!“

„Oh,  meinen  Sie?  Aber  gewiß,  ich  stimme
Ihnen  vollkommen  bei.  Zum  Donnerweiter!
jawohl,  wir  müssen  ung  einmal  gründlich  anssprechen.
  «

„Ja  wirklich?"  fragte  Trude  schelmicsch
lächcind  und  Pratte  hierbei  ihr  molliges  Aermchen
  vertraulich  in  den  sein

So  saßen  sie  denn  zunächst  beide  mit
bochllopienden  Herzen  eng  aneinandergeschmiegt
u  b  horchten  gegenseitig  auf  den  Schlag  deriel


Verde  waren,  das  wußte  jedes  von  dem
anderem  furchtbar  ineinandei  vorliebt,  aber
datten  sich  diese  füßte,  erste  Jugendliebe  noch
immer  nicht  eingestanden.

Als  der  Oberst  vor  zwei  Jahren  das  Gut
eines  beertober  Betteis  als  Secniorat  hatte
übernehmen  müssen,  lernten  sich  Walter  und

rude  als  eine  achbarskinder  kennen.
Sis  ging  noch  im  Flügelkleide  zur  Schule,

er  war  z  stern  gerade  nach  Cichterselde
zekommen.  Damals  lagten  sie  noch  „Dusuejnander.
  Dann  kam  sie  in  elrre  „surchlbar
aarnelimes  Pension.  und  er  war.  ie  länoer

.
„Finden  Sie?“  wori  die  e  Dame  eiwas

er  in  der  Haup:  annnall  war.  auch  don
zu  Tag.  asig  jemer“  geworden.  Bvol  truier
sich  in  den  gemeiniamen  Ferien  hie  und
da,  aber  der  anfangs  vorherrschende  Scherz—
und  Uzton  haite  mehr  und  mehr  o#m  „vor.
nel  er  Leule“  Platg  gemacht.  Dara#n  8
war  nur  der,  in  seinem  Benchmen  „fur
bar  affig  gewordene  „Herr  La-  W

'  nannten  sich  spater  aul)  „Sie
gleich  Trude  es  innerlich  als  böchst  gen
beceid.ncte.  Aber  es  war  nun  einmal  so
wenn  es  auch  im  Herzen  beiden  sehr  wehe  tat

Jetzt  shien  ein  Wendepnln  im  Leben  diese“
lungen  Menscheminder  gelommen  zu  sein.  Iu#
hatten  das  Gesühl,  daß  sic  jenseils  eines  Toret
shtanden,  das,  einmal  durchichtinen,  sie  in  cu
anderes  Leben  trelen  lossen  würde.

„Gertrud,“  begann  er.  da:z  lungere  Schmei
gen  unterbrechend.  „wenn  cs  nun  wirk.  il
Erull  mird,  und  der  Krieg  lomm:,  dann  —
must  ich  gleich  zum  Reyiment  und  kannst  dr
—  o.  entschuldigen  Sie,  Fräulein  Geritrud,  ick
—  ich  —  vergaß  bei  den  ernsten  Zeiten  den  Re-.

elt  —

„Aun,  Walier,  ich  werde  es  tun,  sagen  wir.
wie  einst  in  jungen  Jabren-,  du  zueinander.“
—  wirllich,  darf  ich,  —  —  —  —  du

—  du  liebe  Trude)
Er  hatte  sie  an  sich  gezogen,  und  obgleich
sich  die  beiden  doch  schon  früher  so  gern
mochten,  drückte  er  ihr  erst  jetzt  den  ersten  Kuß

aul.)  den  Mund.
1□  1  —  —  "1u-