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er sagte, wenn es wahr sei, was man von Bismarck erzähle,
daß er ein Feind von Oesterreich sei, dieses mit Krieg über-
ziehen wolle, wenn ferner er nicht blos ein preußischer Felix
Schwarzenberg, sondern ein deutscher Cavour zu sein gedenke,
dann könne er auf die redliche und nützliche Mitwirkung
Ungarns rechnen. Für diesen Fall stelle er sich Bismarck zur
Verfügung, behufs Einleitung der weiteren Schritte mit den
maßgebenden Personen unter seinen ungarischen Landsleuten.
Am zweiten Tage nach der Abgabe des Briefes wurde
Seher Thosz früh 5 Uhr aus dem Schlafe geweckt, durch einen
Leibjäger, der sich sehr ängstlich vergewisserte, ob derselbe
auch wirklich derjenige wäre, den er suche. Er sagte dann, daß
der preußische Ministerpräsident ihn ersuchen lasse, um 8 Uhr
früh bei ihm zu erscheinen.
Bismarck: „Entschuldigen Sie, daß ich Sie im Schlafrock
empfange, ich bin jedoch erst um 4 Uhr früh von dem Feste
zurückgekehrt, zu dem mich der Kaiser Napoleon nach St. Cloud
geladen hat. Ich bedaure auch, daß ich Sie zu so früher
Stunde habe zu mir bitten müssen, ich bin aber durch die zärt-
liche Fürsorge Metternich's') von Spionen umgeben, wünsche
aber, daß Sie von diesen nicht bemerkt werden.“
Bismarck ließ sich nun von dem Grafen die Zustände
Ungarns und die hervorragendsten Persönlichkeiten der Emi-
gration und des Landes schildern. Auf die Frage, auf welche
Art der Graf zu so genauer Kenntnis der Verhältnisse sowohl
bei Hofe als in der Administration und im Heere käme,
setzte derselbe Bismarck auseinander, daß sich dies einerseits
daraus erkläre, daß ein großer Teil der ungarischen Emigrierten
den obersten Klassen der Gesellschaft angehöre, die sowohl bei
Hofe wie auch im Heere Verwandte und gute Freunde hätten,
und andererseits daraus, daß die patriotisch gesinnten Männer
im Lande jede Gelegenheit benutzten, um dieselben von den
*) Fürst Metternich, der österreichische Botschafter in Paris.