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diplomatique in zwei langen Artikeln über die Erbfolge in
den Herzogtümern und über die Erbkonvention des herzog-
lichen Hauses Sonderburg für ihn eingetreten, haben eine
Menge geschichtlicher und völkerrechtlicher Zitate angeführt und
Ihre Argumente mit einem großen Aufwande von Dialektt-
unterstützt, die mich zwar außerordentlich interessiert, aber
durchaus nicht überführt hat, und zwar um so weniger, als
die Aussprüche unsers Kronsyndikats Ihren Behauptungen
und Folgerungen entgegenlaufen. Sie verlangen, daß Preu-
ßen, um die Nord= und Ostseeküsten zu schützen, einen Herrscher
von Schleswig-Holstein und ein Herzogtum kreieren soll, das
zu schwach ist, jener früher oder später herantretenden Not-
wendigkeit eines Küstenschutzes gegen einen oder mehrere Feinde
zu genügen? Sie wollen also Preußens Kräfte zu Gunsten
dieses kleinen Landes, dessen Herzog nach Ihren historischen,
von anderer Seite bestrittenen Deduktionen zu schwach ist, sich
und des übrigen Deutschlands Handel und Gebiet zu schützen,
in Anspruch nehmen? Doch wir sind ja von dem eigentlichen
Zweck Ihres Besuches abgekommen, denn Sie haben die Reise
von Paris nach Berlin wohl nicht unternommen, um mit mir
über die Erbfolge in den Elbherzogtümern zu sprechen.“
Dr. Wollheim: „Ich komme im Auftrage der Agence
Havas, um auch die preußische Regierung zu vermögen, mehrere
Abonnements auf die lithographierte Korrespondenz zu neh-
men, die, wie ja allgemein bekannt, durch ihre Verbindungen
und dadurch, daß alle Blätter sie benutzen, von großer Wich-
tigkeit ist.“
eine Audienz bei Bismarck bewilligt erhalten, deren Verlauf Woll-
heim in einer Weise schildert, daß immerhin Zweifel über die
Zuverlässigkeit seines Referats aufstoßen. Danach streifte das Ge-
spräch zuerst Italiens Wunsch, einen zweiten Teil des Dramas
von 1859 aufzuführen, Oesterreichs Politik in Italien, die Cession
Venctiens gegen eine Kompensation vermittelst anderweitigen
Territorialbesitzes oder gegen Geld.
v. Poschinger, „Also sprach Bismarck“, Band I. 10