Full text: Also sprach Bismarck. Band I. 1846 - 1870. (1)

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Mai; wenn auch Frankreich im Augenblick nicht so zugängig 
ist, so wird es doch gern das Nationalitätsprinzip von Preußen 
angenommen sehen. Mit den anderen Großmächten werde 
ich auch leicht fertig werden, wenn ich die Annerion wirklich 
will, namentlich bei Abtretung des jenseits von Haderleben 
liegenden Teils von Nordschleswig. Aber diese Abtretung 
ist nicht zu empfehlen, weil Deutschland nun einmal jenes 
Land erworben hat, und ein Wiederaufgeben viel Aufsehen 
machen würde. Die Unmöglichkeit der Annexrion beruht in 
der Verkennung des Vorteils auf Seiten der königlichen Fa- 
milie, namentlich in der Gegnerschaft des Kronprinzen. Unter 
solchen Verhältnissen ist nichts zu machen, und wenn der Kron- 
prinz, statt ein Mehrer des Reiches ein Minderer werden 
will, so muß der preußische Ministerpräsident darauf bedacht 
sein, eine solche Gesinnung des Thronerben nicht offiziell 
werden zu lassen. Mithin muß die Annekion vermieden 
werden, um den Kronprinzen nicht zu kompromitieren. Oester- 
reich gegenüber werde ich meine Annekionspläne stets auf- 
recht erhalten, damit es nachgiebiger wird; eher aber kann 
man nicht zu Vereinbarungen über die preußischen Forderungen 
mit dem Erbprinzen schreiten, als bis die Sache mit Wien im 
Klaren ist. Oldenburg bietet viel mehr an, als Preußen über- 
haupt zu fordern gesonnen ist. es bietet nicht nur eine Militär- 
und Marinekonvention an, sondern es will sogar sein eigenes 
oldenburgisches Truppenkontingent zu einem preußischen 
Korps hergeben, wodurch Preußen ein wichtiges Ueberge- 
wicht über Hannover erlangen würde.“ 
Berlin, den 8. März 1865. 
Unterredung mit dem Geh. Rat Max 
Duncker, betr. die schleswig-holsteinische 
Frage.--) 
Max Duncker hatte sich bei Bismarck zunächst eines Auf- 
trages zu entledigen, den ihm der Kronprinz erteilt hatte. 
*) Nach Theodor von Bernhardi a. a. O. Bd. VI S. 264. 
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