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Der Kaiser von Oesterreich tritt Venezien an den Kaiser der
Franzosen ab und akzeptiert seine Vermittlung, um zwischen den
Kriegführenden Frieden zu stiften. Das ist aber noch nicht
alles: Der Moniteur universel kündigt an, daß der Kaiser
Napoleon sich beeilt hat, diesem Ersuchen nachzukommen und
daß er sich an die Könige von Preußen und Italien wenden
wird, um einen Waffenstillstand abzuschließen.“
Horsicz, den 5. Juli 1866.
Unterredung mit dem Grasfen Nikolaus
Bethlen, betreffend die Klapkasche Expedi-
tion, die Stellung Oesterreichs zu Ungarn.“)
Nachdem sich Bismarck über das Befinden des ver-
wundeten Grafen Bethlen unterrichtet hatte, drückte er ihm
seine Freude darüber aus, daß die Oesterreicher sich so brav
in Italien geschlagen haben. „Meine Freude ist umso ge-
rechtfertigter, da das österreichische Heer ein deutsches Heer
ist. Uebrigens ist ein Unterschied zwischen Preußen und
Oesterreichern in ihrem Kriege gegeneinander nur insoweit
zu finden, daß die österreichischen Generale mehr Fehler be-
gangen haben, als die preußischen.“
Auf eine von Bethlen eingeworfene Frage, wie die kon-
servative preußische Regierung eine Expedition unter Klapka
und Genossen veranstalten lassen konnte, antwortete Bismarck:
„Die Expedition wollte und konnte nichts anderes sein, als eine
bloße militärische Demonstration gegen den sich zurückziehen-
den Feind. Dieses sagte ich Klapka und den übrigen Herren
offen und klar, und gab ihnen gar keine Versprechungen für
die Zukunft. Im ganzen versprach ich ihnen nur so viel,
daß ich mich bemühen werde, die Personal-Union zwischen
——
*) Nach dem Tagebuch des Grafen Nikolaus Bethlen, ver-
öffentlicht im „Pesti Naplo“ cf. die „Berliner Börsenzeitung“
Nr. 430 vom 13. November 1893.
v. Poschinger, „Also sprach Bismarck“, Band I. 11