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unterdrücken, denn sie stehen in jeder Beziehung so, daß man
die Magyarische Führerrolle im ungarischen Staat von keiner
Seite angreifen kann.“
Pardubitz, den 8. Juli 1866.
Unterredung mit dem Grafen Seherr Thosz,
betreffend Bismarcks Kampf um des Königs
Bertrauen. Das Schicksal von Süddeutsch-
land und Böhmen.-)
Graf Seherr Thosz war in das preußische Hauptquartier
gefahren, um Bismarck im Auftrage des Prinzen Napoleon
vor einem voreiligen Frieden oder Waffenstillstand mit Oester-
reich zu warnen — augenscheinlich zu dem Zwecke, um Frank-
reich Zeit zu geben, in der Zwischenzeit bis zum Friedensschluß
selbst etwas im Trüben zu fischen. Bismarck forderte den
Grafen, der ihm auf dem Marktplatze vor dem Hause des
Königs beim Verlassen desselben erwartet hatte, auf, ihm
nach seiner Wohnung zu folgen.
Kaum hatte Seherr eine gewisse militärische Mitteilung
beendet, als Bismarck zum Könige zurückeilte, um zu verhin-
dern, daß der Feldmarschall-Leutnant Gablentz, der wegen
Abschluß eines Waffenstillstandes zum zweiten Male nach dem
königlichen Hauptquartier gekommen war, vom Könige emp-
fangen werde. Nach einer Viertelstunde zurückgekehrt, bot
Bismarck dem Grafen Seherr einen Stuhl. „So, jetzt wollen
wir eine Zigarre rauchen. Sie haben mich auch für einen
Junker, einen Reaktionär gehalten. Der Schein trügt. Um
meine Zwecke zu erreichen, mußte ich diese Rolle spielen. Beim
Könige wurde ich von allen Seiten als verkappter Demokrat
verdächtigt. Ich konnte sein volles Vertrauen nur gewinnen,
indem ich zeigte, daß ich auch vor der Kammer nicht zurück-
*) Graf Seherr-Tosz „Erinnerungen“, Deutsche Rundschau,
Bd. XXVIII S. 69f.
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