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Eisgrub, den 29. Juli 1866.
Unterredung mit dem Herzog von Sachsen-
Koburg-Gotha, betreffend die dem letzteren
zugedachte Gebietserweiterung.“)
Auf einer Wagenfahrt von Nikolsburg nach Eisgrub
sprach Bismarck zu dem Herzog von Koburg von der Ent-
schädigung, welche dem letzteren von Seiten des Königs von
Preußen persönlich zugedacht worden war. Bismarck gedachte
u. a. des Herzogtums Meiningen, auf dessen Herzog er schlecht
zu sprechen war; er hatte genaue Kunde von den Ereignissen
in Meiningen beim Anmarsch der Bayern.
Der Herzog hielt es unter diesen Umständen für seine
Pflicht, Bismarck über die ihm momentan vermutlich weniger
geläufigen sächsischen Hausverträge Auskunft zu geben. Er
bemerkte, daß ein Anfall Meiningens an die jüngere Ko-
burgsche Linie ohne Rücksicht auf Altenburg rechtlich unmöglich
wäre und daß man außerdem die unter schwierigen Verhält-
nissen absolut korrekte Haltung des Erbprinzen von Meiningen
nicht ignorieren dürfe.
Bismarck: „Ich will dies zugeben. Vom altsächsisch-
koburgischen Gebiet ist einst ein Teil an Bayern abgetreten
worden, auf welcher nach Lage der Dinge keinenfalls
Ansprüche von Seiten des Koburgischen Hauses geltend ge-
macht werden könnten. Ich nehme jedoch Anstand eine Ab-
tretungsfrage Bayern gegenüber aufzuwerfen, da dies in
Frankreich, wo man auf die Selbständigkeit der Südstaaten
so großen Wert legt, allerlei Schatten werfen würde. Viel
leichter wäre es, aus der kurhessischen Erbschaft die Graf-
schaft Schmalkalden dem Herzog von Koburg zu überlassen.“
Der Herzog ging auf dieses Angebot sehr bereitwillig
ein, die nähere Ausführung des Gedankens wurde späteren
Verhandlungen vorbehalten.
*) Ernst II.: „Aus meinem Leben“, Band III S. 617.
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