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Nikolsburg, den 1. August 1866.
Unterredung mit dem italienischen Gene-
ral Govonc, betreffend die Zustimmung
Italiens zum Wassenstillstand, das franzö-
sische Vermittlungs-Anerbieten, die Ver-
einigung Vencziens mit Italien, den Fort-
bestand des preußisch-italienischen Bünd-
nisses, Italiens Beteiligung an den Prager
Friedensverhandlungen, das Zündnadel-
gewehr.)
Am 1. August begab sich Govone vor seiner Wieder-Ab-
reise nach Berlin zu Bismarck. Da er in Nikolsburg weder
den Grafen Barral noch irgend eine Mitteilung des Ministers
Visonti-Venosta hinsichtlich der Zustimmung Italiens zum
Waffenstillstande vorgefunden hatte, sagte er Bismarck, daß
er nicht in der Lage sei, ihm irgend eine Antwort in dieser
Frage zu geben, daß aber Graf Barral selbst vielleicht schon
während seiner Abwesenheit den Wunsch Bismarcks befriedigt
habe, was der letztere bestätigte.
Darauf las Bismarck dem General Govone verschiedene,
zwischen dem Kaiser Napeleon und dem König Wilhelm ge-
wechselte Depeschen vor, beginnend mit dem ersten Vermitt-
lungs-Anerbieten des Kaisers vom 5. Juli und reichend bis
zum Abschluß des Waffenstillstandes. Bismarck setzte hinzu.
daß das letzte kaiserliche Telegramm, welches er Govone indes
nicht vorlas, von Preußen eine endgültige Aeußerung darüber
forderte, ob es die französische Vermittlung ohne Weiterungen
annehme oder nicht: „Frankreich stand im Begriff, loszu-
schlagen, und wir waren zur Annahme gezwungen.“ — Darauf
*) Nach dem Berichte Govones an den Minister des Aeußern
Cav. Visconti-Venosta d. d. Berlin, 7. August 1866 a. a. O.
Seite 268—271. Eine etwas verschiedene Version des Verlaufes
der Unterredung findet sich a. a. O. S. 154—161.