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wiederholte Bismarck all' die anderen Gründe, welche Preußen
die Annahme als rätlich erscheinen ließen: das Klima Ungarns,
die Cholera, das Eintreffen des (österreichischen) Heeres aus
Italien, die große Entfernung des italienischen Heeres von
der Donau; eine Entfernung, die der preußische Generalstab
auf 20 bis 25 Tagemärsche berechnet hatte. Bismarck fügte
noch hinzu, daß er, als das erste französische Vermittlungs-
Anerbieten vom 5. Juli eintraf, der Ansicht gewesen war,
es im Prinzip annehmen zu müssen; dann aber ließ er die
preußischen Generale wissen, daß er durch Verhandlungen 10
Tage gewinnen zu können glaube, falls sie im Stande seien,
Wien in dieser Zeit zu erreichen. Die preußischen Generale
verlangten 15 Tage und er gewann dann 17, denn die erste
Waffenruhe datiert vom 22.; dann aber mußte der rasche
Vormarsch aufgehalten werden, um den Brot= und Lebens-
mittel-Kolonnen Zeit zum Herankommen an das Heer zu ge-
währen, und so war es nicht möglich, Wien zu besetzen.
Bismarck las dem General Govone schließlich auch eine
ungefähr in folgenden Ausdrücken abgefaßte Note Benedettis
vor: „Der unterzeichnete Botschafter Frankreichs ist ermächtigt,
Sr. Exzellenz dem Minister-Präsidenten Sr. Moajestät des
Königs von Preußen amtlich zu erklären, daß Venetien jetzt
an Italien übergegangen ist und daß in Volge dessen einem
sofortigen Waffenstillstand und Friedensschluß nichts mehr
im Wege steht.“
Darauf stellte Govone an Bismarck die Frage, welche
Antwort er nach Florenz zu senden haben würde, wenn man
ihn von dort über die Bedeutung befrage, welche die preu-
bische Regierung dieser von Frankreich erbetenen Erklärung
beimesse.
Bismarck erwiderte, daß der Kaiser in dem ersten fran-
zösischen Vermittlungstelegramm vom 5. Juli erklärt habe,
daß ihm von Oesterreich Venezien abgetreten sei; da nun
seitdem keine andere, die erste aufhebende Erklärung ange-