— 298 —
Berlin, den 27. Oktober 1867.
Unterredung mit dem bayerischen Minister-
präsidenten Fürsten Hohenlohe-Schillings-
fürst und bayerischen Reichsrat Freiherrn
von Thüngen, betreffend ein bayerisches
Beto in JZollsachen.“)
Hohenlohe stellte Thüngen um 2 Uhr vor, indem er den
Zweck ihrer beiderseitigen Reise nach Berlin darlegte. Es han-
delte sich darum, Bayern ein Veto in Zollsachen einzuräumen
— in Gemähhbeit eines Beschlusses der bayerischen Reichs-
ratskammer. Bismarck entwickelte in längerer Auseinander=
setzung den Standpunkt der preußischen Regierung, beteuerte
seine deutsche Gesinnung, verwies auf die Verhandlungen
des Friedensvertrages, in welchem er die Interessen Bayerns
den in dem entgegengesetzten Sinne geltend gemachten Strö-
mungen entgegengestellt habe, versicherte aber, daß die Rück-
sicht auf ihre Bundesgenossen die preußische Regierung ab-
halte, weitere Konzessionen an Bayern zu machen.
Auf den Vorschlag Thüngens, wenn auch nicht den Re-
gierungen, doch der Majorität der nichtpreußischen Abge-
ordneten im Parlament ein Einspruchsrecht zuzugestehen,
wandte Bismarck ein, daß dadurch die norddeutsche Verfas-
sung gefährdet würde. „Der preußischen Regierung liegt es aber
fern, auf die süddeutschen Staaten irgendeinen Druck ausüben
zu wollen.“
Dem Wunsch Thüngens auf Verlängerung der Ratifi-
kationsfrist bis nach neuen Wahlen in Bayern, glaubte Bis-
marck auch nicht entsprechen zu können, versicherte aber, daß
er auch dann, wenn Bayern verhindert wäre, die Ratifi-
kationsfrist einzuhalten, dieselben Bedingungen gewähren
wolle, die er im Juni geboten habe.
*) Denkwürdigkeiten des Fürsten Hohenlohe Schillingsfürst
Band 1 Seite 275.