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Erfolg, auf die Thronschlußrede, die den Nationalliberalen
nicht gefallen habe, was Bismarck mit einem gewissen Em—
pressement hervorhob, und auf die Militär= und Festungs-
frage. Bismarck wiederholte in dieser Beziehung, was er
dem Fürsten Hohenlohe bereits am vorhergehenden Tage
gesagt hatte, daß er nämlich vorziehe, wenn die Beratungen
mit dem bayerischen Militärbevollmächtigten allein ohne den
württembergischen gepflogen würden, da aus einer gemein-
schaftlichen Beratung leicht eine Beunruhigung der öffentlichen
Meinung hervorgehen könnte. Was die Festungsfrage be-
traf, so legte er augenscheinlich großen Wert auf die Aus-
einandersetzungskommission und bat, die Sache nicht fallen
zu lassen. Ueber die militärische Bedeutung von Ulm
sprach sich Bismarck nicht deutlich aus, doch schien aus seinen
Aeußerungen die Befürchtung hervorzugehen, daß, wenn
Bayern Ulm ganz an Württemberg überließe und nicht vor-
her die Festung ganz eingelegt würde, dann Oesterreich bei
Gelegenheit die Hand darauf legen würde. Wie bedenklich
überhaupt die Stellung von Oesterreich gegenüber von
Bayern sei, suchte er nachzuweisen, indem er erzählte, daß
man in Nikolsburg sich zu einer Abtretung von Oesterreichisch-
Schlesien bereit erklärt habe, wenn man dafür die Grenze
an den Inn verlege; ebenso hätten kühne Politiker in Nikols-
burg von einer Abtretung des alten österreichischen Württem-
bergs vom Schwarzwald bis Ulm gesprochen. „Die Zu-
sammenberufung der Liquidationskommission wünsche ich nicht
vor Ende August, da ich nicht gut ohne Kenntnis des dort
Vorgehenden bleiben und meinen Urlaub nicht früher unter-
brechen möchte.“
Hohenlohe fragte dann Bismarck, ob seit der Eröffnung
des Grafen Wimpfen über das Gespräch zwischen ihm und
Beust im November die Frage des Süddeutschen Bundes
nicht von österreichischer Seite wieder angeregt worden sei.
Biomarck: „Ich selbst bin eigentlich gar kein Gegner des-
selben, ich teile nicht die Ansicht, daß durch die Trennung