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Roggenbach riet davon ab, weil Bismarck als Minister-
präsident von allen Dingen im Entstehen Kenntnis erhalte
und seine Meinung in die Wagschale werfen könne, während
die inneren Angelegenheiten ihm, wenn er nur auswärtiger
Minister sei, fertig vorgelegt würden.
Bismarck: „Wenn ich den Verdruß nicht los werde,
den mir die preußischen Verhältnisse machen, so werde ich toll,
oder ich hänge mich an den nächsten Baum.“
Berlin, den 23. Juni 1869.
Unterredung mit dem baberischen Minister-
präsidenten Fürsten Hohenlohe, betreffend
die parlamentarische Frage der Lianida-
tionskommission, die Gestaltung der deut-
schen Frage, Erinnerungen von 1866. Die
Erweiterung des norddeutschen Bundes auf
den Süden.)
Bismarck sprach zuerst von der Beendigung des Par-
laments und dessen Resultaten und von der Haltung der Par-
teien, er erklärte sich sehr zufrieden, daß wenigstens etwas
zustande gebracht worden sei. „Was die politischen Diskus-
sionen betrifft, so habe ich die Parteiführer darauf aufmerksam
gemacht, daß es gegenüber der Stimmung in Süddeutsch-
land ganz unfruchtbar ist, Fragen zu berühren, bei welchen
doch nur eine süddeutsche Minderheit über die süddeutsche
Mehrheit mit Hilfe der Norddeutschen den Sieg davontragen
würde.“
Davon abspringend, berührte er die Frage der Liaqui-
dationskommission, erklärte sein Einverständnis mit den
Münchner Verabredungen und fügte bei, daß er den Antrag bei
6) Denkwürdigkeiten des Fürsten Hohenlohe-Schillingsfürst.
Bd. l S. 377.