Full text : Also sprach Bismarck. Band I. 1846 - 1870. (1)

—  356  —

Berlin,  den  20.  Januar  1870.

Unterredung  mit  v.  Diest-Daber,  betreffend
die  Geheimräte,  den  Finanzminister,  den
König.-)

Bismarck  beklagte  sich  über  die  Friktionen,  welche  von
den  Geheimen  Räten  auf  ihn  ausgeübt  wurden,  was  auf  die
Dauer  zu  ertragen,  schwer,  ja  fast  unmöglich  sei.

Von  seinen  Kollegen  sei  Eulenburg  zwar  befähigt,  aber
zu  indolent.  Von  dem  Finanzminister  bemerkte  Bismarck,
daß  er  in  seinen  Finanzplänen  nicht  nur  die  momentane  Lage
des  Landes  in  das  Auge  zu  fassen,  sondern  auch  zu  prüfen
und  sich  klar  zu  machen  habe,  wie  sich  die  Finanzen  des
Landes  in  3,  in  5,  ja  in  10  Jahren  gestalten  würden.  „Im
Hinblick  auf  das  hohe  Alter  des  Königs  habe  ich  daran  zu
denken,  wie  es  mir  möglich  sein  wird,  einst  mit  dem  Kronprinzen
  zu  regieren.  Auch  hier  werden  Schwierigkeiten  zu  überwinden

  sein.““)

·  ·
·

7.  Februar  1870.  Auf  einem  Ball  beim  Prinzen  Albrecht
bemerkte  Bismarck  zu  dem  Abgeordneten  v.  Bennigsen,  er
werde  jedenfalls  auf  die  Berufung  des  in  ein  paar  Tagen
(12.  Februar)  geschlossenen  Landtages  zu  einer  außerordentlichen
  Session  bestehen,  weil  sehr  wichtige  Justiz=  und  Finanzgesetze
  in  diesem  Frühjahr  fertig  werden  sollten.  „Die  Session
braucht  möglicherweise  nur  4  Wochen  zu  dauern.“““)

*)  Nach  der  mit  großer  Vorsicht  aufzunehmenden  Parteischrift:
  Bismarck  und  Bleichröder  von  Diest-Daber,  München  1897.

**)  Bemerkungen  Bismarcks  gegenüber  dem  französischen  Botschafter
  Benedetti  am  23.  Februar  1870  in  Berlin,  betr.  die
Aspirationen  der  preußischen  Parteiführer,  die  er  nicht  befriedigen
  könne.  Bericht  Benedettis  d.  d.  25.  Februar  1870.  Benedetti
  Ma  mission  etc.  S.  289  f.

**“)  Hermann  Onken.  Rud.  von  Bennigsen  Bd.  II  S.  167.