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unerfreulich, solches Reden, um nicht zu sagen, solches Ge-
schwätz, beantworten zu müssen. Es ist wirklich mit diesen
beredten Herren wie mit manchen Damen, die einen kleinen
Fuß haben und immer zu enge Schuhe anziehen und die
Füße vorstrecken, damit man sie sehen soll. So, wenn einer
das Unglück hat, beredt zu sein, da hält er zu lange Reden
und zu oft. Wir haben die deutsche Frage in gutem Gange.
Aber sie hat ihre Zeit — ein Jahr vielleicht — fünf Jahre —
zehn möglicherweise. Ich kann sie nicht schneller machen, und
diese Herren auch nicht. Aber sie können nicht warten.“
Berlin, den 27. Februar 1870.
Unterredung mit Moritz Busch, betreffend
die Aufnahme Badens in den nord-
deutschen Bund.“)
Bismarck: „In meiner Reichstagsrede vom 24. Februar,
worin ich die Gründe erörterte, welche der Aufnahme Ba-
dens in den norddeutschen Bund entgegenstehen, ist ein großer
Fortschritt gelegen, den die guten Leute aber nicht gemerkt
haben. Es war die Andeutung, daß wir uns unter Umständen
an die österreichische Auffassung, nach welcher nicht der Süden,
und an die französische, nach welcher kein einzelner Staat
*) Moritz Busch „Unser Reichskanzler'“ Bd. II S. 355.
Tagebuchblätter, Bd. 1 S. 6. In einer Unterhaltung mit Bis-
marck drückte Fürst Hohenlohe die Verwunderung aus, daß man
die Jesuiten sich in Preußen ausdehnen lasse, die sich doch die
Aufgabe gestellt hätten, den Protestantismus zu bekämpfen. Hohen-
lohe vermochte aber Bismarck von dem Vorhandensein einer Ge-
sahr nicht zu überzeugen. Auch die Warnung vor dem Erz-
bischof von Posen Ledochowski, der ein Zögling und Protégé
der Jesuiten sei, hatte nichts genützt, indem Bismarck erwiderte:
„Er ist ein vortrefflicher Mann, der mir die Polen in Ordnung
hält. und auf den ich mich verlassen kann.“