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vorher bei dem Minister Manteuffel, der mir ein Promemoria
des Herrn von Usedom') vorgelesen hat, das von der Ansicht
ausging, Preußen dürfe sich in der orientalischen Verwicklung
nicht isolieren und müsse der österreichischen Konvention bei-
treten. Ich habe die Abhandlung sehr elend und feige gefunden,
sie hat aber gleichwohl Manteuffel irre gemacht.“ Danach
verabredeten Bismarck und Gerlach die ferneren Operationen.
Später trafen sich dieselben noch am selben Tage bei dem
russischen Gesandten Baron Budberg.
Berlin, Frühjahr 1854.
Unterredung mit dem König Friedrich
Wilhelm IV., betreffend Zielpunkte für
Preußens Politik in der orientalischen
Frage.“*)
Bei der Besprechung des Vertrages vom 20. April 1854
schlug Bismarck dem Könige vor, diese Gelegenheit zu be-
nutzen, um die preußische Politik aus ihrer augenblicklichen
sekundären und wie ihm schien, unwürdigen Lage herauszu-
heben und eine Stellung einzunehmen, welche Preußen die
Sympathie und die Leitung derjenigen deutschen Staaten ge-
winnen würde, die mit ihm in unabhängiger Neutralität zu
verbleiben wünschten.
„Ich halte dies für erreichbar, wenn Preußen, sobald
Oesterreich die Truppenaufstellung verlangt, freundlich und
bereitwillig darauf eingeht, aber die Aufstellung der 66 000
und faktisch mehr Mann nicht bei Lissa, sondern in Oberschlesien
macht, so daß unsere Truppen in der Lage sind, die russische
oder die österreichische Grenze mit gleicher Leichtigkeit zu über-
schreiten, namentlich wenn wir uns nicht genieren, die Ziffer
*) Der spätere Gesandte in Florenz.
"“*.) Bismarcks „Gedanken und Erinnerungen“, Bdll S. 97f.