— 35 —
andere Idee zur Geltung: eine Offensiv= und Defensiv-Allianz
zwischen Deutschland und dem stammverwandten Norden mit
einer doppelten Front nach jeder Seite gegen Slaven und
Gallier.“
„Ja freilich, wenn Sie zuerst Deutschlands Einigkeit zu-
stande bringen wollen,“ meinte Kammerherr v. Bliren launig,
„da bleibt uns ja noch recht bequem Zeit, ein einiges Skandina-
vien aufzubauen .“)
Berlin, den 26. August 1857.
Unterredung mit dem General-Adjutanten
von Gerlach, betreffend den Skandinavis-
mus.“")
Von Dänemark und Schweden zurückgekehrt, äußerte sich
Bismarck zu Gerlach: „Der Skandinavismus in Dänemark
und Schweden ist allgemein, und zwar mit einem Anschluß
an Norddeutschland, als protestantischem Lande. Holstein und
Schleswig sollten von Dänemark getrennt werden; die Hol-
steiner aber wollen nicht von Dänemark los, um nicht der
Kleinstaaterei zu verfallen. Auf der anderen Seite will das
Ministerium die Eidergrenze. So geht alles durcheinander.
Der Prinz Christian hat gar keinen Anhang im Lande: nie-
mand glaubt, daß er König werden wird und vor allen
Dingen glaubt er es selbst nicht; er lebt als Aqgronu.
Schweden hat auf mich einen guten Eindruck gemacht.
Auf dem Lande ist viel Reichtum, im Volke und im Militär
viel Derbheit und Ordnung.“
*) Bismarck erwähnt in seinen „Gedanken und Erinne-
rungen“ Bd. 1 S. 191 ein Gespräch mit angesehenen Schleswig-
Holsteinern. Sie wollten von einem deutschen Kleinstaate nichts
wissen; „da sei ihnen das Bischen Europäertum in Kopenhagen
noch lieber“.
*)Gerlach, „Denkwürdigkeiten“, Bd. II S. 528.