— 41 —
nern seine Dienste angeboten hatte, unbeantwortet gelassen
und erhielt im Hotel „Royal“ vor seiner Abfahrt nach Pe-
tersburg behufs Antritts des dortigen Gesandtenpostens den
Besuch des Levinstein. Nachdem letzterer sich durch Vorzeigung
eines eigenhändigen Einführungsschreibens des österreichischen.
Ministers Grafen Buol legitimiert hatte, machte er Bismarck
den Vorschlag zur Beteiligung an einem Finanzgeschäft, welches
ihm „jährlich 20.000 Taler mit Sicherheit“ abwerfen würde.
Auf Bismarcks Erwiderung, daß er keine Kapitalien anzu-
legen hätte, erfolgte die Antwort, daß Geldeinschüsse zu dem
Geschäft nicht erforderlich seien. Bismarcks Einlage würde
darin bestehen, daß er mit der preußischen auch die österreichische
Politik am russischen Hofe befürwortete, weil die fraglichen
Geschäfte nur gelingen könnten, wenn die Beziehungen zwischen
Rußland und Oesterreich günstig wären. Bismarck war daran
gelegen, irgendwelches schriftliches Zeugnis über dieses Aner-
bieten in die Hand zu bekommen, um dadurch dem Regenten den
Beweis zu liefern, wie gerechtfertigt sein Mißtrauen gegen die
Politik des Grafen Buol war. Er hielt deshalb dem Levinstein
vor, daß er bei einem so bedenklichen Geschäft doch eine stär-
kere Sicherheit haben müßte, als seine mündliche Acußerung,
auf Grund der wenigen Zeilen von der Hand des Grafen
Buol, die er an sich behalten habe. Levinstein wollte sich
nicht dazu verstehen, eine schriftliche Zusage zu beschaffen, er-
höhte aber sein Anerbieten auf 30.000 Taler jährlich. Nach-
dem Bismarck sich überzeugt hatte, daß er schriftliches Beweis-
Material nicht erlangen würde, ersuchte er Levinstein, ihn
zu verlassen, und schickte sich zum Ausgehen an. Levinstein
folgte ihm auf die Treppe unter beweglichen Redensarten über
das Thema: „Sehn Sie sich vor, es ist nicht angenehm, die
Kaiserliche Regierung zum Feinde zu haben.“ Erst als
Bismarck ihn auf die Steilheit der Treppe und auf seine