— 60 —
Die liberale Partei ist in Preußen und in Deutschland so
mächtig, die Gesamtheit der Elemente, welche die Partei
bilden und noch fest zusammenhängen, ist so beträchtlich und die
öffentliche Meinung spricht sich so energisch zu Gunsten
der Mehrheit der Kammer aus, daß wir alles von
einem heftigen Ansturm der Meinungen zu fürchten haben.
Was ist unter so mißlichen Umständen zu tun? Welchen
Entschluß soll man fassen?“
Persigny: „Wenn Sie wie England an die Freiheits-
kämpfe gewöhnt wären, wenn alle Klassen der Gesellschaft in
Preußen daran gewöhnt wären, einen Ausgleich durch gegen-
seitige Zugeständnisse herbeizuführen, wenn Sie insbesondere
nicht den Illusionen ausgesetzt wären, von welchen alle Neu-
bekehrten der Freiheit unfehlbar ergriffen werden, so würde ich
Ihrem Könige raten, sich vor der öffentlichen Meinung zu
beugen und ohne Befürchtung die Wege der konstitu-
tionellen Regierung einzuschlagen. Aber bei der gegenwärtigen
Lage der Dinge würde das töricht sein. Daß Sie nicht ver-
standen haben, einer unerfahrenen und zur Regierung Ihres
Landes unfähigen Partei Widerstand zu leisten, war eine
Schwäche, und diese Schwäche werden Sie eines Tages mit
blutigen Tränen zu bezahlen haben.“)
Sie haben die günstige Chance, daß der Kampf der
liberalen Partei gegen Ihre Regierung sich auf die Armee-
Frage erstreckt, und daß die Regierung infolgedessen, indem sie
die Armee verteidigt, die letztere auf ihrer Seite hat. Sie
haben noch einen anderen wertvollen Vorteil zur Seite: im
Gegensatze zu uns in Frankreich ist bei Ihnen die Bewilligung
des Budgets durch die Kammer nicht unerläßlich für den Fort-
gang der Regierung, da im Falle eines Konfliktes zwischen
den Staatsgewalten das Budget des vorhergehenden Jahres
*) Folgt ein Hinweis auf die Lehren der Geschichte, die Per-
sigany auf die Verhältnisse Preußens anzuwenden empfahl.