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den Briefen unberühmter Männer oder der Dunkelmänner, wie man
in der Regel mit Nebensinn übersetzt findet, dupiert waren und sie
für ein Hilfsmittel im Streite gegen die Poeten und Reuchlin er-
achteten. — — —
Als Luther am 31. Oktober 1517 seine Streitsätze gegen den
Ablaß an die Thüre der Schloßkirche zu Wittenberg anheftete, ver-
meinte er durchaus nichts Ungewöhnliches zu thun; er bezweckte damit,
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Darstellung des Ablaßhandels.
Holzschnitt nach einer Zeichnung von Hans Holbein dem Jüngeren (1497 - 1543).
wie auch schon die lateinische Fassung zeigte, nichts als eine gelehrte
Disputation über das Wesen des Ablasses und der Sündenvergebung.
Bei der Menge der zum Kirchweihfeste des folgenden Tages Zu-
strömenden konnte er in dem Umkreise, auf den es ihm hier ankam,
auf reichliche Kenntnisnahme und Verbreitung rechnen. Keinesfalls
aber hatte er, der einfache, in vielen Dingen damals noch vorsichtige
und ängstliche Mönch, die Absicht, gegen die Kirche in epochemachender
Weise aufzutreten und ebensowenig eine Ahnung davon, welchen Sturm
der Geister er zu entfesseln im Begriff war. Wir wissen, wie viele
Federn sich schon gegen den Ablaß gerichtet hatten; aber keine von
ihnen hatte mehr als vorübergehendes Aufsehen erregt. Nun aber war
der Boden durch die Arbeit des Humanismus vorbereitet, gegen die
Forderungen Roms war allmählich ein ebenso stark religiöses wie