Volltext : Fünfzig Jahre aus Preußens und Deutschlands Geschichte.

172  Der  Deutsch-dänische  Krieg.

Begleitern  nach  Wien.  Unter  diesen  Tapferen  befand  sich  auch  ein  mit  der
silbernen  Medaille  geschmückter  Stabstrompeter  vom  9.  Jägerbataillon.  „Wie
ist  der  Mann  zu  der  Auszeichnung  gelangt?"  so  fragten  viele,  die  dem  Einzuge
  zuschanten.  Beauftragt,  zum  Sammeln  zu  blasen,  sieht  jener  den  vorgeschickten
  Adjutanten  tödlich  verwundet  niederstürzen.  Der  brave  Hornist  wirft
noch  einen  Blick  auf  seinen  Vorgesetzten,  dann  auf  den  Feind,  und  statt  zum
Sammeln  zu  blasen,  läßt  er  die  Töne  erschallen,  welche  zum  Sturm  rufen;  sein
Bataillon  geht  entschlossen  noch  einmal  vor,  siegt  —  und  der  Trompeter  erhält
die  silberne  Medaille  für  seine  entschlossene  That.

Der  Sieg  von  Oeversee  kostete  Freund  und  Feind  manchen  tapferen  Mann.
Der  größte  Teil  der  dänischen  Armee  war  jedoch  entkommen;  während  der
Nacht  vom  5.  bis  6.  Februar  hatten  sie,  wie  schon  erwähnt,  in  aller  Stille  und
mit  Hinterlassung  von  139  schweren  Geschützen  ihr  „Danewirke“"  verlassen  und
sich  auf  ihre  zweite  stärkere  Verteidigungslinie  zurückgezogen.  Der  Feind  hatte
schon  einen  so  bedeutenden  Vorsprung  gewonnen,  daß  seine  Hauptmacht  nicht
mehr  eingeholt  werden  konnte.  Die  preußischen  Husaren  vom  Korps  des  Prinzen
Friedrich  Karl  ereilten  nur  noch  Nachzügler  in  Flensburg  und  verhinderten
einige  mit  Proviant  befrachtete  Schiffe  am  Auslaufen  aus  dem  Hafen.

Die  Hauptmacht  der  Dänen  hatte  sich  glücklich  hinter  den  auf  der  Halbinsel
  Sundewitt  befindlichen  und  mit  größter  Sorgfalt  angelegten  Düppeler
Schanzen  in  Sicherheit  gebracht.  Diese,  zehn  an  der  Zahl,  wurden,  solange
es  noch  Zeit  war,  mit  rastlosem  Eifer  verstärkt.  Die  Dänen  legten  nicht  nur
Wolfsgruben,  spanische  Reiter,  Eggen  u.  s.  w.  dem  Feinde  in  den  Weg,  sondern
sie  erbauten  auch  vor  der  ganzen  Schanzenlänge  einen  Drahtzaun,  der  aus  ziemlich
  großen,  fünf  bis  sechs  Schritt  auseinander  stehenden  und  durch  drei  bis
vier  dicke  Drähte  verbundenen  Pfählen  bestand.  Zwischen  Zaun  und  Graben
befanden  sich,  als  weitere  Mittel  zur  Erschwerung  der  Annäherung,  untereinander
  befestigte  und  mit  loser  Erde  bestreute  Bretter,  durch  welche,  mit  der
Spitze  nach  oben,  sieben  bis  acht  Zoll  lange  Schwertnägel  geschlagen  waren.
Vor  den  Grabenböschungen  waren  Palissaden  angebracht  worden,  und  zum  Überfluß
  harrte  ein  wohlangelegtes  Minennetz  des  Augenblickes,  wo  der  elektrische
Funke  spielen  würde,  um  die  im  Erdreich  verborgenen  Pulvermassen  zu  entzünden
  und  die  darüber  Hinschreitenden  in  die  Luft  zu  schleudern.

Die  Schanzen  waren  untereinander  durch  Laufgräben  verbunden  und  nach
rückwärts  durch  einen  Brückenkopf  geschützt,  der  zwei  nach  der  Insel  Alsen  führende
Schiffsbrücken  deckte  und  für  den  von  den  Dänen  kaum  für  möglich  gehaltenen
Fall  eines  Rückzuges  in  Wirksamkeit  zu  treten  hatte.  lberdies  konnten  die
Dänen  auch  noch  von  ihren  Schiffen  den  Feind  vom  Meere  her  beschießen  —
kurz,  die  Werke  bei  Düppel  gehörten  zu  den  stärksten  Befestigungen  ihrer  Art.