Full text : Die Verfassungsgeschichte der Germanen und Kelten.

88  Die  Germanen.  Kap.  X.

besiegte  er  die  Haeduer  und  vernichtete  ihren  Prinzipat  in  Gallien.
Bis  zu  Caesars  Ankunft  daselbst  im  Jahr  58  belief  sich  das
Heer  des  Ariovist  auf  96000  Mann  unter  dem  Gesamtnamen
von  Sueben,  die  aus  benachbarten  Tribokken,  Nemeten,  Vangionen
  und  rechtsrheinischen  Sedusiern,  Markomannen  und  Sueben
sich  zusammensetzten.  Jeder  dieser  Stämme  machte  eine  besondere
  Heeresabteilung  aus.  Gall.  I  81,  51.

Wenngleich  Ariovist  dem  Caesar  gegenüber  rühmte,  seine
Krieger  seien  seit  14  Jahren  nicht  unter  Dach  gekommen,  so
ist  nicht  zu  bezweifeln,  dass  deren  Ansiedlung  bereits  vollzogen
war.  96000  Ansiedlerfamilien  stellen  eine  halbe  Million  Menschen
dar.  Für  sie  hatte  er,  wahrscheinlich  als  den  bedungenen  Lohn,
ein  Drittel  des  Gebiets  der  Sequaner,  des  besten  in  ganz  Gallien
sich  einräumen  lassen,  vermutlich  den  obern  Elsass,  dessen  Besitz
  sich  zumal  wegen  der  Nachbarschaft  Germaniens  empfahl,
das  immerdar  neue  Kämpfer  und  Ansiedler  sandte.  Jenes  Drittel
nannte  er  sein  durch  Kriege  erobertes  Gallien,  sua  Gallia,  quam
bello  vicisset,  oder  er  sagte  später  dem  Caesar,  die  Sequaner
selbst  hätten  ihm  die  Sitze  in  Gallien  eingeräumt.  Warum  komme
Caesar  in  seine  Besitzungen  ?  Sie  seien  seine  Provinz  Gallien,
und  es  sei  unbillig,  sein  Recht  zu  bestreiten.  Caesar  selbst  erzählt
  von  dem  Gebiet  des  Ariovist,  a  suis  finibus  profecisse  I  31,
44,  38.  Nun  waren  jüngst  noch  24000  Haruden  angekommen
und  er  verlangte  für  sie  ein  zweites  Drittel  des  Sequanerlandes.
I  31.

Das  war  sein  Heer  von  nunmehr  120000  Mann,  das  war
sein  Volksverband,  das  eine  oder  dereinst  auch  das  zweite  Drittel
war  sein  Gebiet,  seine  Civitas,  regnum  Galliarum,  Hist.  1V  73,
in  der  sich  die  sieben  Völkerschaften  zu  Gauen  verteilen  mochten.
Er  selbst  war  ihr  König,  rex.  Schon  im  Jahr  59  unter  dem
Konsulat  Oaesars  nannte  ihn  der  römische  Senat  rex  et  amicus
und  bestätigte  dadurch  nach  dem  Ausdruck  des  Cassius  Dio
38,  34  sein  Königtum,  xveworw  ıns  Paoılelus.  Im  nächsten  Jahr
bezeichnete  ihn  der  Häduer  Divitiakus  als  Germanorum  rex  I