Deutet Österreichs Protest auf weitergehenden Bruch? 163
Haltung des Grafen Mensdorff, in den von Österreich am Bunde abgegebenen Erklärungen
die Anknüpfungspunkte für eine Verständigung zu finden glaubten. Aber wir durften uns
auch nicht verhehlen, daß die Divergenz auf diesem Felde ein erster Schritt auf auseinandergehenden
Wegen sein könne.
Nur im Vorbeigehen erwähne ich, daß sowohl die Vorlagen an den Landtag, als die
Verlegung der Flottenstation nach Kiel lange vor dem Bundesbeschluß vom 6. April vorbereitet
und beschlossen waren als Maßregeln, welche nicht aus einem politischen Hintergedanken,
sondern aus den materiellen und, wie wir glaubten, von Österreich anerkannten
Bedürfnissen hervorgingen. Aber allerdings kann der gedachte Bundesbeschluß für uns
nur ein Grund mehr sein, an dem Rechte, welches wir für uns in Anspruch nehmen dürfen,
um so entschiedener festzuhalten.
Ew. pp. ersehen aus dem Vorstehenden, daß der Kaiserliche Gesandte nicht bemüht gewesen
ist, die Bedeutung der österreichischen Einsprache zu mildern, und daß diese Bedeutung
auch auf unserer Seite vollkommen gewürdigt wird. Nichtsdestoweniger können wir in
dem Bewußtsein, den Rechten der Kaiserlichen Regierung in keiner Weise zu nahe getreten
zu sein, nur an unserer Auffassung und an unseren Absichten festhalten. Eine Abänderung
der bereits getroffenen Verfügungen wäre in der Tat, wie Ew. pp. leicht ermessen werden,
für uns eine Unmöglichkeit. Die Stellung der Regierung gegenüber dem Lande würde
dadurch unhaltbar, und der Bestand des Ministeriums mehr als gefährdet. Auch jedes
nachfolgende Ministerium würde außer Stande sein, Seiner Majestät dem Könige die Zurücknahme
des innerhalb der Berechtigung des preußischen Mitbesitzes getanen Schrittes anzuraten.
Ich habe dies dem Grafen Karolyi sofort gesagt, und ich darf jetzt hinzufügen —
was Ew. pp. in Ihrer Unterhaltung mit dem Grafen Mensdorff durchfühlen lassen wollen
— daß Seine Majestät der König allerhöchstselbst aufs höchste von dem österreichischen
Schritt überrascht und befremdet worden ist und daraus den Verdacht geschöpft hat, daß
man in Wien den Augenblick gekommen glaube, um von den bisherigen intimen Beziehungen
mit Preußen zu einer andern Richtung der Politik überzugehen, und darum absichtlich
den Sachen eine Bedeutung beilege, welche sie an sich selbst nicht haben. Seine Majestät
geben sich dem Mißtrauen, welches dies unerwartete Auftreten Österreichs zu erwecken
geeignet ist, ungern hin; aber ich kann nicht verhehlen, daß dasselbe in der Haltung Österreichs
eine nicht abzuweisende Nahrung findet, und daß es uns schwer ist, diese Haltung mit
den Ew. pp. gegenüber noch neuerlich wiederholten versöhnlichen Äußerungen des Kaiserlichen
Ministers in Einklang zu bringen.
Ich habe in dieser Hinsicht schon hervorgehoben, daß nur eine absichtlich ungünstige
Auslegung unserer Schritte in denselben einen Anlaß zu solchen Vorwürfen finden kann, wie
sie in der österreichischen Depesche vom 11. d. M. ausgesprochen sind. Sollen wir diese Absicht
bei dem Kaiserlichen Ministerium annehmen? Ist die Entfremdung bei demselben so
weit gediehen, daß es die Benutzung solcher Gelegenheiten zu einem schroffen Auftreten
und die Aussicht auf einen weitergehenden Bruch dem von uns bisher festgehaltenen Bestreben
nach Verständigung und Ausgleichung vorsieht? Die trotz unserer Reklamationen
und der Versicherungen des Grafen Mensdorff immer schärfer hervortretende Haltung des
österreichischen Kommissars in den Herzogtümern ist nicht geeignet, uns Vertrauen einzuflößen.
Unvorsichtige oder absichtliche Äußerungen des Herrn von Halbhuber gegen dritte
Personen schreiben seiner eignen Regierung bestimmte Pläne zu, für deren Durchsetzung sie
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