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heraustritt. Dieser Sack wird dann der Frau über den
Muttergrund gelegt.
Dabei ist die Entbundene tief zu lagern mit dem Kopf
und durch Hoffmann'sche Tropfen sowie durch belebende
Getränke, Bouillon, Wein, Kaffe, Schnaps, was gerade zur
Hand ist, zu erfrischen.
8. 300.
In einzelnen Fällen tritt keine Blutung ein, obwohl
der Abgang der Nachgeburt sich stundenlang verzögert.
Dies kann darauf beruhen, daß der Mutterkuchen noch
flächenhaft an der Gebärmutter ansitzend geblieben war.
Fortgenommen werden muß er in solchem Falle auch,
längeres Zurückbleiben würde zur Fäulnis der Nachgeburt
und schwerer Erkrankung der Wöchnerin führen, da aber
keine Blutung vorhanden ist, so soll die Hebamme dem Arzt
die Herausholung der Nachgeburt überlassen. Sind Eihäute
zurückgeblieben bei der Ausstoßung der Nachgeburt, so geht
die Hebamme nicht ein, um dieselben nachträglich heraus-
zuholen. Nur was von den Eihäuten in der Schamspalte
frei zu Tage tritt, soll sie anziehen und lösen.
S. 301.
Ein seltenes aber gefährliches Ereignis ist die Um-
stülpung der Gebärmutter. Dieselbe kann eine unvoll-
kommne sein, so daß nur der Muttergrund in die Gebär-
mutterhöhle hineingedrückt ist, oder eine vollkommne, so daß
die ganze Gebärmutter nach unten durch den Muttermund in
die Scheide getreten ist, ihre Innenfläche nach außen hervor-
gestülpt.
Eine Umstülpung kann nur in der Nachgeburtszeit zu
Preußisches Hebammen-Lehrbuch. 15