— 245 —
Die Krankheit beginnt in den ersten Tagen nach der
Geburt mit Anschwellung und Rötung der Auglider.
Bald quillt dann aus der Lidspalte dünn bräunliche
Flüssigkeit hervor und in den folgenden Tagen, wenn man
die geschwollenen Lider von einander zieht, dicker eiteriger
Schleim. Von diesem Schleim wird auch der Augapfel
leicht angegriffen und die klare Hornhaut desselben getrübt.
Diese Augenentzündung kommt dann zu stande, wenn
dem Kinde bei der Geburt bösartiger Schleimfluß aus der
Scheide der Mutter in die Lidspalte gedrungen ist.
Die Hebamme wird hiernach einsehen, wie außer-
ordentlich wichtig es ist, daß sie dem Kinde, sobald der Kopf
geboren ist, diesen verderblichen Schleim sofort mit reinem
Wasser von den Augen abwäscht. Von der Sorgfalt,
welche sie hierbei anwendet, wird oft die Gesundheit der
Augen des Kindes abhängig sein. Im Uebrigen richte sie
sich nach den im § 218 angegebenen Vorschriften.
Ist trotz der beobachteten Vorsicht die Krankheit beim
Kinde ausgebrochen, so ist sofort ein Arzt hinzuzuziehn.
Bis zu seiner Ankunft sorge die Hebamme durch fleißiges
Auswaschen der Augen für Entfernung des angesammelten
eitrigen Schleims und lege mit kleinen Leinwandpolstern
kalte Aufschläge auf die Augen. Sie nehme sich dabei
auch sehr in Acht, daß sie nichts von dem ansteckenden
Schleim auf ihr eignes oder andere Augen übertrage.
6. Von der Entzündung der Brüste bei
Neugeborenen.
8. 325.
Anschwellung der Brüste sind eine bei Neugeborenen,
Knaben sowohl als Mädchen gewöhnliche Erscheinung. Es