Volltext : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

 

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«  am  diesem  Mahle  ku

.·Muulses·-das

  Haupt.

 

Kummer  131

den  Nussen  überlegen.  Nach  der  Musgabe  Przemysls
  versuchte  der  Gegnet  ʒuerst  bei  Medyla
Halt  zu  machen,  wurde  aber  alsbald  geworfen
und  zog  sich  dann  bis  in  die  Gegend  von
Moszisla  12  ist  nun  aber  auch  dort  wieder
geschlagen  und  zu  weiterem  Rückzug  gezwungen
worden.  Vermutlich  werden  jetzt  die  Russen
erst  wieder  bei  Grodek  sich  stellen,  wo  die  seenund
  sumpfreichen  Niederungen  einen  längeren
Widerstand  an  und  für  sich  sehr  aussichtsreich
gestalten  würden.  Trotzdem  dürfte  auch  hier
ein  dauernder  Widerstand  schon  deshalb  aussichtalos
  sein,  weil  die  Armee  Linsingen  nach
siegreicher  Ueberwindung  des  Dusestrabschnittes
bereits  Lemberg  zuströmt  und  bei  weiterem
Vordringen  die  im  Westen  stehenden  Russen
vom  Rüceen  her  bedrohen  müßte.  Es  gigt  sich
hier  eben  wieder  so  recht  evident  die  ungcheure
Bedeutung  dieses  grobartigen  strategischen  Zusammenarbeitens
  weit  auseinanderstehender
Heeresteile,  das  ein  Halt  an  irgendeinem  Punlte
der  langgestreckten  Front  nicht  mehr  zuläßt.
Das  gilt  auch  für.)  den  Südostabschnitt  der  Riesenfront
  zwischen  San  und  Pruth,  wo  die  Russen
  genau  wie  in  der  Südfront  der  Karpathen
ohne  eigentliche  Entscheidungslämpfe  die  Ergebnisse
  langer  Kämpfe  schleunigst  wieder  preisgeben
  müssen  und  unter  ädußerst  verlustreichen
Verfolgungskämpsen  ebenfalls  an  den  Dujestr
zurückgetrieben  werden.  So  geht  denn  die  ganze
russische  Herrlichleit  mit  Riesenschritten  vollends
ihrem  Ende  entgegen,  und  das  Versprechen  v.
Linsingens,  in  kur#zer  JZeit  werde  kein  Nusse
mehr  auf  dem  Boden  der  Monarchie  stehen,
wird  vielleicht  bälder  in  Erfüllung  gehen,  als
wir  gchofft  daben

E  lehle  hofaung.

Englands  letzte  Hoffnung  ist  jezt  die  Bezwingung
  der  Dardanellen,  und  um  diese  Hoffnung
  ist  es  recht  schlecht  bestellt.  Das  ist  im
wesentlichen  das  Ergebnis  einer  Reihe  mililärischer
  Betrachtungen,  die  das  englische  Regierungsblatt
  „Daily  News“  angestellt  hat.  In
dieser  Prüfung  der  Aussichten  auf  den  verschiedenen
  Kriegsschauplätzen  finden  sich  allerlei  bemerlenswerte
  Aufrichtigleiten.  So  heißt  es  an
einer  Stelle:  4

„Wenn  wir  zurückdenken  an  unsere  Hoffnungen
  und  Erwartungen  vom  September  des  letzlten
  Jahres,  muß  uns  ein  Gesühl  der  Niedergeschlagenheit
  überkommen.  Damal-s  war  die
deutsche  Armee  von  der  Marne  an  die  Aisne
zurückgegangen,  Lemberg  war  gefallen,  und  bie
russische  „Dampfwalze“"  schob  sich  gegen  die
Karpathen  vor.  In  jenen  Tagen  wurde  viel
prophezeit.  Der  militärische  Sachverständige
der  „Times“  bewies  uns,  daß  die  Russen  Ende
Oktober  in  Berlin  sein  würden,  während  die
Franzosen  zur  selben  Zeit  bei  Frankfurt  am
Main  stehen  würden.  Heute  sind  wir  klüger
geworden.  Die  deutschen  Heere  stehen  nach  wie
vor  an  der  Aisne,  und  wir  haben  längst  aufgehört,
  in  unseren  militärischen  Betrachtungen

:  den  Namen  Berlin  auch  nur  zu  erwähnen.  Aber
im  Mai  dieses  Jahres  hofften  wir  von  neuem,

insbesondere  auf  Grund  der  zuversichtlichen  Berichte,

  die  General  Freuch  und  der  russische  Oberbesehlshaber

  uns  zusandten.  Wir  erwarteten
mit  aller  Bestimmtheit,  daß  die  Allüerten  sowohl
  im  Osten  wie  im  Westen  energische  und
entscheidende  Fortschritte  machen  würden.  Statt
dessen  haben  die  Deutschen  unsere  halbkreisförmige
  Stellung  vor  Mperu  so  resolut  angegrifsen,
  daß  jeden  Tag  Ypern  in  ihre  Hände

Ffallen  kann,  und  in  Galizien  haben  sie  die

Russen  von  den  Karpathen  verlrieben.  Wenn
wir  Opern,  und  die  Russen  Galizien  verlieren,
könnte  nur  noch  ein  entscheidender  Erfolg  an
den  Dardanellen  uns  vor  der  letzten  tiefsten
Enttäuschung  bewahren.“

El  Ertampites  GElüt.

Aewen  von  A.  #eleet

Naqchbruc  verboten
Ansangs  r-*me  #ich  sa  nicht  die  Grate  der  gne;
vermochte  ich  dich  kderei.  den  Gedra  des
kWen.  ar  hatte  ich  gleichsals
von  der  vochänzvollen  Wirkung  des  Opiumgenusses
  gehört,  doch  es  reizte  mich,  gleichsam
mit  der  Gefahr  zu  spielen.  SIch  tat  dies  solange
bis  es  zu  spät  war,  der  gehorfame  Tiener  sich
zu  meinem  Oerrn,  zum  Tyraunen  aufgeworfen
hatte  und  ich  ein  eiender  Sklave  dieses  Narkoticums
geworden  war.

Er  sanl  vernichtet  in  einen  Sessel  und  verbarg

sein  Gesicht  in  beide  Hände.  Auf's  tiesste  erschüttert
hatte  ka#i  Günther  der  Beichte  des  Unglücklichen

—

5.
2

zugehört.  ndi  hast  Tu  nie  versucht,  diese  unjiwiden
  Sklavenlezten  zu  brechen,  ist  es  nicht
i  mögli  frei  zu  machen  von  dem  Dämon,

#u  ber  Dich  hteo  klurz  oder  lang  vernichten  muß?“

fragte  er  dann.

Traurig  schüttelte  Lconardus  van  der  Valck
„Versucht  habe  ich  es  anfangs,  als
noch  ein  Riesi  von  Kraft  und  Energie  in  mir

war,  oft  genug,  doch  jeder  neuc  mißlungene  Versuch

  Ischmiedete  bloß  meine  Ketten  sesier.  Wenn
die  Stunde  kommt,  wo  ich  gewohntermaßen  zu
dem  Mittel  Oreise,  Auoeibt  es  mich  hierher,  ich  mas
sein,  wo  ich  w  n  Gesicht  wird  blaß  wie

Tod,  meine  2.  #tenn,  kalter  Schweiß  tritt  p
meine  Kue  410  söhle  mich  zum  Sterben  elend,
bis  ich  die  nätige  Anzahl  Lesnn  Oblaten  genommen
habe.  Wirai  55  Za  giicthage,  in  dern  1#4
kurzer  Zeit  alles  Ungema

 

vers
t  wein  Leib  beichsvetde
Ge#  ##t  und  ol-—


1.  «

IN
PMUUM
5

 

mittwoch,  6.  Juni  10  17

 

 

!———...————

 

 

Diese  Betachtungen  sind  bessimistisch,  aber
äutreffend.  Es  bleibt  also  nur  die  Hoffnung
auf  die  Dardanellen.  Ueber  diese  Frage  Baben
die  „Daily  News“  folgendes  zu  sagen:

„Keine  unserer  militärischen  Unternehmungen
ist  so  vollständig  alh#ngig  von  den  Leistungen!
und  der  direlten  Milwirkung  unserer  Flotte.

Die  höchsten  Fragen  unseres  Prestige  als  Seemacht
  stehen  auf  dem  Spiel.  Die  Operationen
vor  den  Dardanellen  sind  von  der  allergrößten

 

 

Wichligteit  für  die  Erhaltung  unserer  Vormacht

stellung  in  der  Nordsee.  Die  Verluste  von
Kriegsschiffen,  die  wir  bei  den  Dardanelien  bisher
  erlitten  haben,  sind  die  schwersten  seit  Beginn
  des  Krieges.  Auch  die  Verluste  zu  Land
sind  ungeheuer.  Die  Bedingungen  für  unsere
Offensive  sind  dort  noch  ungünstiger  als  in
Flandern.  Die  Stellungen  der  Türken  sind  alle
natürliche  Festungen  und  durch  die  deutschen  Öffiziere
  meisterhaft  ausgebaut.  Die  Türken  haben
  überall  bequeme  Zufahrtsstraßen,  während
wir  auf  einigen  wenigen  ungestützt  daliegenden
Landungsbrücken  Munition  und  Lebenemittel
den  Truppen  zuführen  müssen.  Schlechtes  Wetter
  allein  könnte  diese  Landungsbrücken  zerstören,
  und  da  jetzt  auch  noch  deutsche  Unterseeboote
  in  den  Dardanellen  sind,  ist  unsere
Lage  dort  sehr  ungünstig.“

Die  „Daily  News“  sprechen  es  nicht  direkt
aus,  daß  der  Angriff  auf  die  Dardanellen
böllig  aussichtslos  ist  lobwohl  dies  der  Sinn
ihrer  Ausführungen  ist),  sondern  sagen:  „Der
lürzeste  Weg  nach  Konstantinopel  und  Wien
geht  über  Bulgarien.  Bulgarien  fordert  einen
hohen  Preis,  und  diesen  müssen  wir  bezahlen,
wenn  wir  unseren  Zweck  erreichen  wollen.  Dies
sind  die  harten  Tatsachen,  an  denen  schöne
Worte  nichts  ändern  können.“  Man  sieht,  das
Ende  alier  englischen  Politik  ist  und  bleibt  das
Kausen.  Aber  an  Bulgarien  wird  schon  seit
Jahreefrist  herumgeseilscht  ohne  Resultat,  und
es  ist  auch  jetzt  nicht  anmnehmen,  daß  die  Bulgaren
  sich  dazu  hergeben  werden,  sich  in  aussichtslose
  Abenteuer  zu  stürzen.  Wenn  also  die
Dardanellen  wirklich  die  letzte  und  einzige  Hoffnung
  der  Engländer  sind,  so  werden  sie  gut  tun,
diese  Hoffnung  schleunigst  zu  begraben.

4  e  n

Allgemelnes  vom  sitiet.
Die  Wehrpflicht  in  England.
London,  7.  Juni.  In  dem  ersten,  unter
dem  Vorsitze  des  Königs  Georg  abgehaltenen
Kronrate  beschäftigte  sich  das  neue  umgebildete
englische  Koalitionsministerium  mit  der  allgemeinen
  Wehrpflichtsfrage  anschließend  an  einen
Bericht  Lord  Kitcheners  über  die  bisherigen
Werbungsergebnisse.  Kitchener  sagt  in  seinem
Bericht,  man  dürse  im  allgemeinen  mit  den

ma#ig  äkfiier  die  Brüft.  meinWeist  äber  Ichwem
über  den  weiten  Erdball,  und  goldene  Zauberschlösser
  in  paradiesischen  Gärlen  gauleln  vor
meinen  Augen.  Und  doch,  und  doch,  ich  wil
frei  werden  von  diesem  höllischen  Zauber  —

will!“  So  ries  er  heftig  und  sein  9  hamptte
den  Boden.  Sieh’  her,  Tu  Getr

Er  griff  wieder  nach  der  erwähmien  goldenen
Kapsel,  und  zeigte  Ludwig  Günther  das  darin
enthaltene  Bild

Sieh,  beseer,  das  ist  Marrahgata,  die  Tochter
jenes  Judierprinzen,  der  vor  einer  Reihe  von
Jahren  spurlos  aus  Amsterdam  verschwand.  Damals
  ein  aumwerrftändiges  Kind,  das  den  Verlust
des  Vaie#s  noch  kaum  begriff.  sezt  wunderbar
herrlich  erblüht,  und  ich  liebe  diese  junge  Lotosblume
  vom  Gangeruser,  liebe  sie  leidenschaftlich.
Wie  glültlich  könnte  ich  sein,  wenn  cs  mir  ge
länge,  „in  ihrer  Brust  die  gleichen  Gefühle  für
mich  zu  erwecken,  und  es  würde  mir  gclingen.“
schloß  er  in  Schmerz  und  Zorn,  „ohne  diese  un-Fesunbeswoinghche
  Neigungf  für  diese  Opiate  des

1.

Tuseer  blickte  Ludwig  Günther  zu  Boden.  Er
zermarterte  vergebens  sein  Gehirn  um  einen
Reltungsweg  für  den  Freund  zu  entdecken,  zugleich
  weckte  der  Name  Szinghanata  die  dunkle
Vorstellung,  als  höre  er  deuselben  nicht  zum
ersteumale,  und  nach  längerem  angestrengtem
Grübeln  hatte  er  es  heraus.  In  jener  schlimmen
Stunde  im  Schlesse  zu  Parel,  da  Erdgraf  Wilbelme
  Tegru  sein  Leben  bedrohte,  war  der  Name
au  sein  Ohr  geichlanen.  Rabbi  Iskafar  rief  denselben
  Wilhelm  Gustav  Frieduch  zu  und  lähmte
damit  dessen  schon  zum  totlichen  Stoße  erhobenen
.  In  welcher  Beziehung  hatte  sein  Vetter

im  verschwundenen  Prinzen  gestanden,  v8
maen  der  Raha##  der  ja  allerdin#s  äuch  au#

 

VWendigleit  wenigstens  einer  teilweisen  Zwangs-Ergebnissen

  der  Rekrutierung  zufrieden  sein,
aber  für  eine  längere  Kriegsdauer  seien  sie  doch
un  ’ureichend,  daher  müsse  er  sich  für  die  2%

auehebung  der  im  Alter  von  18  bis  30  Jahren

stehenden  Tauglichen  aussprechen.  Von  den  21

Kabineltomitgliedern  erklärten  sich  aber  sosort

2  gegen  jede  Zwangsaushebung.  (.3.)

Aushebung  der  englischen  Gewerkschaften.


London,  7.  Juni.  Lloyd  George  erklärte
in  einer  Rede  in  Liverpool:  Die  Lage  ist  die,
ernsteste,  der  die  Nation  je  gegenüberstand.  Was
die  Deutschen  zu  einem  furchtbaren  Feinde  macht,
ist  nicht  nur  die  Vorbereitung  für  den  Krieg,
sondern  auch  der  Geist  jeder  Klasse  der  Bevöllerung,
  die  allecs  dem  großen  nationalen
Zziele  unterordnet,  um  für  das  Vaterland  den)
Sieg  zu  gewinnen.  Der  Redner  wandte  sich
an  den  Patriolismus  der  Arbeiter,  indem  er
sagle:  „Die  Siatuten  der  Gewerkschaften  müssen
  während  des  Krieges  aufgehoben  werden.
Die  Regierung  verpflichtet  sich  jedoch,  sie  nach
dem  Kriege  wieder  herinstellen.  Faulenzer  können
  nicht  geduldet  werden.  Es  darf  keine  Zeit
verloren  gehen.  Das  Problem  der  Munitionslieserung
  ist  höchst  dringend.“

Die  ameri  kanische  „Neutralität“.

Berlin,  7.  Juni.  Amerika  hat  wieder  einmal
  einen  fetten  Bissen,  die  Konsumeinkaufsgenossenschaft
  Englands,  Frankreiche  und  Rußlands,
  erwischt.  Die  Verbundeten  haben,  wie
der  „Confectionair“  mitteilt,  bei  dortigen  Firmen
  fünf  Millionen  Schrapnellhülsen  in  Auftrag
  gegeben.  Davon  liesert  die  American
Lokomotiv  Comp.  212:  Millionen;  in  den  Rest
teilen  sich  die  Firmen  New  Vork  Air  Brake
Comp.  und  die  Westinghouse  Comp.  Es  handelt
  sich  dabei  um  ein  Objelt  von  260  Millionen
  Marl.  Rußland  ist  im  letzten  Augenblick
  von  einer  größeren  Bestellung  zurüdgetreten.
  Es  war  ursprünglich  ein  Auftrag  von
insgesamt  10  bis  15  Millionen  Hülsen  in
Aussicht  genommen.  Die  Westinghouse  Comp.
leabsichtigt  übrigens,  bedeutende  Betriebserweiterungen
  vorzunehmen  in  Erwartung  eines
Riesenauftrages  in  Gewehren,  über  den  noch
nichts  Näheres  verlautet.  (.3.)..  Der  „Lusilania“.
  Fall  kann  also  getrost  Nachfolger  haben,
da  die  amerikanische  Neutralität  nach  wie  vor
i0  :  besonderen  Wege  geht.

 

Ho#  nd  mnammtle,  von  ci#er  murtertosen  Geschichtet
rinz  Szinghanamte  murmelte  Ludwig
Günter  gedanlenverl  u'  vor  sich  hin,  Szinghanata

*
,

er  war  ein  K#  Bekannter  Deines
Veiters,  des  Moie  Wilhelm,  bemerlte
Leonardus,  der  die  Fullgiuten  Worte  wohl  vernommen
  hatte.  „Tes  Gerucht  brachte  sogar  den
Grasen  mit  dem'  rätselhaften  Verschwinden  des
Indiers  in  Verbindung,  und  wäre  ersterer  nicht
ein  so  großeer  Oerr,  dazu  der  intime  Freund  des
Erbprinzen  gewesen,  wer  weiß,  ob  nicht  auch  die
beilige  Hermandad  ölcch  eingemischt  und  Deinen
Velner  mauirier!  .

Ludwig  nichte.  „Ein  Glied  schließt
sich  an  das  andere  zur  regelrechlen  Kelte  —  ein
neues  Nälsel  zu  den  übrigen!  Wird  einst  der  Ta
lommen,  der  mir  volle  Klarheit  schafft?  Do
das  mag  die  Zulunst  lehren.  Meine  nächste
Sorge  gilt  dem  Freunde,  gilt  Tir,  Leonard.  Wissen
*  Eluern  um  Deine  verhängnisvolle  Leidenchait


„Meine  Mutter,  ja  —  ob  sie  meinem  Vater
davon  Miteilung  gemacht  hat,  weist  ich  nicht.
Ich  mochte  wünschen,  es  wäre  nicht  heschehen.  Was
habe  ich  dem  alten  Herrn  schon  für  Kummer
bereitet,  und  wie  liebevoll,  wic  gütig  ist  er  nicht
gegen  mich!  Auch  meme  gute  Mutter  liebt  ich
zärtlich  und  doch  leidet  sie  an  der  fixen  Idee,  i
wäre  vielleicht  harnicht  ihr  Sohn,  sondern  bei
einem  Schiffsungluck  in  meinem  ersten  Lebensjahre
  verluuscht  worden

 

udioig  Guntber  onchse  auf.  Sein  erz
drohte  seinen  Schlag  auszusehen.  äh  cn
brachte  er  endliche  muhsom  und  rauh  *
Ciqã  le  Leonardus
l  da  zu  erzählen  Im
1705“  lnsn  meine  Eltern  ———  ti  ein  9u

Vergiftete  Munition  aus  Amerila.
Berlin,  7.  Juni.  In  der  „Köln.  Ztg.“
weist  Dipl.-Ing.  Dr.  Th.  Schuchart  auf  ein
doppelseitiges  Inserat  im  „American  Maschinist“,
  einer  der  bedeutendsten  Fachzeitschriften
Amerikas,  hin.  Dort  bielet  die  „Cleveland
Automatic  Machine  Company“  in  Cleveland
(Ohio)  eine  besonders  zur  Geschoßfabrikation
geeignete  Drehbank  an  und  betont  dann  weiter
mit  gerade  u  unglaublichem  Zynismus,  daß  sie
ihre  Abnehmer  auf  die  Herstellung  einer  13,
oder  18  pfündigen  hochexplosiven  Granate  aus.
merksam  machen  möchte,  deren  Ladung  zwei
hervorragend  sprengfähige  Säuren  enthalle.  Die
Vereinigung  dieser  zwei  Säuren  ruft  neben  einer
dußerst  brisanten  Sprengwirkung  noch  die  Vergistung
  sämtlicher  mit  ihnen  in  Berührung  lom
menden  Sprengstücke  hervor,  so  daß  Wunden,
die  durch  diese  verursacht  werden,  unter  allen
Umständen  den  Tod  des  Getroffenen  nach  einem
schredlichen  Todeslampf  nach  sich  Fiehen.  Nach
den  im  Schützengraben  gemachten  Beobachlun
gen  kann  nur  sofortige  Ausbrennung  der  Wunde
oder  Amputation  des  verletzten  Gliedes  in  ein
gelnen  glücklichen  Fällen  dos  Leben  der  durch
diese  Geschosse  Getrofsenen  erhalten.  Das
also  sind  die  Geschosse,  die  selbst  angesehene
Firmen  der  neutralen  Vereinigten  Staaten  unseren
  Gegnern  liesern.  Solche  „tätige  Sympa
thie“  ist  allerdings  eine  Feier  und  ein  Album
für  den  amerikanischen  Botschafster  in  Paris
wert.  (3.)
Die  schweizerische  Kriegssteuer.
Bern,  7.  Juni.  Der  im  April  Son  den
beiden  eidgenössischen  Rälen  einstimmig  angenommene
  Bundesbeschluß,  wodurch  der  Bund
ermächtigt  wird,  zur  Deckung  cines  Teiles  der
Mobilisationsklosten  eine  einmalige  Kriegssteuer
auf  den  Besictz  und  in  geringem  Maße  auch  auf
das  Einkommen  zu  erheben,  wurde  heute  in  der
Volksabstimmung  mit  445000  „ja“  gegen
27200  „nein  (angenommen.  Die  Steuer  betrifft
  das  Einkommen  über  2500  und  die  Vermögen
  über  10000  Frcs.  Sämtliche  Parteien
empfahlen  die  Annahme  des  Beschlusses.  In
einzelnen  Kantonen  betrug  die  Zahl  der  Ablehnenden
  nur  zwei  bis  drei  Prozent,  so  in
Basel,  Luzern,  Bern  u.  a.  Die  schweizerische
Depeschenagentur  bemerkt  hiezu:  Die  Geschichte
der  schweizerischen  Demokratie  weist  kein  Beidarum
  elwa,  nichl  lange  vor  meiner  i8tdu
mein  Vater  ein  langeren  Auseuthalt  kuferbernchle
Haudelsgeschäst  in  London  abzuschließen;  das
junge  Chepaar  lonnte  sich  nicht  zu  einer  so  langen
Irennung  enischließen,  meine  Mutter  brgleilele
demnach  ihren  Gatien  über  den  Kangl.  Die  Abwickelung
  des  Geschästs  in  der  englischen  Hauptstadt
  zögerte  sich  noch  länger  hin,  als  meine
Ellern  gedacht  halten,  sodaß  schließlich  der  lange
schon  erhosste  Sprößling  in  London  zur  Welt  lam,
welcher  in  der  Tanusfe  Leonardus  Cornelins  benamiset
  ward.  Du  lhst  dieses  Ungluckalind  vor
Dir.  ie  iinngen  um  ein  Glied  vermehrte  Familie
dan  en  Wal  E##te  d#  gen
Monaten  zur  ia  ahrt  ein.  Das  große  ——
iff,  auf  dem  die  Reise  angetreten  wurde,  war
Eigentum  meines  Vaters.  t  meinen  Eltern  zusammen
  fuhr  ein  deutscher  Graf,  der  ebenfjalls
ein  kleines  Söhnchen  bei  sich  hatte,  das  der  Pflege
einer  Amme  anverlraut  war.  Aber  was  soll  ich
Dir  ausführich  diese  lange  nd  nlanz  eilige  Geschichte
  erzählen,=  unterbr  er  reizbare
Leonardus  selbst,  „ich  gebe  .  K  die  Kapitel,
überschriften:  anhaltender  Sturm;  die  Frauen  in.
Augs-  und  Verweistung  im  dunllen  Schiffsraum;
Schiff  fährt  auf,  wird  leck;  rette  sich,  wer
“*  —  in  die  Boote,  meine  Eltern  mit  mir  in
das  eine,  der  deuische  Graf  mit  seigem  Söhnlein
und  d  mme  in  926  an  Nachlassen  des
*çs  Glhich-  tung!“
ter,  westenlet  heänen.  Ludwig  Günther.
Du  s  aimst  mich  auf  die
a  so,  die  Hauptsach  fuhr  Leonardus  4
dem  #schchsigen  Tone  sort,  den  er  von  Aufa
an  angeschlagen  hatte,  Gmein  Mutter  bielt  hag
Säugling  bereits  für  tot,  als  sie  das  veruen
  kunge  allein  ich  halte  ein  zäheres  Leben,
wßge  cdacht,  und  sing  an  ihrem  Herzen  auls