Ungarn; Siebenbürger Sachsen. Westungarn. Zips 43
Abwehr. Und noch heute ist ihre wundervolle evangelische Volkskirche
die feste Burg für ihr Volkstum. Dieses tapfere Volk, das in jahrhundertelangen
Fährnissen sich gegen jeden Feind zu behaupten wußte,
bietet alle Gewähr dafür, daß es deutsche Sprache und deutsche Art auch in
Zukunft festhält. Wohl gibt es unter den Siebenbürger Deutschen Parteiungen.
Wo gäbe es die — leider — unter Deutschen nicht? Über allem
Meinungsstreit aber steht beherrschend der starke Wille, die angestammte
Sprache und Sitte im fremden Völkergemisch zu wahren. Wirkungsvoll
hat einer der besonnensten Männer des Sachsenvolkes es kürzlich
in die Worte zusammengefaßt: „Wie einst, so glüht heute unser Herz
für unser Volk und seine völkischen Güter..Wir wollen nicht sterben, in
anderer Volksart uns nicht verlieren, leben wollen wir.“
Aber die Siebenbürger Sachsen zählen nicht viel über ¼ Million.
Es bleibt bei uns zu wenig beachtet, daß es in Ungarn reichlich das
Zehnfache an Deutschen gibt. Deutsche sitzen seit der Karolingerzeit
in Westungarn, an der Grenze Niederösterreichs und Steiermarks; seit
der Blütezeit der mittelalterlichen dentschen Kolonisation in Nordungarn:
in der Zips, in den alten Bergstädten des ungarischen Erzgebirges
Kremnitz und Schemnitz, in geringerer Zahl schon am Bakonywald
nördlich des Plattensees und in den Komitaten Wesprim und
Stuhlweißenburg, endlich in Ofen, der einstigen Residenz der ungarischen
Könige, in Pest, das vor dem Mongoleneinfall von 1241 eine
stattliche deutsche Ortschaft war, und durchweg in allen alten Städten
Ungarns. Seit dem Ausgang des 14. Jahrhunderts erlebte das ungarländische
Deutschtum harte Rückschläge. Wie in Böhmen und Polen
ist es die vom Adel getragene nationale Gegenbewegung, die gegen
das Deutschtum und seinen Einfluß sich wendet. Parteifehden, Adelsaufstände
und Glaubenskämpfe brachten eine Kette von nie abreißenden
Wirrnissen, die eine gewaltige Steigerung durch feindliche Einfälle
erfuhren. Ungarn ist 1526 von den Türken bewältigt worden. Wohl
gewann unmittelbar darauf das Haus Habsburg formell die Krone Ungarns.
Aber das Land blieb zum größten Teil unter der Herrschaft
des Halbmonds. Erst um die Wende des 17. und 18. Jahrhunderts
ist, nach den herrlichen Siegen Osterreichs über die Türken, der habsburgische
Besitz Ungarns volle Wirklichkeit geworden. Nun galt es
dem verwüsteten Lande Ordnung und Wohlstand wiederzugeben. Schon
1689 hatte die mit der „Einrichtung“ Ungarns betraute Kommission
die Heranziehung deutscher Ansiedler empfohlen, „damit das König-