Contents : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

60.  Jahrgang

 

t.  17

Rosenheime

 

der  „Nosenhemer  Azeiger-  mt  dem  tegillch  und  Ulustratto  60  ausgestatteten  achtselligen
„Rosenheimer  erscheint  täglich  nachmittags  4

und  Felerta

5

Amnahme  nsraten,  Relamen  und  Bellagen  durch  die  Unnoncen-Expeduton  Hoalenstein  4  Vogler  A.-G.  Rosenhem  Erfurt,  Frankfurt  a.  R.  Damburg,  Dannover,
Schluß  der  Inseraten-Annahme  1  Uhr  !—.  Nach  dlelem  Zeitpunti  kann  fur  Aufnabme  in  dle  leufende  rogemummer  nicht  mehr  Vorantiert  werden.  0  schlechtgeschrie  benes  Vanuitripi  wird  keine  Cerantwor#n

Bekannkmachung.
Seine  Majestät  König  Ludwig  III.
von  Bayern
haben  die  NE.
Mobilmachung

der  Armce  befohlen.
1.

er  ue  1.  Mobilmachungstag  ist  der
2.  August  1

t  unon  nobilmachungeias  ist  der
3.  August  1

der  dritte  Mobilmachungstag  ist  der
4.  August  1914;

der  vierhee  Mobilmachungstag  ist  der
5.  August  1

der  4  Mobilmachungetas  ist  der
6.  ullugust

Sämtche  Offiziere,  Unteroffiziere  und
Mannschaften  des  Beurlaubtenstandes,  einschließlich
  der  Ersatzreservisten,  haben  sich  zu
der  auf  den  riegsbeorderungen  anO
gegebenen  Zeit  an  dem  bezeichneten  Orte  pünktlich
  einzufinden:  dagegen  verbleiben  die  nur
mit  einer  Paßnotiz  Versehenen  zunächst  in
der  Heimat.

Alle  augenblicklich  außer  Kontrolle  befinsiccn
  Maunschaften.  sowie  dieienigen,  welche
  sich  nicht  in  dem  Vesitze  einer  Kriegsbeorderung
  oder  einer  Paßnoti:  befinden,
  haben  sich  behufs  Herbeiführung  einer  Entscheidung
  sofort  an  die  Haupt-Meldeämter  der
Bezirls-Kommandos  zu  wenden.

Ausgenommen  hiervon  ist  nur,  wer  ausdrücklich
  von  der  Gestellung  im  Mobilmachungsfalle
befreit  ist.

4.  Wer  dem  obigen  Befsehl  nicht  Joalge  leistet.
versällt  in  strenge  Bestrafung  nach  den  Kriegsgesetzen.


5.  Das  Marschgeld  wird  beim  Truppenteil,

nicht  bei  der  Orlsbehörde,  empfangen.

6.  Sämtliche  Einberufenen  haben,  um  ihren
Gestellungsort  zu  erreichen,  freie  Eisenbahnfahrt
  ohne  Lösung  einer  Fahrkarte  u.
ohne  vorherige  Anfrage  am  Schalier,  lediglich
gegen  Vorzeigung  der  Kriegsbcorderung  oder
anderer  Militärpapiere  an  die  Organe  der
Fahrkartenkontrolle.

D#r  Rommand  ierende  General  des  1.  Armerkorpo

Zusatz  des  Bezirkskommandos.

1.  Nach  ausgesprochener  Mobilmachung  können
  von  allen  Ersatztruppenteilen  Freiwillige
jederzeit  angenommen  werden.

Die  Annahme  von  Freiwilligen  auf
Kriegsdauer  als  Kriegsfreiwillige  ist  zulässig.


3.  Sämtliche  zum  einjährig-freiwilligen  Dienste
  Berechtigte  werden  mit  ihrer  Altersklasse  zum
Dienie  herangezogen.

Die  Mediziner,  welche  zum  einjährigen
m-mwde  Dienst  berechtigt  sind  und  sieben
Semester  studiert  haben,  werden  bei  vorhandener
Tuuglichleit  sofort  eingestellt.

5.  Die  Meldungen  der  zum  einjährig  freiwilligen
  Dienst.  Verechtigten  hat  bei  den  Ersatz-Truppenteiten
  zu  erfolge

lle  malten  all  o  der  Reserne  u.  Landze
  nicht  an  gehörigen  Unteroffiziere  aller
Waffen  werden  husgefordort.  sich  freiwillig  zum
Eintritt  in  die  Ersatztruppenteile  zu  melden.  Soferne
  sich  diese  Unterofsiziere  zur  Ausbildung
von  Rekruten  eignen,  können  sie  bei  ihrer  Einstellung
  zu  Viefeldwebeln,  bezw.  Vizewachtmei·
stern  ernannt  werd

R.  *  Foseahen.

ge).  —  Der  Abonnementsprels  beträgt  —  1  Mark  80  Psg.,  monatlich
60  Pf.,  —  für  blesige  als  auch  für  auswärtige  Abonnenten.  —  Postzustellgebühr,
krei  ins  Haus  gellesert,  14  Pig.  monatlich.  —  Telegramm-Mdresse:  Anzeiger  Rosenheim.  —
*:  Telephon-Anschlüsse:  Redaktion  und  Verlag:  Nr.  72;  Inseraten-Abtellung:  235.

 

hr  (mu  Ausnahme  der  Sonn- 



 

r  An

   

Donnerdiag.  6.  Augusit  19814

zeiger

 

 

Das  Abonnement  wird  für  Nosenheim  in  der  M.  Riedermap#'schen  Buchdruckerei  sowie  5
den  sechs  Fillal-  Expeditlonen  der  Stadt  entgegengenommen;  auberdem  nehmen  die  in  ca.

gröbßeren  Ortschaften  der  Umgebung  errlchteten  Agenturen,  sowie  alle  Postanstalten  und
liche  Postboten  die  Bestellung  für  den  „Rosenhelmer  Anzelger“  an.  —  Die  einspaltige  60  mm
brelte  Petltzelle  oder  deren  Raum  kostet  10  Pfennig,  die  75  min  brelte  Zelle  im  Reklametell
30  Pfennig;  bei  Wlederholungen  oder  Zellenabschlüssen  Rabatt  nach  aufllegendem  Tarif.

 

 

Rosenheimer  Tagblakt

Amtlliches  Bublikakions-Organ.

h  Menchen,  Nürnberg,  Berlin,  Bern,  Themnit

Dresben,

,  Inmsbrut,  Nortsruhe,  Khin  #c.
——

Der  Ausbruch  des  weltkrieges.

Mssscheehrenn  rier  und  russisches
Mesplel.

Die  n  eines  ungeheuerlichen  Lü
cengewebes  hat  man  über  die  Veröffentlichung
einer  Denulschrift  (sogen.  Weißbuch)  an  den
deutschen  Reichstag  zu  schreiben.  Aus  ten
Altenstücken  gebht  mit  krasser  Deutlichleit  das
doppelspiel  hetvor,  das  in  Rußland  Deutjaj
land  gegenüber  getrieben  wurde.  In  honigsüßen
  Versicherungen  wurde  drüben  die  ti'ee
Friedseligleit  versichert,  indes  man  an  der  Sewest=
  und  Westgrenze  die  Rüstungen  in  fieberlhafter
  Eile  aod  in  größtem  Umfange  #r#eb#
Die  heiligsten  Ehrenworte  wurden  russücherseits
  gegeben,  daß  leine  Mobilmachung
finde,  während  sie  im  besten  Gange  war.  und
unter  diesen  im  bürgerlichen  Leben  wär:
man  um  den  treffendsten  Auesdrud  hier  rick#t
verlegen  unter  diesen  Lenten  befand  iin,
nicht  nur  der  russische  Mililärattlache-,  nein,
der  Far  selbft.

Zar  Nilolaus  J1,
dürfnis  gehabt,
zu  verlieren!
Wott  darauf“,

att

hat  ebenfalls  das  Ve
sein  Mannes  und  Ehrenwort
„Ich  gebe  Dir  mein  feierliches
lelegraphierte  er  noch  am  31.
Juli  an  den  Kaiser  tags  darauf  sieten  die
ersten  Schüsse!  Man  hat  die  Wall,  den  3.
ren  als  Mann  ohne  Ehre  anzusehen  oder  als
den  lläglichsten  Schatten,  der  je  die  alte  Za
renkrone  getragen,  und  das  will,  gebt  wan
gerade  die  russische  Geschichte  zuruck.  #swiß
riel  sagen,  denn  der  Schattenlaiser  sind  nicd.
wenige  auf  dem  Throne  der  Romandws  gelessen.


daneben  zeigt  sich  ein  russisches
sandergleichen.  Die  Telegramme  des  Zaren
ichilderten  den  Deutschen  Kaiser  als  den  Mann,
der  den  Frieden  in  der  Hand  hat,  den  der
Zar  willig  zu  folgen  gedente.  Unmitlilbar
rarauf  marschierten  aber  die  russischen  Trurnen
egen  die  deutsche  Grenze.  Ein  solch  heunlünisches
  Ränlespiel  steht  in  der  Geschichte  **
eintig  da.  Mit  der  vollen  Wucht  ekder
Klarheit  geht  demgegenüber  die  Tala
in  die  Geschichte  über,  daß  Kaiser  Mäünem
durch  diese  flavischen  Knifse  sich  nicht  einen
Augenblich  hat  tauschen  lassen,  sondern  in  eeinen
  Depeschen,  so  liebenswürdig-brüderlich  sie
gehaiten  Und,  mit  der  Hroßten  Deutlichten  die

   
 

  

Verantwortlichteit  des  Zaren  für  den  ZKrieg
festslellte.

Der  „Friedenszar“  hat  sich  im  deu'hsben
Bolle  jegliche  Sympathie  verscherz  t.  Detr

Schützel  der  Königemörter,  ist  zum  Verräler
Deutschlands  geworden.  Die  Nole  drennender
  Scham  muß  der  Zarin  aufsteigen,  der
Schwester  eines  deutschen  Bundessürsten,  ü  wenn
sie  diesen  heillosen  slawischen  Verrat  an  ihren
Verwandten,  an  ihren  Stammesbrüdern  mit
ansieht.  Rußland  wollie  den  Kricq,  ##  wird
ihn  zu  fühlen  bekommen.

Ränleidiel

 

D„Der  englische,  Ueberfall.

Da:  deutsche  Voll  ist  am  Dienstag  in  späler
  Abendstunde  von  einem  neuen  Schlog  getrossen
  worden.  Es  hat  Feinde  ringsum,  die
ein  großes,  kräftiges  Deutschland  nicht  sehen
lönnen.  Der  russische  Vär  findet  eine  Vundesgenosien
  auf  einer  Seite,  auf  den  mon
ihn  ohne  weiteres  nicht  vermute:  höne.  Unier
ganzlich  nichtigem  Vormwand  uͤberreichte  das
britische  Reich  am  Dienstagabend  7  Uhr  30
Minnten  die  Kriegserllärung.  Teutich  and
mußz  sich  also  nicht  nur  gegen  Oiten  und
Westen,  sondern  auch  gegen  den  Nepersan  durch
die  Engländer  verteidigen.

Je  mehr  man  das  von  den  Engländern  ins
Feld  geführte  Motiv  zum  Kriege  besieht,  um
so  deutlicher  tritt  in  den  Vordergrund,  daß
sie  lediolich  nack  einem  Varwand  gesucht  und
inn  in  leicht  auch  gefunden  haben.  Es  ist  die
belgische  Netralilätsfrage.

Deulichland  lonnte  im  Intereise  feiner
führung  gegen  Frankreich  für  die  Wahr  von
Velgiens  Neutralität  unmöoglich  garantieren.
Es  erbot  sich  aber,  nack  dem  Krien:  die  Neutralität
  dieses  Slaates  wieder  vollkemmen  herzuilellen,
  und  erklärte  außerdem,  daß  nur  ein
schmaler  Sueifen  belgisaien  Territociumo  für
den  Durchzug  der  deulichen  Trupren  in  Frage
lomme.  Die  französiche  Nordsecküsßte  wollte
Deutschland  nick:  in  den  Vereich  der  Onerationen
  ziehen,  falle  Cuglas.  sich  zur  Nemta  li
tätierisflirliteiiseiiesiiisciieuliiiisis
Veriicherung  genügte  England  nicht.  Ge
teie  nur  die  Erklärungen  des  Reschstanilers
im  Reichstage  ab  und  überreichte  darn  sofort

Krieg

 

 

die  Kriegserklärung.

Aus  dem  Ganzen  ergibt:  sich  nur  eites:  Au  «
EnglandliiitdeiiKrieziiieiisolltsum-e
vorbereitet  wie  Rußland.  Sollie  nich:  har

Rußland  etwas  von  dem  Vorgeen  Engiands
schon  früher  gen  ußt  haben,  weil  e-  %
furchtlos  gegen  Deutichland  vornina'  u#  «
iiele  kielsiiiicllsiiiquiiclhlIsli  still  ii
diesem  Sinne  auslegen.

Wir  wisien  nun.  worum  es  sich  bandel
Man  will  uns  vernichten  auf  allen  Seitey.  ve
Gegner  sind  groß.  wir  haben  aber  nicht  de
mindesten  Grund,.  die  Flinte  is  Korn  zu  wer

  

 

sen.  Wir  lennen  unsere  Kraft  ½22  rertraue)
auf  sie.  Das  Recht  ill  auf  unferer  Seilte  und
eibt  uns  Zuversicht  in  diesem  ungerechtessen

aller-  Zriege

deutsche  Volk  wird  seinen  Ma#n  itellei
  an  der  Seite  weiß  es  seinen  öflerreichischen
  Bundergenossen.  Wird  auch  Ital  auf
unserer  Seile  sein?  Welche  Wirkung  die  englische
  Kriegserllärung  an  Dennichland  i  Jlalien
  ausgelört  hat,  imn  einitweilen  goh  nicht
bekannt.

England  enläl  n  Deutschland

kieg.

Berlin,  1.  Ang.  Kurz  nach  7  Uhr
erschien  der  englische  Fotschakter  önr
Edward  Goschen  auf  drm  Auswärtigen
Amt,  um  den  Krieg  zu  erklären  und
seine  Pässe  zu  fordern.

 
  

 

Englands  Kriegserklärung.

Berlin,  1.  August.  Heute  nachmittag  kur:
nach  der  Nede  des  Meichskanzler-,  in  der  er  bereits
  den  durch  Betreten  belgichen  Gebiets  begangenen
  Verstoß  gegen  das  Volkerrecht  anerkannte
  und  den  Willen  des  deutschen  Volkes,
die  Folgen  wieder  gut  zu  machen,  erklärt  war,
erschien  der  Botschafter  Grebbritanniens  Sir
Edward  Goschen  im  Neichstage,  um  dem  Staatssekrctär
  von  Jagow  eine  Erklärung  von  seiner
Negierung  zu  machen.

In  dieser  wurde  die  deutsche  Regierung  um
alsbaldige  Antwort  auf  die  Frage  ersucht,  ob
sie  die  Versicherung  abgeben  konne,  daß  keine
Verlehung  der  belgischen  Neutralität  stattfinden
würde.

Der  Staatssekretär  erwiderte  sofort,  daß  dies
nicht  möglich  sei.  und  jetzte  nochmals  die  Gründe
aus  zeinander,  die  Demschlan  id  zwingen,  sich  gegen
den  Cinfall  einer  fran  zösischen  Armee  durch  Betreten
  belgischen  Bodens  zu  sichern.  Kurz  nach

Uhr  erschien  der  großbritannische  Botschafter
im  Auswärtigen  Amt,  um  den  Krieg  in  erklären
und  seine  Pässe  zu  fordern.  Wie  wir  hören.
hat  die  deuriche  Regierung  die  Rücksicht  aufs
militärische  Crfordernisse  allen  anderen  Bedenken
vorangestellt.  obgleich  damit  gerechnet  werden
mußte.  daß  dadurch  der  englischen  NRegierung
ein  Grund  oder  ein  Vorwand  zur  Cinmischung

gegeben  sein  werde.

 

Talien  und  det  Ktieg.

Ueber  die  Haltung  Italiens  veroffentlicht  die
oifiziöie  Tribuna  iolgende  Erklärung:  1.  Der  Geist
des  Dreibundvertrages  verbielet  den  Vertragsteilen
  jede  eigenmächtige  Sonderaltion.  Tas
gleiche  Verbot  geht  für  Lefsterreich  und  Italien
aus  ihrem  Balkanübereinklommen  hervor.
Dreibundvertrag  iritt  nur  im  Falle
in  Krait.

2.  Ter
eines  Deiensivkricger
.  Lesterreich  hat  jeine  Aktion  gegen  Serbien
eingeleitel,  ohne  Italien  zu  verständigen.
weiteren  Beschlüssen  und  Maßnahmen
  seiner  Verbündcten  wurde  Italien  so
spät  und  plotzlich  in  Kenntnis  gesetzt,  daß  cs
für  die  Sicherung  und  Verforgung  seiner  Truppen
in  Benadir.  Ernträn.  Tripolis  und  der  Cyrenaika
nicht  die  geringste  Vorsorge  treffen  konnie.

F.  Italien  wird  also  an  einem  Krieg  vorläufig
  nicht  teilnehmen,  es  behält  sich  aber  vor.
zur  Wahrung  seiner  Interessen  Mittel  und  Werzu
  erwägen,  um  jeinen  Verbündeten  freundschafllich
  nützen  zu  können.

Die  Agenzia  Steiani  kundigt  die  Einberufung
der  ersten  Kategoric  der  Jahrgänge  1889  und
1890  der  Mannschaften  der  königlichen  Marine
an.  Außerdem  werden  unter  die  Fahnen  gerufen
  sieben  Jahrgänge  Unteroffizicre,  und  zwar
Maschinisten.  Heizer,  Steuerleute  und  Elektriler
der  Marinc,  sowie  das  ganze  kriegsdienstpflichtige
Sigualpersonal.

1.  Von  allen