Full text : Bavaria. Landes und Volkskunde des Königreiches Bayern.

304  Volkesitte.

Schwänze  abschneiden  und  büschelweis  in's  Nest  werfen,  dann  legen  sie  die
Eier  nicht  aus.

Will  die  Henne  die  Eier  nicht  ausbrüten,  so  setzt  man  sie  in  einer  alten
  Weiberkappen  an,  dann  bleibt  sie  darüber.  —  In  der  Fastnacht  schlägt
man  unbeschrieen  vor  Sonnenaufgang  einen  Pflock  vor  den  Hühnerstall;  so
weit  der  Schall  reicht,  sind  die  Hühner  sicher.  Oder  man  muß  eine  Sperkette
  um  den  Tisch  ziehen,  und  darin  die  Hühner  füttern;  oder  der  Bauer
muß  beim  Mittagessen  von  Allem,  was  auf  den  Tisch  kömmt,  ein  Stücklein
in  eine  Schüssel  thun,  davon  die  Hälfte  den  Hühnern  geben,  die  andere
Hälfte  dem  Fuchs  auf's  Feld  stellen  mit  den  Worten:  „Da,  Fuchs,  hast  du
deinen  Theil,  laß  mir  den  meinen!“  Weiter  darf  aber  keine  Silbe  gesprochen
  werden,  sonst  leert  der  Fuchs  selbiges  Jahr  den  ganzen  Stall  aus.  Um
übrigens  vor  dem  Fuchs  sicher  zu  sein,  darf  man  ihn  nie  beim  Namen  nennen.
  Der  Bauer  heißt  ihn:  „Loinl,“  „Henaloinl,“  „Henading,“  um  Velburg
  „Henabou“.  —

Einen  besonderen  Abscheu  hat  man  vor  Hennen,  welche  krähen;  das
deutet  auf  Unglück  und  Sterbfall.  Das  Sprichwort  heißt:  Wenn  die  Henne
kräht,  ist  das  Unglück  nicht  mehr  weit.  Solche  Hennen  zeigen  durch  Krähen
und  Flügelklatschen  das  Wetter  an,  heißen  auch  um  Neustadt  und  Heman
„Wetterhexen"“.  Man  tödtet  sie  sogleich  oder  verkauft  sie  an  die  Juden.
Schwarze  Hennen  dagegen  hat  man  gerne;  mit  solchen  mag  sich  die  Hexe
nicht  abgeben.  —  Der  Hahn,  den  man  sieben  Jahre  hat,  wird  so  gescheidt,
daß  er  die  Sprache  der  Menschen  versteht.  Um  Bärnau  heißt  es:  Wenn
ein  rother  Hahn  zehn  Jahre  alt  wird,  so  legt  er  ein  Ei  in  den  Mist  und
gräbt  es  drin  ein,  daß  es  also  ausgebrütet  wird.  Aus  dem  Ei  wird  ein
Vogel,  der  die  Leute  vergiftet.  Der  Ausdruck:  „Giftig“  oder  „zornig  wie  a
rouda  Hana“  ist  allenthalben  geläufig.

12.  Beim  Brodbacken  und  beim  Genuß  des  Brodes.

Beim  Einsäuern  muß  man  dreimal  mit  der  flachen  Hand  auf  den  Sauerteig
  schlagen,  daß  es  der  Ofen  hört,  und  dabei  sprechen:  „Backofen,  richt
dich!“  —  Ohne  Fürtuch  soll  die  Bäuerin  nicht  kneten,  sonst  wird  das  Brod
offen;  auch  darf  man  sich  nicht  auf  den  Backtrog  setzen,  das  macht,  daß  das
Brod  spindig  wird.  Wenn  eingeschossen  ist,  muß  man  mit  jeder  Backschüssel
drei  Händlein  voll  Erde  auf  die  Kohlen  werfen,  dann  wächst  das  Brod  im
Ofen.  Das  erste  Backkörbchen  (der  Teig  wird  nemlich  aus  den  Backtrog
in  strohgeflochtene  Körbe  gefaßt,  die  je  einen  Laib  geben)  muß  verdeckt  hingeworfen
  und  darf  nicht  aufgehoben  werden,  bis  alles  Brod  aus  dem  Ofen
ist;  das  hilft  wider  das  Verschreien.  Während  das  Brod  im  Ofen  ist,  darf
kein  Kuchen  mit  dem  Messer  angeschnitten  werden,  sonst  wird  das  Brod
spindig.  Auch  darf  das  Brod  im  Ofen  nicht  gezählt  werden,  wenn  es  gedeihen
  soll.  Bekömmt  der  Laib  beim  Backen  in  der  Mitte  der  oberen  Fläche