Lebensregeln für die Schwangerschaft. 285
die Gefäße des Kindes haben muß, und wie besonders chemische Verbindungen,
in die Blutbahn der Mutter aufgenommen, oder in ihr gebildete krankhafte
Stoffwechselprodukte auf den kindlichen Organismus infolge dieser Verbindung
einwirken müssen. Kann es dann gleichgültig sein, was die Mutter ißt und
trinkt? Man sieht sie täglich mehrere Glas Bier, starken Kaffee, Braten,
Würste, Schinken, reichlich Essigsalat, Käse, Eier, Gewürze usw. vertilgen;
denn sie hat lebhaften Appetit und muß, wie die besorgten Angehörigen
behaupten, entschieden „für zweie“ essen! Allerdings sieht sie wohlgenährt
aus bei dieser Diät; rote Wangen, nur zu lebhafte Augen, oft zu lante
Heiterkeit machen sich bemerkbar neben diesem „blühenden Leben“, aber auch
ungleicher Stuhl, erregtes Herz, beängstigendes Träumen, vorübergehende
schmerzhafte Empfindungen im Leibe, plötzliches, unbegründetes Weinen mit
Angstgefühlen, häufige Übelkeiten, gelegentlicher Kopsdruck, der verdrießliche
Stimmung bewirkt, dann wieder Heißhunger und die unvernünftigsten Gelüste
und ähnliches mehr.
Von alledem soll eine gesunde Schwangere nichts wissen!
Gul und ohne Beschwerden gehe die Verdauung von statten; ruhig und
kräftigend sei der Schlaf, gleichmäßig die Stimmung, und außer gelegentlichem
Vollgefühl im Leibe und leichter Behinderung bei gewissen häuslichen Arbeiten
soll sie ihre Schwangerschaft nicht fühlen. Viele nervöse Frauen werden
diesen Zustand mehr oder weniger vollständig erreichen, wenn sie statt herzerregenden
Kaffee und Bier Milch, Kornkaffee, Fruchtlimonaden trinken, statt
täglich zwei= bis dreimal Fleisch zu essen, nur wöchentlich drei= bis viermal
Fleischspeisen genießen und statt dessen reichlich grüne Gemüse aller Art,
Obst nach Jahreszeit und Neigung und verschiedene Körnerfrüchte, wie Reis,
Buchweizen, Grünkern, Hirse, Hafergrütze, Grieß, leichte Mehlspeisen, wie
Nudeln, Klößchen, Pudding usw., einschieben, für tägliche Körperbewegung
sorgen und Tag und Nacht auf frische Luft und nützliche Tätigkeit bedacht
sind. Trägt die junge Frau vom Beginn an einen Rockträger (siehe Fig. 113),
vermeidet alle beengenden Kleidungsstücke, und hat sie gepflegte, gesunde Füße,
was sich durch gleichmäßige Wärme derselben und Fehlen jeglicher Fußkrankheiten
äußert, so wird sie sich eines gleichmäßigen Wohlbefindens erfreuen,
und die Entwicklung der Frucht wird ungehindert fortschreiten. Der Stuhlgang
muß täglich erfolgen; blähende Speisen, wie Weiß= und Rotkraut,
Pflaumen, Rettiche und andere müssen vermieden werden, nicht minder alles,
was erregend auf das Nervensystem wirkt, wie Bier, Kassee, Wein, auch
Tee (siehe zweites Kapitel, I. Teil). Bleiben bei solcher Lebensweise die
Nerven ruhig, so stellen sich auch keine abnormen Eßgelüste ein, deren
Befriedigung die Verdauung der Schwangeren ost so sehr schädigt. Der
Glaube, daß sie durchaus befriedigt werden müssen, führt nur zur Schädigung
der Gesundheit; er läßt sich also in keiner Weise stützen, vielmehr müssen
wir dringend empfehlen, alle Selbstbeherrschung zu eutfalten und die Ursache