410 Drittes Auch. Die Retlung der Zukunft.
der Wiener Hof, auch die übrigen noch in der Mark liegenden
Reiter in seinen Dienst zu nehmen. Ihr Abzug unter Markus
Ludecke befreite das Land von schwerer Heimsuchung. Das
machte Eindruck auf die übrigen. Die Reduktion vollzog sich
ohne Widerstand, mochten auch noch manche Schwierigkeiten
zu überwinden und die abgelohnten Offiziere und Leute mit
dem ihnen Gewährten ebenso unzufrieden sein, wie die Stände
über die ihnen zugemuteten Opfer murrten.
Auch Johann Adolf Schwartzenbergs Sache war damit
entschieden. Seines Vaters Todfeinde waren, wie es schien, endgültig
zur Gewalt zurückgekehrt, während ihn seine Beziehungen
zu den unzufriedenen Offizieren vollends kompromittiert hatten.
Seine aufgefangenen Briesen entnommenen Aeußerungen, so
wenig sie die Absicht zu einem Gewaltstreich oder auch nur zur
Herbeiführung energischer Intervention des Wiener Hofes erwiesen,
erfuhren die nachteiligste Deutung: von Befriedigung
seiner Ansprüche war nicht mehr die Rede. Za er durfte Schlimmeres
fürchten. Schon war seine Verhaftung beschlossen: da
machte er sich durch nächtliche Flucht davon. Ob er es that,
um verdienter schwerer Ahndung zu entgehen? Was bisher
bekannt geworden, ergibt nichts derart. Als übereifriger und
dem Kurfürsten sehr unbequemer Verfechter seiner Vermögensinteressen
mag er gesehlt haben: zum Verschwörer, der mit der
unzufriedenen Soldateska und dem Kaiser Schlimmeres plante,
haben ihn nur die Furcht und der Haß der Feinde seines
Vaters gemacht. Auch das gegen ihn eingeleitete Verfahren
ergab nichto. Ja Anfang 1612 hat der kaiserliche Gesandte
Justus von Gebhard den Kurfürsten überzeugt, daß die ihm so
schwer angerechnete Aeußerung, er wolle immer auf des Kurfürsien
Schaden denken, auf irriger Dechiffrierung bernhte.
Um so weniger lag hinfort ein Grund vor, seinen privatrechtlichen
Ansprüchen Befriedigung zu versagen. Freilich blieb die
Neigung dazu auch jetzt gering. Doch verlor man in Wien und
Prag die Sache um so weniger aus dem Auge, als der Graf
am Hofe an Ansehen und Einfluß gewann. Auf eine neue
kaiserliche Mahnung, ihn in dem ihm Gebührenden zu restituieren,
erwiderte man im Herbst 1647 von Berlin mit einer