12
Realschule und Gymnasium weniger einen Riß darstelle, als daß
beide Schularten wie zwei verschiedene Zweige desselben Stammes
zu betrachten seien.
Die Einheit der wissenschaftlichen Vorbereitungsschule sehe auch
er als das Bessere an; aber sie in gegenwärtiger Zeit herzustellen,
halte er für unmöglich. Der Unterrichtsstoff wachse fortwährend,
und die Schulverwaltung habe die Pflicht, die Mannichfaktigkeit
der Bildungsbedürfnisse zu berücksichtigen. In einem großen Staat
könne der Organismus des öffentlichen Unterrichts nicht die Einfachheit
haben, den ihm etwa eine einzelne Stadt zu geben vermöge.
. . .
Wer nur Eine höhere Bildungsanstalt wolle, müsse erst nachweisen,
wie sich heutzutage ein Gymnasium herstellen lasse, welches
die Realschule überflüssig mache.
Wenn man im Lehrplan der Realschulen ein pädagogisches
Centrum, das geistige Band vermisse, welches die verschiedenen Unterrichtsfächer
zu einer wirksamen Einheit zusammenfasse, bo nis
er den hahen Werth einer solchen sehr, wohl zu schätzen: aber sie
werde in den Sachen wie in den Personen immer nur annähernd
erreicht werden können; und ob denn etwa im Gymnasium ein fo
enger Zusammenhang der Unterrichtsgegenstände stattfinde; ob das
geisee Band beispielsweise zwischen den alten Sprachen und der
-athematik enger sei als zwischen dieser und den Naturwissenschaften
2. Die Einheit, auf welche es ankomme, werde nicht sowohl
durch ein einzelnes centrales Unterrichtsobject, als durch eine lebendige
gegenseitige Beziehung der verschiedenen Gegenstände zu einander
hergestellt. . «
Aber abgesehen von allen derartigen Erwägungen müsse man
das Bestehende berücksichtigen. Preußen habe zur Zeit 80 Realschulen
erster, 16 zweiter Ordnung und. 86 höhere Bürgerschulen;
zum größten Theil städtischen Patronats. Wie man es anfangen
wolle, diesen. Bestand zu beseitigen? Weder würden die Städte geneigt
sein, ihre Anstalten aufzugeben, noch lasse sich den Eltern,
welche ihre Kinder in diese Schulen schickten, eine Schätzung der
griechischen und der lateinischen Sprache beibringen, welcho sie bewegen
könnte, ihre Kinder den Gymnasien zu übergeben. Das
Refaltat einer Aufhebung der Realschulen würde nicht das sein, daß
die Mehrzahl ihrer Schüler dem Gymnafium zugeführt, vielmehr
das, daß sie vor der Zeit in die Fachschulen getrieben würden.
Durch Theorieen könne man thatfächliche Zustände und Bedürfnisse
nicht beseitigen. Theoretisch lasse sich die Rützlichkeit einer Beseitigung
der Realschulen allenfalls demonstriren, in der Wirklichkeit
derchsähren lasse sie sich nich In dieser seiner Ueberzengung müsse
er die Frage 1, b. der Vorlage, ob die Stellung der Realschule
zwischen dem. Gymnasium und den technischen