Full text : Protokolle der im October 1873 im Königlich Preußischen Unterrichts-Ministerium über verschiedene Fragen des höheren Schulwesens abgehaltenen Conferenz.

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Zu  diesem  Plan  bemerkte  Hr.  Fritsche,  seine  Vorliebe  für
das  Bifurcationssystem  beruhe  auf  den  darüber  gemachten  Erfahrungen.
  Die  Hauptfrage  bei  der  Construirung  eines  solchen  Systems
sei  für  ihn  die,  wieweit  die  gemeinschaftliche  Grundlage  hinaufreichen
könne,  wann  die  Bifurcation  beginnen  müsse.  Die  Vereinigung
bereits  mit  Quinta  aufhören  zu  lassen,  gehe  deshalb  nicht  an,  weil
da  die  Entscheidung  über  den  künftigen  Lebensberuf  des  Schülers
noch  nicht  getroffen  werden  könne;  die  Scheidung  dagegen  noch
weiter  hinauszuschieben  als  bis  hinter  Quarta,  sei  deshalb  nicht
thunlich,  weil  der  Unterricht  im  Griechischen,  welchen  er  für  die
Realisten  nicht  obligatorisch  zu  machen  wünsche,  mit  Tertia  beginnen
müsse.  Etwanigen  Bedenken  in  dieser  Beziehung  entgege  er,  daß
auch  die  alte  Gymnasialbildung  das  Griechische  erst  in  Tertia  begonnen
  habe,  und  daß,  wenn  man,  anstatt  daß,  wie  seither,  das
Friechim  e  von  Quarta  an  7  Jahre  lang  in  6  wöchentlichen  Stunden
  gelehrt  werde,  künftig  dasselbe  in  7  wöchentlichen  Stunden  6
Jahre  lang  betreibe,  nach  seiner  Meinung  mindestens  ebensoviel  gelernt
  werden  könne  als  bisher,  zumal,  wenn  man  in  denjenigen
Schulen,  welche  nur  Eine  (2  jitrige)  Tertia  hätten,  bezüglich  des
Griechischen  ausnahmsweise  einen  2jährigen  getrennten  Cursus  in
Tertia  einführe.

Lateinisch  halte  er  für  beide  Bildungsrichtungen  für  absolut
erforderlich  und  habe  es  daher  auch  für  beide  durch  den  ganzen  Unterricht
durchgeführt;  Französisch  habe  er,  auch  für  das  Gymnasium,  und
war  mit  4  Stunden  wöchentlich,  von  Quarta  an  beginnen  lassen,  weil
heutzuhaee  ein  gebildeter  Mann,  welcher  kein  Franzöfisch  verstehe,
sich  nach  seiner  Ansicht  lächerlich  mache;  Naturwissenschaften  habe
er  dem  Sertaner  abgenommen,  um  ihn  zu  entlasten,  und  weil  er
den  natuegechichtlichen  Unterricht  in  Sexta  für  Spielerei  halte;
Zeichnen  habe  er  für  die  Realschule  wenigstens  facultativ  beibehalten
  zu  müssen  geglaubt.

In  der  für  feinen  Plan  vorausgesetzten  Vermehrung  der  Anahl
  der  wöchentlichen  Lectionen  für  das  Gymnasium  glaube  er  insofern
  kein  Hinderniß  sehen  zu  dürfen,  als  erfahrungsmäßig  die
rößere  Lectionenzahl  der  Realfthulen  den  Schülern  derselben  keinerlei
Rachtheil  gebracht  habe,  namentlich  auch  nicht  in  Bezug  auf  ihre  Sehkraft.
  Auf  Einzelheiten  weiter  einzugehen  zarrieß  er,  da  es  ihm
nicht  um  Feststellung  derselben,  sondern  um  die  Anerkennung  des
Princips  seines  an  das  Gegebene  anknüpfenden  Planes  zu  zpun  sei.

Brincipiell  gegen  das  Bifurcationsspstem  als  eine  bestimmte
Schulorganisation  erklärten  sich  HH.  Bonitz,  Gallenkamp,
Lucius,  und  enthielten  sich  deshalb  einer  in's  einzelne  gehenden  Beurtheilung.
  Die  Bifurcation  gehe  von  der  Ueberzeugung  aus,  daß  sich
mit  den  ir  den  realistischen  Weg  erforderlichen  Lehrgegenständen
der  Unterricht  in  den  alten  Sprachen  in  einem  Umfange  verbinden