Full text : Preußische Geschichte. Dritter Band. (3)

410  Sechstes  Buch.  Erniedrigung  und  Wiedergeburt.

Unterstützung  war  gleich  zu  erhalten.  Man  traute  in  London
einer  Regierung  nicht,  die  sich  auch  jetzt  noch  dem  Auslande
gegenüber  durch  einen  Franzosen-  und  Friedensfreund  wie  Za—
strow  vertreten  ließ,  wollte  auch  abwarten,  wie  sich  Rußland
und  Schweden  erklärten.

Der  Zusammenstoß,  zu  dem  es  1806  zwischen  Preußen
und  Schweden  gekommen  war  (S.  387),  hatte  zur  Blockade  der
preußischen  Häfen  und  Aufbringung  preußischer  Schiffe  geführt.
Als  dann  Preußen  Lauenburg  räumte  und  Schweden  es  wieder
besetzte,  trat  thatsächlich  ein  Stillstand  ein.  Jetzt  sollte  ein
Friede  den  Weg  zum  Anschluß  Schwedens  an  die  neue  Koa—
lition  öffnen.  Am  2.  Januar  1807  wandte  sich  Friedrich  Wil—
helm  brieflich  an  Gustav  IV.  Adolf.  Aber  Voraussetzung  für
diese  Allianz  war  die  russisch-preußische.  In  Preußen  hielt  man
diese  für  ganz  sicher  und  rechnete  mit  ihr  als  einem  Faktor,
der  nicht  versagen  könne.  Auch  der  Zar  dachte  so.  Aber  in
seiner  Umgebung  wirkten  persönliche  und  nationale,  politische
und  militärische  Momente  dagegen.  Zu  Alexanders  Freundschaftsbetenerungen
  stimmte  nicht  die  Haltung  seiner  Minister
und  Generale.  Auf  diese  hatte  der  Zusammenbruch  Preußens
tiefen  Eindruck  gemacht:  sie  zweifelten  an  der  Nützlichkeit  dieser
Allianz,  zumal  Rußland  auch  in  einen  neuen  Türkenkrieg  geraten
  war.  So  kam  Alexander  I.  bei  aller  Teilnahme  an  dem
Schicksal  des  königlichen  Freundes  doch  nicht  zu  entschlossenem
Eintreten  für  ihn.  Seine  Russen  sahen  in  der  Freundschaft
der  Herrscher  keinen  Grund,  um  einem  stets  beargwöhnten  und
unbequemen  Nachbarn  zur  Wiedergewinnung  seines  ruhmlos
verlorenen  Landes  zu  helfen.  Es  genügte,  wenn  sie  die  eigene
Grenze  schützten.  Der  Krieg  schien  ihnen  aufgenötigt  durch
eine  persönliche  Laune  ihres  Herrschers.  In  ihren  Reihen  ging
die  Rede,  er  sei  veranlaßt  durch  die  Liebschaft,  die  der  Zar
mit  der  schönen  Preußenkönigin  unterhalte!  Eine  Unterstützung,
die  es  aufgerichtet  und  moralisch  gehoben  hätte,  hatte  Preußen
von  diesem  Bundesgenossen  sicher  nicht  zu  erwarten.  Sogar
die,  welchen  Preußens  Rettung  als  im  Interesse  Nußlands  selbst
geboten  galt,  zweifelten  bei  der  Zertrümmerung  der  preußischen
Wehrkraft  an  dem  Erfolge,  zumal  auch  jetzt  die  Männer,  die