und deren Durchführung in den Dingen selbst präpariert
ist, konnte um so leichter die verschiedenen Kulte über:
wältigen, als sie ihre ursprüngliche Bedeutung verloren
hatten.
Dazu kam noch folgendes, kaum minder wichtiges
Moment: die Römer hatten von Anfang an sowohl in
religiöser als moralischer Beziehung einen eigentümlichen
Geist, eine größere Fülle strenger moralischer Begriffe
als irgendein Volk der Welt. Man denke z.B.an die
hohe Vorstellung, welche die Römer von der Ehe hatten,
so daß Jahrhunderte vorübergingen, bis die erste Ehescheidung
eintrat; man denke an das häusliche Leben
der Römer, an das Institut der väterlichen Gewalt usw.
Diese stärkere Repräsentation moralischer Tendenzen
wirkte auch später in den Zeiten der größten Entsittlichung
noch fort.
Ein ferneres entscheidendes Moment ist der unaufhörliche
Widerstreit der reineren religiösen Anschauungen
der Römer und des semitischen Götzendienstes.
Dieser zeigte sich schon im Kampfe gegen die Karthager,
deren Menschen opfernden Kultus die Römer stets ver:
schmähten. Selbst der sonst ganz anrüchige Kaiser Claudius
verbot ausdrücklich die Menschenopfer. Diese und
noch andere Vorkommnisse weisen darauf hin, daß die
Römer höhere Begriffe vom Werte des Menschen hatten
als andere Völker. Also auch in dieser Beziehung trafen
die römischen, wenn auch immerhin noch unvollkomme«=nen
Vorstellungen mit den christlichen zusammen.
Die weitere Frage ist nun die: welchen Wert gewann
das Christentum in seiner ersten Ausbreitung, welche
Eigentümlichkeiten waren es, die das Christentum
fähig machten, stärker zu werden als alle anderen Religionen
?
In den ersten Jahrhunderten suchten noch orientalische
Götzendienste und Glaubensvorstellungen überall in
das Christentum einzudringen; ich erinnere an die Manichäer,
deren Glaubenssätze bis nach Afrika und Indien
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