Contents : Deutschland und der Weltkrieg.

 

 

Deutschlands  Stellung  in  der  Weltwirtschaft  129

 

Arbeit  und  mit  Diensten,  die  Deutschland  dem  Ausland  im  Transportwesen
  oder  im  Geld=  und  Kapitalverkehr  leistete,  also  nur  dadurch,
daß  Deutschland  sich  auf  Gebieten  des  Wirtschaftslebens  betätigte,  auf
denen  England  ein  Monopol  für  die  ganze  Erde  für  sich  beanspruchen
zu  können  glaubte.  Vom  Geld=  und  Kapitalverkehr  ist  bereits  gehandelt
worden.  Vom  Transport  und  Fandel  muß  hier  zum  Schluß  noch  die
Rede  sein.

Auch  im  deutschen  Verkehrswesen  sind  die  natürlichen  Bedingungen
nicht  besondets  günstig.  Zwar  ist  Deutschland  ausgezcichnet  durch  eine
Reihe  stattlicher  Flüsse,  aber  während  England  auf  allen  und  Frankreich
  auf  drei  Seiten  vom  Meer  bespült  ist,  stößt  Deutschland  nur  im
Norden,  wohin  alle  seine  Flüsse,  bis  auf  die  Oonau,  in  parallelen
Läufen  ihre  Fluten  ergießen,  an  die  große  Hauptverkehrsstraße  unter
den  Bölkern.  Der  Seeverkehr  hat  daher  nicht  nur  für  den  Binnenhandel
eine  sehr  geringe  Bedeutung,  sondern  spielt  auch  im  Außenhandel  nicht
die  Nolle  wie  in  England  und  Frankreich  oder  auch  in  den  Vereinigten
Staaten.  Die  zentrale  Festlandslage  und  der  Nachbarnreichtum  werden
hier  zum  Vorteil.  Deutschland  hat  neben  seinem  Seehandel  auch  einen
großen  Festlandshandel.  Von  den  21  Milliarden  Mark,  die  sein  Gesamthandel
  1913  ausmachte,  dürften  etwa  8  Milliarden  Mark  auf  den
Aberlandverkehr  entfallen.  Versagt  der  Seehandel,  so  wird  der  Festlandshandel
  zunehmen.  Hier  liegen  Möglichkeiten  des  Ausgleichs  und
der  Entwicklung  vor,  die  erst  der  Krieg  klar  anfdeckte.  Schon  wegen  dieses
Landzweiges  seines  Außenhandels,  der  jetzt  plötzlich  eine  unnatürliche
Steigerung  seiner  Bedeutung  erfahren  hat,  muß  Dentschland  seinen
Binnenverkehr  so  wirksam  wie  möglich  organisieren.  Dasselbe  erfordert
auch  der  zur  Sce  sich  vollziehende  Teil  des  Binnenhandels.  Denn  da
unser  Seeverkehr  sich  weit  überwiegend  auf  unsere  kurze  Nordsecküste
zusammendrängt,  haben  dic  meisten  Ein=  und  Ansfuhrwaren  längere
Inlandstransporte  zurückzulegen.

Erst  zur  selben  Zeit,  als  Deutschland  sich  entschloß,  im  Interesse
seiner  Industric  zum  Schutzzoll  überzugehen,  ist  ihm  die  Bedenkung
dieser  Berkehrsaufgabe  voll  zum  Bewußtsein  gekommen.  Bismarck,  der
dem  Schutzzollgedanken  zum  schnellen  Siege  verhalf,  hat  auch  die  Verstaatlichung
  der  preußischen  Eisenbahnen  durchgeführt,  in  der  heute  das
deutsche  Volk  in  allen  seinen  Schichten  seinc  größte  und  segensreichste
Wirtschaftstat  dankbar  erblickt.  Sie  faßte  viele  einzelne  systemlos  nebeneinander
  stehende  Unternehmungen  in  einer  Verwaltung  und  einem
Betriebe  zusammen  und  stellte  so  dic  erste  große  und  zugleich  die  noch
beute  größte  wirtschaftliche  Konsolidation  dar,  die  nicht  nur  Deutschland,

Deutschland  und  der  Welterieg  0