Volltext : Geschichte der Hohenzollern.

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Seiten  der  Weichsel  stellte  die  Verbindung  zwischen  Ostpreußen,  Pommern  und
der  Neumark  her.  Die  Weichselmündungen  machten  Friedrich  zum  Herren  des
polnischen  Handels.  Von  allen,  den  Polen  entrissenen  Landschaften  hatte
Preußen  gerade  diejenigen  erhalten,  welche  deutsche  Elemente  in  ihrer  Mitte
und  von  deutschen  Ländern  umgeben,  leichter  als  alle  übrigen  den  älteren
Theilen  des  Staatsverbandes  gleich  werden  konnten,  während  jene  ihren  neuen
Herren  fast  gänzlich  sremd  und  meistens  in  hohem  Grade  abgeneigt  blieben.

König  Stanislaus  Augustus  hatte  sich  zu  unbedingt  den  Verbündeten  in
die  Arme  geworfen,  um  ihren  Beschlüssen,  wie  entehrend  sie  auch  für  seine
Herrschaft  waren,  irgend  einen  nachhaltigen  Widerstand  entgegenzusetzen;  nach
dem  Verlangen  der  fremden  Minister  rief  er  einen  Reichstag  auf  den  8.  Februar
des  folgenden  Jahres  zusammen.

Inzwischen  hatte  Friedrich  am  13.  September  1772  seinen  neuen  Unterthanen
  durch  eine  feierliche  Proklamation  bekannt  gemacht,  daß  er  Alle  in  ihrem
Eigenthume  und  ihren  Rechten,  zumal  die  Römisch-Katholischen  in  ihrem  freien
Gottesdienste  schützen  und  alle  Wohlgesinnten  glücklich  und  zufrieden  machen
würde.  Unverzüglich  wurden  auch  alle  Stände  nach  dem  Schlosse  Marienburg
zur  Huldigung  eingeladen.  Am  19.  April  1773  eröffnete  man  den  entscheidenden
  Reichstag.  Zwar  fehlte  es  hier  nicht  an  scharfem  Widerspruch,  denn  noch
fanden  sich  muthige  Patrioten  zur  Vertheidigung  ihres  Vaterlandes;  doch  war
ihre  Zahl  gering  gegen  die  Schmeichler  des  Auslandes  und  die  Kleinmüthigen.
Die  Ansprüche  der  Dissidenten  wurden  von  den  Verbündeten  ihren  Gegnern
preisgegeben.

Natürlich  verschmähten  es  die  verbündeten  Kabinette  nicht,  dem  Gebrauche
gemäß,  durch  diplomatische  Schriften  ihre  „unwiderleglichen“  Rechte  auf  die
neuen  Erwerbungen  der  Welt  darzulegen;  die  preußische  floß  aus  der  Feder
des  Ministers  von  Hertzberg  und  zeichnete  sich  allerdings  durch  gründliche  Behandlung
  der  Sache  aus.

Man  ließ  die  Abtretungsakte  von  dem  Bischofe  von  Cujavien  und  89
Landboten  unterzeichnen.  Neben  diesen  Opfern  mußte  die  Republik  in  der  gedachten
  Urkunde  auch  auf  den,  im  Welauer  Frieden  vorbehaltenen  Rückfall
Ostpreußens  an  Polen,  nach  Absterben  des  Brandenburgischen  Mannsstammes,
so  wie  auf  die  Oberhoheit  über  die  Herrschaften  Lauenburg  und  Bütow  und
auf  die  Einlösung  der  Starostei  Draheim  verzichten.

Schon  vor  dieser  traurigen  Entwickelung  der  polnischen  Angelegenheiten
ja,  noch  ehe  die  Besitznahme  wirklich  erfolgt  war,  hatten  die  Angelegenheiten
der  Pforte  eine  günstigere  Wendung  erhalten.  Am  10.  Juni  1772  war  ein
Waffenstillstand  zu  Lande,  am  13.  Juli  auch  zur  See  geschlossen,  und  Friedensunterhandlungen,
  Anfangs  zu  Fokdschani  in  der  Wallachei,  später  in
Bukarest,  an  welchen  der  Major  von  Zegelin,  der  preußische  Gesandte  in
Constantinopel,  Theil  nahm,  wurden  zu  Ende  des  Monats  Juli  eröffnet.  Diese
Unterhandlungen  zerschlugen  sich  jedoch,  und  am  15.  Februar  1773  begann