Full text: Leopold von Ranke's sämmtliche Werke. 27. und 28. Band. Zwölf Bücher Preußischer Geschichte. Fünftes bis neuntes Buch. (27)

Schlacht bei Mollwitz. 405 
Worte weiter gelautet haben mögen, und durch sein Beispiel die 
Seinen zum Stehen, und führte sie nochmals gegen den linken Flügel 
des Feindes heran, der aber, indeß durch frische Schwadronen ver- 
stärkt, die schon einmal Geschlagenen aufs neue auseinander jatte. 
Schulenburg, ganz beschämt und um so mehr verwirrt, da er bisher 
Gunst genossen und Neid erweckt hatte, bereits verwundet, aber ent- 
schlossen den Schimpf seines Regimentes und seiner Führung nicht zu 
überleben, suchte den Tod und fand ihn 1). 
Um diese Stunde mag es gewesen sein, daß die Generale, die 
ihren König mit Schrecken in dem dichtesten Getümmel gesehen hatten, 
in ihn drangen, die Schlacht, die leicht verloren gehen könne, zu ver- 
lassen, und nur seine Person zu sichern, an deren Rettung Alles 
gelegen sei. Man kann denken, wie widerwärtig dieser Rath ihm 
war, aber nach so mancherlei Lebensgefahren, die er bestanden, allen 
den dringenden Warnungen, die ihm zu Theil geworden, den Ver- 
sprechungen, die er gegeben, entschloß er sich dazu ). 
Die preußischen Generale wollten sich vor allem der ängstlichen 
Rücksicht entledigen, welche die Anwesenheit des Königs ihnen auf- 
legte, um dann mit desto freierem Muthe, unbesorgt vor einem un- 
heilvollen Zufall, das Glück der Schlacht zu versuchen. Noch stand 
das gesammte Fußvolk unerschüttert auf dem Schlachtfeld. Jene 
Bataillone, die zwischen der Reiterei aufgestellt worden, hatten sich 
nicht werfen lassen, und sich den übrigen angeschlossen. Die beiden 
Treffen wußten jede Verwirrung, die etwa eintrat, sofort zu besei- 
tigen, das Anprallen der Cavallerie vollständig zurückzuweisen: sie 
boten den Anblick einer lebendigen Festung dar. Besonders waren 
ihre Bajonnete den feindlichen Pferden verderblich: noch viel furcht- 
barer aber wurde ihr Gewehrfeuer der österreichischen Infanterie, als 
sich diese in Bewegung setzte. Die preußischen Bataillone waren in 
1) Valori: C'est par le désespoir de la mauraise manoeuvre de son 
regiment, que le général Schulenbourg s'est fait tuer. 
2) Nach einem Fragment von NMémoires secrotes von Schmettau (Militär- 
wochenblatt 1840, S. 12) soll Schwerin Anfangs gegen die Entfernung des 
Königs gewesen sein: eine Viertelstunde spöäter hätte das vereinigte Andringen 
von Pr. Leopold, Golz und Hacke sie bewirkt. Schmettau ist aber in diesem 
Aufsatz sehr parteiisch für Schwerin; dessen Irrthümer in Oberschlesien über- 
geht er mit Stillschweigen, und legt überhaupt eine ganz persönliche Auf- 
fassung an den Tag, so daß ich nicht wage ihm zu folgen. Seine Angaben 
würden auch dem widersprechen, was man aus dem Munde Schwerins 
selber weiß.
	        
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