Full text : Bavaria. Landes und Volkskunde des Königreiches Bayern.

264  Oberpfalz  u.  Regensburg.

Heint  Nacht  bin  i  am  Hohlmäuerl  g'sess'n,
Hob'n  ma  d'Russ'n  und  d'Schwab'n  mein'  Beutel  ausg'fress'n.
D'Russ'n  und  d'Schwab'n  san  davo,
Mein'  dafressena  Beutl  hob  i  no.
Gebt's  mer  a  Paar  Schilling  Oar  und  a  Paar  Gulden  Geld,
Auf  daß  i'n  wieda  z'amflick'n  ko.
Halleluja,  Halleluja,
Pfingsten  ist  wieder  da!
Zuletzt  bewegt  sich  die  ganze  Rotte  in's  Wirthshaus,  wo  das  Ergebniß  der
Sammlung  in  Geld  umgelöst  und  gemeinschaftlich  vertrunken  und  verzjubelt
wird.  Der  Pfingstel  erhält  über  seinen  Theil  noch  24  Kreuzer  und  einen
Napf  Branntwein  extra!

Wir  haben  zum  Schlusse  noch  eines  Jugendfestes  Erwähnung  zu  thun,
das  erst  zu  Anfang  dieses  Jahrhunderts  seine  allgemeine  Bedeutung  verlor,
und  im  Markte  Bruck  noch  vor  wenig  Jahrzehenten  gefeiert  wurde.  Der  Gregoriustag
  (12.  März)  bildete  den  Schluß  der  Winterschule,  und  das  Gregorifest
  —  ein  Nachklang  des  von  Papst  Gregor  IV.  schon  im  neunten
Jahrhunderte  gegründeten  Schul=  und  Kirchenfestes  des  heil.  Gregorius  —
ward  in  offizieller  Weise  von  Lehrern  und  Schülern  feierlich  begangen.  Nachgerade
  wurde  Schulschluß  und  Gregorifest  auf  den  Beginn  des  Mai's  verlegt
  und  letzteres,  vom  Banne  des  „Ludimagisters“  sich  losmachend,  entwickelte
sich  in  freier  volksthümlicher  Weise.  Wir  schildern  hier  das  Brucker  Gregorifest.


Die  Schuljugend  wählte  aus  ihrer  Mitte  vorerst  einen  Kaiser,  demnächst
  sein  Gefolge  aus  allen  Ständen,  und  begann  nun  in  entsprechender
Vermummung  ihren  Umzug  durch  den  Markt.  Wo  der  Troß  eines  behäbigen
  und  freigebigen  Bürgers  Haus  wußte,  da  fiel  er  ein,  und  die  Jungen
und  Dirnen  trugen  ihre  Sprüche  vor,  so  gut  es  ging,  und  erhielten  dafür
Eier,  Schmalz,  Mehl,  Bier  und  wohl  auch  kleine  Münze.  Der  Umgang
dauerte  volle  8  Tage  hindurch,  und  was  die  Sammlung  eintrug,  wurde  jeweils
  dazu  verwendet,  eine  frohsamliche  Schmauserei  am  Rathhause  anzurichten,
  daran  gewöhnlich  auch  Musik  und  Tanz  für  solche  anreihte,  die  just
der  Schulstube  schon  entwachsen  waren.  —  Die  Sprüchlein  aber  lauteten
nach  dem  Berichte  Eines,  der  seinerzeit  selber  in  der  Rolle  des  Kaisers  aufgetreten
  war,  folgendermassen:  Der  Kaiser  sprach:

Ein'  glückselig'  Tag  alliusgemein!

Bitt  um  Verzeihung,  daß  wir  kommen  erein.
Ein'  alten  Brauch  an  diesem  Tag

Allhier  im  Churmarkt  die  Schul  vermag.
Ich  bitt  um  einig'’'  wenig'’  Sachen,

Thut  mit  uns  eine  kleine  Zeit  vertragen.
Kaiser,  König,  Fürsten,  Grafen,

Pfleger  Richter,  Advokaten,