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Königs Friedrich Wilhelm IV. anzuwohnen. Dagegen begab sich
am 8. Jan. Kronprinz Albert nach Berlin, um im Namen seines
Vaters dem nunmehrigen König Wilhelm I. zu seiner Thron-
besteigung Glück zu wünschen, und sah sich dort mit be-
sonderer Auszeichnung empfangen. Mit gleicher Courtoisie be-
gegnete man dem sächsischen Thronfolger bei den am Rhein Mitte
September abgehaltenen Königsmanövern. Wenige Wochen später
führte ihn der Auftrag, seinen Vater bei der Königskrönung
Wilhelms I. in Königsberg zu vertreten, am 14. Okt. zunächst
nach Berlin, wo ihm wenige Stunden nach seiner Ankunft König
Wilhelm persönlich die Kette zu dem Orden vom Schwarzen Adler
überreichte. Am 15. wurde dann in Gemeinschaft mit dem Groß-
herzog von Baden, dem Prinzen Luitpold von Bayern, dem
Kronprinzen Karl von Württemberg und dem Fürsten von Hohen-
zollern die Reise nach der ostpreußischen Krönungsstadt fortgesetzt,
wo selbstverständlich eine Fülle fürstlicher Herrschaften und er-
lauchter Vertreter auswärtiger Regierungen sich versammelt hatten.
Von den letzteren mag vor allem der besondere Gesandte des
Kaisers Napoleon genannt werden, Marschall Mac Mahon, Herzog
von Magenta. Der Kronprinz nahm noch an den Einzugsfestlich-
keiten in Berlin teil und kehrte am 24. Okt. hoch befriedigt
von der ihm gewordenen Aufnahme nach Dresden zurück.
In der Zwischenzeit hatte der Kronprinz im Auftrage seines
der übrigen Familie nachgereisten Vaters am 7. Aug. 1861 den
Landtag geschlossen. In der vom Kronprinzen verlesenen Thron-
rede wurde den Ständen besonders dafür gedankt, „daß selbst in
einer Zeit mannigfacher politischer Aufregung und bei zahl-
reichen Meinungsverschiedenheiten durch ruhigen und aufrichtigen
Austausch der Ansichten und treues Festhalten an dem allen ge-
meinsamen Streben für das Beste des Vaterlandes die schwierig-
sten Aufgaben gelöst und die glücklichsten Resultate erzielt werden
konnten.“ Es ist auf die Tätigkeit dieses zehnten ordentlichen
Landtags, der schon am 1. Nov. 1860 eröffnet worden war, schon
gelegentlich des von ihm verabschiedeten Gewerbegesetzes Bezug
genommen worden. Neben den inneren Fragen war aber mit
größerer Stärke als früher auch hier die Frage der Bundesreform