Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1827. (4)

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Es  gibt  Krankheiten,  welche  durch  Vermittelung  von  Tieren  übertragen
  werden.  Außer  der  Schlafkrankheit,  welche  durch  gewisse
Fliegen  übertragen  wird,  aber  für  Deutschland  keine  Bedeutung  hat,
kommen  in  dieser  Beziehung  in  erster  Linie  die  Malaria  und  das
Rückfallfieber  in  Betracht.  Bei  der  Malaria  spielt  bekanntlich
eine  bestimmte  Mückenart,  die  Anopheles,  beim  Rückfallfieber  in  Europa
wahrscheinlich  die  Wanze  und  der  Floh,  in  Afrika  eine  Zecke  eine
Rolle.  Auch  das  Gelbfieber  wird  durch  Insekten  übertragen;
inwieweit  dies  beim  Fleckfieber  der  Fall  ist,  wissen  wir  noch
nicht  genau.

Das  Seuchengesetz  hat  es  nicht  für  nötig  befunden,  die  Bekämpfung
dieser  Insekten  anzuordnen.  Eine  solche  Maßregel  schien  dagegen  unerläßlich
  gegenüber  der  Pest,  bei  deren  Übertragung,  wie  neuere  Forschungen
  ergeben  haben,  hauptsächlich  die  Ratten,  aber  auch  Mäuse
eine  gewisse  Rolle  spielen.  Jedenfalls  enthält  §  20  R.G.  die  Befugnis,
zum  Schutze  gegen  Pest  Maßregeln  zur  Vertilgung  und  Fernhaltung
von  Ratten,  Mäusen  und  anderem  Ungeziefer  anzuordnen.

In  den  alten  Pestberichten  finden  sich  die  Ratten  noch  nicht  erwähnt.
  Wenn  man  sie  auf  einigen  älteren  Bildern,  die  sich  auf
Pestepidemien  beziehen,  abgebildet  findet,  so  darf  man  daraus  nicht
schließen,  daß  unsere  Altvorderen  die  Bedeutung  der  Ratten  für  die
Verbreitung  der  Pest  erkannt  hätten;  auf  die  Rolle,  welche  sie  dabei
spielen,  ist  man  erst  neuerdings  aufmerksam  geworden.  Während  der
Pestepidemie  von  1897  in  Indien  hat  man  z.  B.  beobachtet,  daß  die
Pest  in  Orten,  welche  durch  einen  Fluß  in  zwei  Teile  getrennt  waren,
nach  ihrem  Auftreten  an  der  einen  Flußseite  nach  der  anderen  nicht
hinübergelangte,  was  man  darauf  schob,  daß  die  Ratten  den  Fluß
nicht  durchschwimmen  konnten.

Ähnliches  beobachtete  man  in  Alexandrien,  Oporto  und  a.  a.  O.
Unter  den  Eingeborenen  in  Indien  und  im  Innern  von  Afrika  ist  es
seit  langer  Zeit  bekannt,  daß  dem  Auftreten  der  Pest  unter  den  Menschen
  ein  auffälliges  Rattensterben  vorherzugehen  pflegt.  In  Häfen
hat  man  wiederholt  beobachtet,  daß  auf  Schiffen,  welche  neben  einem
Schiffe  mit  Pestkranken  lagen,  plötzlich  unter  den  Ratten  Erkrankungen
und  Todesfälle  an  Pest  vorkamen.  Bei  der  Neigung  der  Ratten,  allerlei
Abfälle  anzuknabbern,  ist  es  leicht  erklärlich,  daß  sie  die  in  den  Absonderungen
  von  Kranken  befindlichen  Pesterreger  in  sich  aufnehmen
können.  Erkrankt  und  stirbt  eine  Ratte,  so  wird  sie  von  ihren  Genossen
  sofort  angefressen  und  verzehrt,  und  auf  diese  Weise  pflegt
sich  die  Krankheit  mit  unglaublicher  Schnelligkeit  unter  den  Rattenbeständen
  eines  Schiffes  zu  verbreiten.  Der  Umstand,  daß  es  in  Bombay
und  verschiedenen  anderen  Orten  Indiens,  in  denen  die  Pest  seit  dem
Jahre  1897  herrscht,  trotz  aller  Bemühungen  nicht  gelingt,  der  Seuche
Herr  zu  werden,  hängt  zweifellos  damit  zusammen,  daß  sich  die  Pest

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