Volltext : Königlich-Baierisches Regierungsblatt. 1807. (2)

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5.  Nach  erhaltener  Erlaubniß  seyen  die
Gemeindeglieder  Mann  fuͤr  Mann  durch  das
betreffende  Amt  oder  Gericht  zu  vernehmen,
und,  wenn  zwei  Dritttheile  einverstanden
sind,  ein  förmliches  Syndikat  zu  verfaßen.

6.  Dieses  Syndikat  soll  nie  auf  einzelne
Glie  der  der  Gemeinde,  sondern  einzig  auf
einen  rezipirten  Anwalt  gestellet,  und

7.  sogleich  bei  Einreichung  der  Klage  beigebracht
  werden;  widrigenfalls  der  Anwalt
mit  der  Klage  nicht  nur  abgewiesen,  sondern
auch  mit  einer  Strafe  von  20  Reichsthalern
ohne  Nachsicht  belegt  werden  solle.  Bamberg
den  13.  April  1807.

Königliche  Landesdirektion.
in  Bamberg.

Freiherr  von  Stengel.
Sartorius.

 

(Die  Einführung  der  Todtenbeschau  in  der  schwibischen
  Provinz  betreffend.)

Im  Namen  Sr.  Majestät  des  Königs.

Oefter  kann  es  der  Fall  sepn,  daß  Menschen,
  die  für  todt  gehalten  werden,  nur  in
tiefer  Ohnmacht  liegen;  folglich  nur  scheintodt
  sind;  daß  der  Verstorbene  durch  Gifr,
oder  angebrachte  Gewalt  getödtet  worden,
ohne  daß  die  Obrigkeit  von  elnem  solchen
Morde  etwas  erfährt;  daß  die  Krankheit  des
Verstorbenen  von  einer  solchen  Art  gewesen,
daß  es,  in  Hinsicht  auf  dessen  Bett  und  Kleidung,
  besonderer  Vorsichtsmahregeln  bedarf,
  um  einer  Ansteckung  vorzubeugen;
daß  endlich  in  einem  Orte,  oder  in  einer  Gegend
  mehrere  Menschen  an  einer  Krankheit

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sterben,  wogegen  von  Seite  der  Staatsverwaltung
  Vorkehrungen  getroffen,  oder  die
Hilfe  der  Kunstverständigen  aufgerufen  werden
  soll.  Um  nun

1)  zu  verhüten,  daß  Niemand,  der  nur
scheintodt  ist,  begraben  werde;

2)  heimlichen  gewaltsamen  Todesarten
auf  die  Spur  zu  kommen;

3)  die  weitere  Verbreitung  ansteckender
Krankheiten  verhindern  zu  können,  und  von
gefährlichen  epidemischen  Krankheiten  sichere
Notiz  zu  erhalten.

wird  die  Todtenbeschau  eingeführt.
Es  werden  deshalb  folgende  Verfügungen
zu  Jedermanns  Kenntniß  gebracht.

K.  1.  So  wie  man  vermuthet,  daß  ein
Mensch  verstorben  sey,  soll  der  aufgestellte
Todtenbeschauer  sogleich  berufen  werden,
um  zu  untersuchen,  ob  wirklicher  Tod,  oder
etwa  nur  Scheintod  vorhanden  sep.

Vor  der  Ankunft  des  Todtenbeschauers
darf,  unter  Strafe  von  10  Reichsthalern,
der  Todte  weder  auc  dem  Bette  genommen,
oder  dessen  Mund  oder  Nase  verstopft,  noch
dessen  Gesicht  bedeckt  werden.

.  2.  Der  Todtenbeschauer  hat  im  Allgemeinen


1.  zu  pruͤfen,  ob  wirklicher  Tod,  oder
nur  Scheintod  vorhanden  sey;

2.  zu  untersuchen,  ob  der  Tod  auf  eine
natuͤrliche  oder  gewaltsame  Weise  erfolgt
sey;

3.  darauf  zu  achten,  ob  der  Verstorbene
nlcht  eine  unsteckende  Krankheit  gehabt  habe